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Kameras im Rückscheinwerfer

Kameras im Rückscheinwerfer eines Wartburgs, als Elektriker getarnte Wohnungsschnüffler und vorgetäuschte Einbrüche in der Gartenlaube – die Methoden der Staatssicherheit in der DDR waren vielfältig. Gestern öffnete die Außenstelle der Gauck-Behörde in Dresden ihre Türen für die Öffentlichkeit.

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Von Susann Funke

Kameras im Rückscheinwerfer eines Wartburgs, als Elektriker getarnte Wohnungsschnüffler und vorgetäuschte Einbrüche in der Gartenlaube – die Methoden der Staatssicherheit in der DDR waren vielfältig. Gestern öffnete die Außenstelle der Gauck-Behörde in Dresden ihre Türen für die Öffentlichkeit. Etwa 140 Bürger nutzten die Chance und besuchten die Ausstellungs- sowie die Archivräume der Behörde.

„Meine Frau und ich sind vor allem wegen der Ausstellung zum 17. Juni 1953 hier“, erzählt der Rentner Gerhard Schneider. Er hat den Aufstand damals im Elbtalwerk in Heidenau erlebt und kann kaum fassen, wie willkürlich gehandelt wurde. „Meine zwei Brüder sind alle beide festgenommen worden. Der eine kam nach Pirna ins Gefängnis, der andere nach Dresden in die Anstalt am Münchner Platz. Wir hatten Angst, und niemand wusste, was wirklich passiert.“ Das Ehepaar Schneider interessiert sich besonders für die damaligen Zustände in den DDR-Gefängnissen. Die Wanderausstellung zum Arbeiteraufstand, die bisher in Niesky zu sehen war, enthält vor allem Erlebnisberichte von Inhaftierten.

Isolde Wehnert (57) beeindrucken eher die Akten, die sie während einer Führung durch das Archiv zu sehen bekommt: „Mich schockt besonders die Arbeit des Geheimdienstes.“ Etwa zwölf laufende Kilometer Akten in grauen Schränken bewahrt die Behörde in ihrem Archiv auf. Dabei unterteilen sich die Hefter in orange und blaue. Orange steht für Täter-Unterlagen, blau für Opferakten. „Das ärgert mich manchmal wirklich“, sagt Hans-Peter Ziegner, Mitarbeiter im Aktenerschließungsbereich, „denn Täter- und Opferakte stehen im Regal einfach nebeneinander.“

Nur geringer Anteil

junger Interessenten

Anhand eines Falles erklärt Ziegner, wie detailliert die Stasi arbeitete, verkleidet als Elektriker die Wohnung des Opfers durchsuchte oder sein Wochenendhaus inspizierte. Eine Diskussion bricht los, als Ziegner die kopierten Sparbücher des Mannes zeigt. Die Besucher streiten darüber, ob es Parallelen zu heute gibt und ob Stasi-Informanten von ihren Mitmenschen verachtet werden müssen. Es gibt solche und solche, meint Isolde Wehnert. Manche wurden gezwungen, manche nicht.

Außenstellenleiter Konrad Felber freut sich über die Diskussionsbereitschaft. „Es ist immer gut, wenn ein Dialog entsteht, schließlich wollen wir die Geschichte aufarbeiten, und das geht nur durch Erklären und Fragen.“ Der Anteil Jugendlicher dabei sei gering, bedauert er. „Um aber auch diese Zielgruppe zu erreichen, die immer weniger über die damalige Zeit weiß, arbeiten wir mit vielen Schulen zusammen.“

2004 will er häufiger nach Ostsachsen, also Niesky oder Hoyerswerda, gehen und dort unter anderem Schülern in Geschichtsleistungskursen „Stoff zum Anfassen“ bieten. Ab Januar wird Felber jeden letzten Donnerstag im Monat eine Archivführung in der Dresdner Außenstelle anbieten. Die Ausstellung über das MfS und die 20. Kunstaustellung im Aktenlesesaal sind während der Öffnungszeiten der Behörde zu sehen. Felber: „Wir wollen den Leuten etwas bieten, wir wollen eine Servicebehörde sein.“