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Pulsnitz: Fotografenkarriere mit Höhen und Tiefen

Hans-Jürgen Fichte ist seit 42 Jahren mit der Kamera unterwegs und hat schon viele Veränderungen bewältigt. Corona bringt neue Herausforderungen mit sich.

Hans-Jürgen Fichte betreibt sein Fotostudio in Pulsnitz seit 20 Jahren. Dort bietet er unter anderem Porträtaufnahmen an.
Hans-Jürgen Fichte betreibt sein Fotostudio in Pulsnitz seit 20 Jahren. Dort bietet er unter anderem Porträtaufnahmen an. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Im Fotostudio von Jaqueline und Hans-Jürgen Fichte auf der Robert-Koch-Straße in Pulsnitz ist es ruhig. Nur ganz selten läutet die Ladentür. Dann kommt Hans-Jürgen Fichte nach vorn, berät und bedient den Kunden. Doch die meiste Zeit arbeitet er im hinteren Bereich, wo sich das Studio befindet und Technik zum Bearbeiten der Fotos steht. Viel Zeit verbringt er am Computer, wo er die Aufträge der Kunden erfüllt. Die Digitalisierung auf dem Gebiet der Fotografie hat die Arbeitswelt von Hans-Jürgen Fichte verändert. Das bekommt er täglich zu spüren - im positiven wie im negativen Sinn.

Hans-Jürgen Fichte kann auf eine lange Fotografenkarriere zurückblicken, hat schon viele Veränderungen in der Branche erlebt. 1978 lernte er beim Pulsnitzer Fotografen Kahle das Fotografenhandwerk. Seine erste Arbeit fand er bei der Dewag in Dresden, eine Werbeagentur der DDR. "Ich habe damals verschiedene Produkte für Messen und Prospekte fotografiert", erklärt er die Arbeit. 1987 wechselte Fichte den Job, ging als Zivilbeschäftigter zum NVA-Institut für Luftfahrtmedizin in Königsbrück. Dort ging es vor allem darum, Dias für Vorträge für Tagungen herzustellen oder Untersuchungen fotografisch zu dokumentieren.

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In Kitas und Schulen fotografiert

Nach der Wende, als die Nationale Volksarmee der DDR aufgelöst wurde, gab es auch für den Fotografen keine Arbeit mehr. "Über eine Anzeige las ich, dass von einer Münchener Firma Porträtfotografen in Leipzig gesucht wurden. Ich kam zum Photodienst Leipzig", erzählt er. Sein Job führte ihn vor allem in Kindergärten und Schulen, wo Fotomappen für die Eltern hergestellt und an diese verkauft wurden. "Das war damals ein großer Boom". Auf diesem Gebiet hat Hans-Jürgen Fichte weitergemacht, seit 1992 freiberuflich. Gleichzeitig stand ein dreijähriges Meisterstudium zum Fotografenmeister auf der Agenda des heute 59-Jährigen.

In all den Jahren blieb der Traum vom eigenen Ladengeschäft, der sich 1996 erfüllte. Jaqueline und Hans-Jürgen Fichte eröffneten in Großröhrsdorf ein eigenes Fotostudio. Ende 2000 schloss der Pulsnitzer Fotograf Kahle sein Geschäft in der Pfefferkuchenstadt, Fichtes eröffneten ihr zweites Studio nur wenige Häuser von ehemaligen Fotografen entfernt. Damals wurde noch ganz herkömmlich fotografiert, mit einem Film in der Kamera, der dann entwickelt wurde, wovon Abzüge entstanden. Hans-Jürgen Fichte fotografierte bei Hochzeiten oder anderen Familienfeier, machte Studioaufnahmen, fertigte Passbilder an oder entwickelte die privaten Filme der Kunden.

2002 die erste Digitalstation

Mit der Jahrtausendwende kam der Umbruch ins Digitale. "Da wurde es richtig interessant, und ich habe mir meine erste Spiegelreflexkamera gekauft. 2002 kam dann die erste Digitalstation ins Studio", blickt Hans-Jürgen Fichte zurück. Der Pulsnitzer Fotograf konnte dann alles selbst machen - angefangen vom Fotografieren über das Bearbeiten der Bilder bis hin zum Ausdrucken. Nur zwei Jahre später gab er die Analog-Strecke komplett auf. Ein großer Vorteil bleibt aber, dass er die Analog-Fotografie erlernt hat: Dabei muss das Bild „fertig“ sein beim Auslösen, denn es kann nicht nachbearbeitet werden. Das spart heute Zeit bei der Bildbearbeitung.

Doch mit der Digitalisierung kamen auch Probleme. "Die Leute schafften sich Digitalkameras an, machten alles selbst. In verschiedenen Läden tauchten die ersten Fotoautomaten auf, die Kunden druckten ihre Bilder dort aus. Nur noch wenige kamen ins Fotostudio", berichtet Hans-Jürgen Fichte. Ihm blieben die Fotoaufträge bei Hochzeiten oder anderen großen Familienfeiern, außerdem die Pass- und Bewerbungsfotografie. Manchmal lassen Kunden ältere und zu kleine Fotos für eine Beerdigung oder die Familienchronik nachbearbeiten und dann ausdrucken. Oder es wurden Studiofotos gemacht.

Jaqueline und Hans-Jürgen Fichte bei einer ihrer Fotohochzeitsreisen in der Mittelmeerregion.
Jaqueline und Hans-Jürgen Fichte bei einer ihrer Fotohochzeitsreisen in der Mittelmeerregion. © privat

Die Fichtes entdeckten eine neue Nische: die Fotohochzeitsreisen. Sie organisierten für frisch vermählte Paare oder auch Silberpaare Reisen, meist in die Mittelmeerregion, und begleiteten diese dann mit der Kamera. "Es waren wunderschöne Kulissen, und die Paare hatten eine wirklich nicht alltägliche Erinnerung in Form der Bilder", so der Fotograf. Der Wunsch war es, zehn Jahre lang mit Brautpaaren auf Reisen zu gehen. Das haben Fichtes geschafft. Sie waren die einzigen Anbieter mit diesen Fotoflitterwochen in Region. In den Anfangsjahren fanden sie mit Heiko und Kerstin Winter vom gleichnamigen Autohaus gute Partner, um regionale Hochzeitsmessen zu veranstalten. Die Erste ging im Februar 2000 über die Bühne. Die Messen „Heiraten und andere Feste feiern“ etablierten sich als lokale Höhepunkte für die nächsten zwölf Jahre.

Corona brachte noch einmal einen Tiefschlag, weil zum Beispiel Tanzstundenbälle, Abschlussfeiern oder Hochzeiten und Familienfeste abgesagt wurden. Jaqueline und Hans-Jürgen Fichte waren bis dahin bei diesen Ereignissen oft als Fotografen dabei.

„Unser Pulsnitzer Studio ist jetzt seit genau 20 Jahren für unsere Kunden offen. Darauf sind wir stolz“, sagt Hans-Jürgen Fichte. Dieses kleine Jubiläum wollten sie eigentlich mit Kunden, Freunden und der Familie, die immer eine wichtige Stütze ist, feiern. Doch daraus wurde bisher nichts. Jetzt hoffen sie, es 2021 zum nächsten Jubiläum, dem „Silberner Meisterbrief“, nachholen zu können.

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