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Großröhrsdorf: Elf neue Häuser auf Klinikareal

Im November soll Richtfest für das erste Gebäude im neuen Wohngebiet an der Stiftstraße sein, der Weg bis zum Baubeginn war steinig.

An der Stiftstraße in Großröhrsdorf baut Unternehmer Gerald Holfert einen Wohnkomplex.
An der Stiftstraße in Großröhrsdorf baut Unternehmer Gerald Holfert einen Wohnkomplex. © René Plaul

Großröhrsdorf. Bagger bewegen sich auf der aktuellen Baustelle von Gerald Holfert. Der Unternehmer kann inzwischen zufrieden auf das Areal des früheren Großröhrsdorfer Krankenhauses blicken. Die Bauleute arbeiten am Fundament für die ersten Gebäude. Der Weg bis zu dieser Bauphase war steinig. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. So stieß der Bauherr auf gewachsenen Fels, was das Projekt verzögerte.

Vor ihm hatte sich schon ein Investor an dem Areal versucht, aber aufgegeben. Wohl weniger wegen des Granits, sondern wegen fehlender Konzepte. So kam der Tipp aus dem Bekanntenkreis, dass für das Krankenhausgelände ein Interessent gesucht werde. Da sei er eingestiegen. Obwohl inzwischen über 70 gehöre er nicht zu den "Ruhefindlern", erklärt der Bauunternehmer. 

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Der Standort habe ihn gereizt, und er habe gemeinsam mit einem Finanzpartner extra für dieses Projekt eine neue Investoren-Gemeinschaft gegründet. Denn billig werde das Unternehmen nicht, sondern gehe deutlich in die Millionen. Daneben stecke aber auch viel Eigenkapital in dem Projekt und damit schon ein hohes Risiko.

Zwischen Ostsee und Sachsen tätig

Ursprünglich im Uranbergbau in Thüringen tätig, war Gerald Holfert nach der politischen Wende in seine Dresdner Heimat zurückgekehrt, um sich neu zu orientieren. So stieg er in die Bau- und Immobilienbranche ein und gründete die Unternehmensgruppe Holfert, kurz HoGe. Seit fast 30 Jahren ist Holfert nun im Baugeschäft zwischen Ostsee und Sachsen tätig, zuletzt  in Zinnowitz. Mit seiner Frau lebt er heute im Radeberger Ortsteil Liegau. Also gar nicht so weit von der aktuellen Baustelle in Großröhrsdorf entfernt.

Mit dem Wohnprojekt wolle er den Großröhrsdorfern auch ein bisschen Optimismus einhauchen, was möglich ist. Und was eben nicht mehr möglich gewesen sei. Der Investor weiß, dass an dem ehemaligen Krankenhaus, dem Carl-Großmann-Stift, einige Emotionen gebürtiger Großröhrsdorfer hängen. Denn viele erblickten hier das Licht der Welt. Mit so manchen habe er selbst an der Baustelle geredet. Die Erinnerungen auffrischen und mal schauen wollten, wie es nun hier aussieht.

Nicht ohne Stolz bemerkt der Investor, dass er keine Unternehmen von irgendwo fernab einfliege, sondern hiesige Handwerker aus einem Umkreis von rund 25 Kilometern. Auch im Rathaus sei man froh gewesen, dass sich doch noch ein neuer Investor gefunden habe, denn die Brache sei ja nicht schön fürs Stadtbild. Vor ein paar Jahren wäre das historische Gebäude vielleicht noch zu retten gewesen, so Gerald Holfert, aber es sei wohl kein Geld dafür da gewesen: „Der Zug war inzwischen abgefahren.“ Da seien sich die Fachleute einig gewesen, versichert der Investor. Über 20 Jahre lag das Gelände brach. Ende des Vorjahres kamen die Abrissbagger.

„Es war nur noch eine verfallene Ruine in herrlicher Lage, eingefasst von majestätischen alten Bäumen.“ Der Bauherr zieht einen Hefter mit Fotos hervor, die den erbärmlichen Zustand zeigen. So ist inzwischen die alte Klinik verschwunden, die alten Bäume werde er auf jeden Fall erhalten, verspricht der Investor: „Ich bin sehr froh über den herrlichen Baumbestand. Der werde dem Wohngebiet eine gesunde Atmosphäre und gute Luft geben.“ So habe der Naturschutz noch einige Auflagen erteilt, unter anderem um Fledermäuse und seltene Mücken zu schützen, das sei beispielsweise fürs Beleuchtungskonzept ausschlaggebend gewesen.

Richtfest im November für die Reihenhäuser

Auf den 7.600 Quadratmetern sollen jetzt insgesamt elf Gebäude entstehen  und eine neue Straße, die das Gelände erschließt. Eine Erschließung sei auch bei Medien wie dem Abwasser nötig. Es habe hier bisher nur eine uralte Fäkaliengrube gegeben.  Gemeinsam mit dem Bürgermeister der Stadt, Stefan Schneider, habe er noch an Details gefeilt. Geplant sind jetzt ganz konkret vier Reihen- und fünf Einfamilienhäuser, sowie ein Doppelhaus, wo einmal etwa 30 bis 40 Bewohner ein neues Zuhause finden sollen.

Alles werde Stein auf Stein gebaut, mit energieeffizienter Dreifachverglasung, Luftwärmepumpe für die Heizung und Parkett.  Die Wohnflächen werden zwischen 150 und 170 Quadratmetern liegen. Er wolle das Areal schrittweise erschließen. Die ersten vier Reihenhäuser entstehen genau auf dem Grundriss des historischen Krankenhausbaus. Im November soll Richtfest sein. Parallel zum Bau beginne der Verkauf. 2022 sollte der  Wohnkomplex komplett stehen,  so Gerald Holfert, wenn alles planmäßig läuft.

Der Krankenhausbau in Großröhrsdorf, das Carl-Großmann-Stift, wurde noch bis Ende der 1990er-Jahre als Geburts- und Frauenklinik genutzt.

Der Bau Ende des 19. Jahrhunderts geht zurück auf den Webereifabrikant Carl Gottlob Großmann. Es war damals eine bedeutende Investition für eine bessere medizinische Versorgung der Menschen im Rödertal.

Im früheren Großröhrsdorfer Krankenhaus, dem Großmannstift, erblickten viele Rödertaler das Licht der Welt. Es wurde Ende des Vorjahres abgerissen.
Im früheren Großröhrsdorfer Krankenhaus, dem Großmannstift, erblickten viele Rödertaler das Licht der Welt. Es wurde Ende des Vorjahres abgerissen. © René Plaul

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