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Kamera ab!

Ab 2016 kommt der Kult-Krimi „Tatort“ endlich wieder aus Dresden. Ist das die große Chance für Radeberg & Co.?

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© dpa, SZ/Uwe Nitzschke

Von Jens Fritzsche

Das neue Jahr wartet ja nicht nur mit einer neuen Jahreszahl auf, sondern auch mit einem neuen Tatort-Ermittlerteam in Sachsen! Die sächsischen Folgen von Deutschlands beliebtestem Sonntagabend-Krimi kommen dann endlich wieder aus Dresden, nachdem das Leipziger Intermezzo – zumindest mit Frau Thomalla und Herrn Wuttke – nicht wirklich begeistert hatte. Zwei Folgen sind dabei in Dresden und Umgebung schon gedreht worden, die nun 2016 flimmern werden. Und da sollte man im Raum Radeberg durchaus hellhörig geworden sein. Denn wie erwähnt wurde nicht nur in Elbflorenz selbst, sondern eben auch drumherum gedreht. In Meißen zum Beispiel. Also sollte sich nun auch das Rödertal mit seinen spannenden Tatort-Kulissen zwischen Arnsdorf, Radeberg, Wachau, Ottendorf-Okrilla, Langebrück und Weixdorf kräftig in filmische Stellung bringen! Die SZ hat schon mal ein paar kleine Drehort- und Drehbuch-Ideen vorbereitet:

„Mülljöh am einstigen Hotel

Sollte der neue Tatort beispielsweise auch mit hintersinnigem Wortwitz aufwarten wollen, wie zum Beispiel der Tatort aus Münster mit Axel Prahl und Jan-Josef Liefers, dann könnte er ja im „Mülljöh“ spielen (was für ein Gag!?). Und was passt da als Drehort besser als die illegale Müllkippe am einstigen Hotel „Heiterer Blick“ am Radeberger Ortsausgang Richtung Leppersdorf? Wobei schon das ein ungewollt komischer Wortwitz ist: diesen absolut nicht lustigen (An-)Blick auch noch heiter zu nennen. Es muss dabei im Übrigen ja auch nicht unbedingt eine Leiche im (Müll-)Keller sein, die im Krimi dann gefunden wird. Wäre ja auch irgendwie unrealistisch, denn dazu müsste ja zuvor mal jemand auf dem Areal nach dem Rechten sehen … Es würde ja letztlich genügen, wenn laut Drehbuch vielleicht ein Dieb auf der Flucht vor den Kommissaren versucht, seine Beute hier zwischen all dem Unrat zu verstecken. Ohne Erfolg natürlich, denn auch Sonntagabend-Krimis gehen ja meist gut aus. Apropos gut ausgehen: Wenn am Ende die Einschaltquote stimmt, könnte der Drehort ja sogar ein wenig touristisch vermarktet werden. Was mit dem Aschenbrödel-Film auf Schloss Moritzburg funktioniert, sollte doch auch mit einem Tatort am „Heiteren Blick“ klappen … Mit Müll Geld verdienen, warum sollten das denn nur Entsorgungsunternehmen dürfen? Und vielleicht verlocken ja die Einnahmen derart, dass sich der Besitzer dann doch noch mal um sein Grundstück kümmert .

Verfolgungsjagd auf dem geplanten Radweg

So ein Tatort lebt ja auch von wilden Verfolgungsjagden durch herrliche Landschaften. Vielleicht kann die Polizei die Verbrecher ja dabei sogar mal ökologisch wertvoll per Fahrrad zur Strecke bringen? Abgesehen davon müssen ja irgendwie immerhin anderthalb Filmstunden gefüllt werden, da helfen Fahrräder im Vergleich zu allzu rasanten Autos sicher, ein paar Minuten zu schinden … Eine wunderbar filmreife Kulisse wäre da ja in jedem (Kriminal-)Fall der Radweg zwischen Radeberg und dem Arnsdorfer Ortsteil Wallroda. Herrliche Landschaft mit Blick aufs Hüttertal und den Stausee Wallroda, schöne Straße neben dem Radweg – aber genau das ist eben auch das nicht gerade kleine Problem: Der Radweg ist nämlich seit Jahren zwar geplant, aber bisher nicht gebaut worden. Obwohl er als Schulweg unbedingt wichtig wäre. Hilft nun vielleicht der Tatort? Denn am fehlenden Geld für den Bau fehlt es ja bekanntlich nicht. Die Gemeinde Arnsdorf und auch das zuständige Landesamt für Straßenbau hätten gern schon längst feierlich die Baggerschaufeln in den Straßenrand gerammt, wenn nur endlich die Grundstücksbesitzer das notwendige Land bereitgestellt hätten. Vielleicht lassen die sich ja nun aber mit einer Rolle im Tatort ködern? Möglich wäre ein solcher Gastauftritt sicher, immerhin hat ja demnächst zum Beispiel auch der Chefredakteur der Bildzeitung eine Gastrolle als Leiche in einer Tatort-Folge. Und der bekannte Krimi-Regisseur Hitchcock spielte ebenfalls bekanntermaßen in jedem seiner Filme eine kleine Nebenrolle. Und hier in Wallroda wäre es ja zudem noch für einen guten Zweck! Vielleicht sogar mit einem kleinen Dialog verbunden – als extra Bonbon sozusagen? „Wer hat denn für diesen wunderbar glatten Radweg gesorgt?“, könnte die Kommissarin nach erfolgreicher Verhaftung des flüchtigen Täters dann glücklich vom Rad steigend in die Kamera fragen. Und der dann Ex-Grundstücksbesitzer könnte ihr das Rad abnehmen und strahlend antworten: „Ich!“ Geht mehr?

