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Das passiert auf einem Kamenzer Schandfleck

Das frühere Sparmann-Betriebsgelände mit seinen Ruinen sorgt immer wieder für Ärger. Nun gibt es große Pläne für das Areal.

Der Schandfleck soll verschwinden: Auf dem Gelände des ehemaligen Sparmann-Steinbruchs in Kamenz ist etwas Neues geplant.
Der Schandfleck soll verschwinden: Auf dem Gelände des ehemaligen Sparmann-Steinbruchs in Kamenz ist etwas Neues geplant. © René Plaul

Kamenz. Am Steinbruch Sparmann in Kamenz tut sich etwas - vorerst zumindest hinter den Kulissen. Das Areal liegt nun seit mehr als 30 Jahren brach „mit ruinösen Gebäudestrukturen am Jesauer Weg und an der Straße der Einheit“, wie es die Stadtverwaltung beschreibt. Doch nun wird es einen neuen Eigentümer geben. Mit dem schließt die Stadt einen städtebaulichen Vertrag, und es wird ein Bebauungsplan erarbeitet. Den Auftrag dazu erteilte jetzt der Stadtrat.

Der Plan soll eine geordnete Erschließung des Geländes gewährleisten und alle erforderlichen Punkte wie Fragen des Naturschutzes und die nach den nötigen Verkehrswegen klären. Das Ganze läuft unter dem Titel „Revitalisierung des ehemaligen Betriebsgeländes Steinbruch Sparmann“.

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Projekt in acht Wochen aus dem Boden gestampft

Für die Stadt ist es die Chance, eine Brachfläche, einen Schandfleck nach vielen Jahren in Ordnung zu bringen. Man habe das Vorhaben innerhalb von nur acht Wochen mit dem Investor quasi aus dem Boden gestampft, erläutert Oberbürgermeister Roland Dantz (parteilos). Es sei zwar ein schwieriges Gelände, habe aber Potenzial. Das habe der Investor erkannt.

Die Ruinen auf dem früheren Betriebsgelände am Steinbruch Sparmann erinnern an längst vergangene Zeiten, als hier noch gearbeitet wurde.
Die Ruinen auf dem früheren Betriebsgelände am Steinbruch Sparmann erinnern an längst vergangene Zeiten, als hier noch gearbeitet wurde. © René Plaul

Wegen der Ruinen auf dem früheren Betriebsgelände gab es immer wieder Ärger. Erst vor wenigen Monaten beklagten sich Eltern über die Sicherheitslücken zum angrenzenden Wohngebiet und die Gefahren für Kinder in einem Dickicht aus Wildwuchs und verfallenen Gebäuden. Zäune wiesen Lücken auf. Dort gibt es mittlerweile zumindest Absperrband.

Doch künftig soll sich grundsätzlich etwas am Zustand des Geländes ändern. Geplant ist auf dem Areal von etwa 1,6 Hektar ein großer Komplex für altersgerechtes und betreutes Wohnen. Dazu kommen drei Mehrfamilienhäuser. Die Zufahrt soll von der Straße der Einheit aus erfolgen und direkt zum Seniorenwohnen führen. Östlich davon Richtung Jesauer Weg sollen die drei Wohnhäuser entstehen.

Erste Vorstellungen des Investors von der Bebauung: Die Zufahrt zum altenbetreuten Wohnen (rosa) soll von der Straße der Einheit her erfolgen; rechts sind die Mehrfamilienhäuser skizziert.
Erste Vorstellungen des Investors von der Bebauung: Die Zufahrt zum altenbetreuten Wohnen (rosa) soll von der Straße der Einheit her erfolgen; rechts sind die Mehrfamilienhäuser skizziert. © Quelle: Standverwaltung Kamenz

Dr. Matthias Faensen ist Geschäftsführer der Senioren-Wohnen Holding GmbH aus Berlin, die das Projekt mit einer Tochtergesellschaft vorantreibt. Die Holding entwickelt Immobilien für ältere Menschen. Darin verbinde man das Konzept des betreuten Wohnens mit Service in Wohnungen und Wohngemeinschaften. Ein selbstbestimmtes Leben im Alter bei voller Sicherheit durch altersgerechtes Wohnen sei das Ziel.

In Kamenz sehe das Unternehmen eine „positive Entwicklung insgesamt, auch bei der Nachfrage nach familienfreundlichem Wohnraum“, sagt Faensen.

Hinter dem Projekt steht ein großes Pflegeunternehmen

Hinter dem Projekt steht ein großes Pflegeunternehmen, die Advita Pflegedienst GmbH. Die ist nicht ganz unbekannt in der Region - allein in Sachsen mit 25 Häusern von A wie Altenberg bis Z wie Zwickau. Die Pflegegesellschaft baute das Hauptpostamt in Görlitz um und ist auch in Radeberg zu finden, wo ebenfalls ein schwieriges Objekt, eine Investruine, wiederbelebt wurde. Auch in der Bautzener Altstadt betreibt die Advita zwei Einrichtungen.

„Für die Dienstleistungsangebote der Advita Pflegedienst GmbH sehen wir überall ein großes Potenzial“, sagt Faensen. Die Advita-Häuser in Sachsen seien alle sehr gut ausgelastet.

Auch Wohnungen für junge Familien sollen entstehen

Das soll sich auch auf dem Areal am Steinbruch Sparmann so entwickeln, wo ein Advita-Haus entstehen wird: mit Wohnungen für Betreutes Wohnen, Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz und einer Tagespflege. In den drei Mehrfamilienhäusern sind vor allem größere Wohnungen für Familien geplant.

Der Investor orientiere sich dabei auch an den Vorstellungen und dem Bedarf der Stadt, schätzt der beteiligte Projektentwickler Mike Weser-Schwurack ein. Mit den wachsenden Industriestandorten, so die Prognose, werde sich vieles entwickeln; zunehmend würden junge Familien auf Wohnungssuche sein. Der Dresdner Projektentwickler spricht von einem grünen Stadtteil, der sich hier entwickeln wird, wo Jung und Alt beieinander wohnen können. Im südlichen Terrain werde ein Teil des Geländes als Biotop erhalten.

Baustart ist im kommenden Jahr geplant

Im betreuten Wohnen ist es so angedacht, dass auch jüngere Senioren und Paare hier gemeinsam alt werden können, ohne noch einmal in eine Pflegeeinrichtung umziehen zu müssen. Sollte die Gesundheit nicht mehr so mitspielen, sei die Pflege gesichert. So ist auch eine Essenversorgung aus eigener Küche mit im Konzept. Weitere Dienstleistungen könnten je nach Lebenssituation genutzt werden.

Um die Chancen für das Projekt schon im Vorfeld zu ermitteln, habe die Stadt bereits wichtige Genehmigungsbehörden angefragt und Meinungen eingeholt. Demnach stehen die Aussichten wohl ganz gut.

„Die Kapazitäten und damit die Zahl der zukünftigen Bewohner sowie die erforderlichen Investitionen stehen noch nicht fest“, erklärt Dr. Faensen. Aber ein ehrgeiziges Ziel stehe: Der Baustart soll bereits im kommenden Jahr sein.

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