Ermittlungen zum Autobahnanschluss

Ein Tatort muss ja dabei nicht immer einfach nur Krimi nach üblichem Muster sein. Nach dem bekannten Schema: Leiche gefunden, Polizei ermittelt, Täter überführt, Abspannmusik. Warum nicht mal neue Fernsehwege gehen? Wege, die vielleicht am Ende sogar Ottendorf-Okrilla in einer im kommenden Jahr wahrscheinlich stärker ins Blickfeld rückenden Sache nützen könnten? Ein interaktiver Tatort mit Zuschauer-Voting zum Beispiel. Der Fernseh-Krimifall könnte sich dabei um den aufkommenden Streit zwischen Dresden und Ottendorf-Okrilla drehen, ob denn nun die Autobahnabfahrt im Ortsteil Hermsdorf bleiben soll, worauf Ottendorf pocht – oder stattdessen eine Abfahrt am neuen Weixdorfer Gewerbegebiet Promigberg eingerichtet werden soll, wie es sich Dresden wünscht. Ottendorf-Okrilla befürchtet mit dem Aus der Abfahrt Hermsdorf bekanntlich Probleme, weil es dann nur noch eine Ausfahrt aus dem ausgebuchten Ottendorfer Gewerbegebiet mit seinen fast 5 000 Arbeitsplätzen geben würde. Das Tatort-Drehbuch könnte nun der Kriminalfilm-Fantasie kräftig die Sporen geben, könnte spekulieren. Es könnte um versuchte Bestechungen gehen, um politische Ränkespiele sogar – und irgendwo sollte sich natürlich auch irgendeine Leiche über irgendeinen Zaun hängend in die Kamera räkeln. Der Quote wegen. Und am Ende könnte ja dann das dem Fernseh-Krimi gewogene deutsche Sonntagabend-Tatort-Publikum per Telefon oder ganz modern natürlich auch per Internet abstimmen, welche Autobahnabfahrt letztlich das Rennen machen soll. Eine Art Vorentscheid wie beim European Song Contest, der früher mal beschaulich Schlager-Grand-Prix hieß … Und beim aktuell demolierten Ruf Dresdens hätte Ottendorf beste Chancen, dass die Fernsehzuschauer ihr Herz für die Abfahrt Hermsdorf entdecken … Aber natürlich müsste Ottendorf zuvor auch den Drehbuchautor mit jeder Menge Pro-Hermsdorf-Argumenten ausstatten, die er dann auffallend, aber unauffällig in sein Drehbuch einbaut. Am besten argumentiert es sich natürlich bei feinem Essen, zwischen Geschenken sitzend … Nur das dürfte dann natürlich nicht unbedingt mit im Drehbuch stehen.

Leichen mit Markennamen

Wie ja ein Tatort überhaupt eine super Werbemöglichkeit in eigener Sache ist. Wenn beispielsweise minutenlang eine im Kofferraum vor sich hin liegende Leiche samt Markenname des zum Kofferraum gehörenden Autoherstellers über den Bildschirm flimmert, könnte ja neben der Leiche eigentlich auch gleich noch ein Kasten einheimischer Getränkeproduktion minutenlang in die deutschen Wohnzimmer flimmern. Oder ein Kommissar könnte sich ein Brötchen mit Radeberger Käse- oder Wurstspezialitäten gönnen. Was dabei für sogenannte Produktplatzierung gilt, wäre aber auch eine super Werbe-Idee für das Rödertal als Wohnstandort. Warum kann denn nicht ein Akteur aus dem neuen Tatort-Ermittlerteam in Radeberg, Arnsdorf, Langebrück oder Ottendorf-Okrilla wohnen und morgens bequem per Zug ins Polizeipräsidium nach Dresden fahren? Und dann noch schnell seinen Kollegen wortreich vorschwärmen, dass es sich preiswert und gut wohnt vor den Toren Dresdens – und dass der Verkehrsverbund Oberelbe eine spitzenmäßige Vertaktung hinbekommt. Und wenn das MDR-Fernsehen mit der Doku-Soap „Elefant, Tiger & Co.“ seit Jahren jeden Freitag eine gut halbstündige Werbeshow für den Leipziger Zoo sendet, müsste das doch eigentlich auch mal in einem Tatort fürs Rödertal möglich sein; so ein- bis zweimal pro Jahr!? Fragen kostet jedenfalls nichts. Also, nur Mut, liebe Wirtschaftsförderer in den Rathäusern in und um Radeberg.