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„Kameras stoppen keine Autodiebe“

Der neue AfD-Abgeordnete Tino Chrupalla über Sicherheit an der Grenze, Frauke Petry und das Ansehen des Landkreises.

© nikolaischmidt.de

Von Frank Seibel

Über diesen Erfolg war er dann doch überrascht. Dass er den Wahlkreis gewonnen hat, nennt Tino Chrupalla das „Sahnehäubchen“. Was der AfD-Kreisvorsitzende von heute an in Berlin bewirken will, erklärt er im SZ-Interview.

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Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Herr Chrupalla, werden Sie der Einladung zur Fraktionssitzung folgen – oder treffen Sie sich mit Frauke Petry?

Ich werde zur Fraktionssitzung gehen. Mich hat der Schritt von Frauke Petry völlig überrascht, ich habe zuvor nichts geahnt. Es ist ein starkes Stück.

Meinen Sie das positiv oder negativ?

Weder noch. Es ist einfach nur sehr überraschend.

Ist es richtig, Sie als Vertreter des eher gemäßigten Petry-Kurses einzuschätzen?

Ich habe mich nie als Vertreter eines Petry-Flügels gesehen. Für mich steht die AfD als gesamte Partei im Mittelpunkt.

Welche Strömung hat die AfD in Sachsen so erfolgreich gemacht: die gemäßigte von Frauke Petry oder die radikale von Jens Maier?

Darüber will ich nicht spekulieren. Wir waren als Gesamtpartei mit all ihren Strömungen erfolgreich.

Erstmals ist der Raum Görlitz von der Regierung in Berlin abgekoppelt. Ist das gut für die Region?

Das muss kein Nachteil sein. Es gibt so viele Wahlkreise, die keinen Abgeordneten in einer Regierungspartei haben.

Aber Ihr Vorgänger, Michael Kretschmer von der CDU, hat über seine sehr guten Kontakte in Berlin viel für die Region tun können, indem er Fördermittel organisiert hat – das attestieren ihm viele Bürgermeister, Museumsleiter, Hochschulrektor ...

Das ist doch aber nicht sein Geld, sondern das Geld des Steuerzahlers ...

Gleichwohl ist es eine Frage, wie dieses Geld im Land verteilt wird.

Dann fragen Sie mal, wie viele Menschen im Norden des Landkreises je etwas von Michael Kretschmer mitbekommen haben. Er ist weitgehend unbekannt – nach 15 Jahren im Bundestag!

Wie definieren Sie Ihre Rolle als Abgeordneter: Sind Sie Interessenvertreter für den Landkreis oder Vertreter Ihrer AfD-Wähler im Landkreis?

Ich bin mit einem Programm angetreten und dafür gewählt worden. Natürlich bin ich davon überzeugt, genau mit diesem Programm die Interessen der Region zu vertreten.

Sind Sie dennoch offen für Kooperationen über Parteigrenzen hinweg – mit Kommunalpolitikern beispielsweise?

Natürlich verschließe ich mich nicht. Wer mir freundlich begegnet, dem werde ich freundlich begegnen.

Was wollen Sie als Abgeordneter in Berlin konkret für die Region tun?

Ein großes Problem für den Mittelstand sind die Sanktionen gegen Russland. Gießereien und Metallbaubetriebe im Landkreis leiden ganz konkret darunter.

Soll man lieber tatenlos zusehen, wie in Europa das Völkerrecht verletzt wird, wie im Osten der Ukraine?

Man sollte nicht zu wirkungslosen und schädlichen Mitteln greifen. Sanktionen bringen nicht mehr Sicherheit und Frieden, sondern heizen Konflikte an. Und sie schaden der heimischen Wirtschaft in diesem Fall mehr als der russischen.

Ihr Hauptthema ist die Grenzkriminalität. Wie wollen Sie verhindern, dass hier nahezu täglich ein Auto gestohlen wird?

Ich bin für strikte Grenzkontrollen. Kameras genügen nicht. Da sieht man auch nur noch die Rücklichter ...

Also wollen Sie aus dem Schengen-Abkommen austreten?

Schengen funktioniert ja nicht. Wir haben keine sicheren EU-Außengrenzen. Und solange das nicht funktioniert, muss jeder Staat seine Grenzen selbst schützen. Dänemark hat es vorgemacht.

Aber die Zusammenarbeit der Polizei in Polen und Sachsen ist immer effektiver geworden ...

Das ist ja schön, aber es reicht eben nicht. Und mich stört es nicht, kurz an der Grenze anzuhalten und den Ausweis zu zeigen.

Sie haben eine verfehlte Sozialpolitik der SPD kritisiert. Was werden Sie besser machen?

Wenn Menschen zwei oder drei Jobs haben müssen, um über die Runden zu kommen, stimmt etwas nicht. Mittelständische Betriebe könnten höhere Löhne zahlen, wenn sie von Steuern und Abgaben entlastet würden. Die Energiewende sollte beispielsweise allgemein aus Steuern finanziert werden, nicht über die Abgaben, die Firmen auf den Energieverbrauch zahlen.

Schauen wir aufs Gute: Welches Potenzial sehen Sie in der Oberlausitz?

Wir haben gute mittelständische Betriebe, und wir haben gute Perspektiven im Tourismus.

Aber mit der Wahl ist die gesamte Unzufriedenheit der Menschen in den Fokus gerückt – und ein Drittel für die AfD ist nicht gerade ein Image-Gewinn.

Das bestreite ich ausdrücklich. Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern zeigen, dass eine bürgerlich-konservativ-patriotische Partei dem Image und dem Tourismus nicht schadet. Und ich habe gestern sogar E-Mails bekommen, in denen Menschen schreiben, sie wollen nun nach Görlitz ziehen, weil hier noch ein gesunder Menschenverstand zu Hause ist.

Was wird eigentlich aus Ihrem Malerbetrieb, wenn Sie Politiker sind?

Das habe ich schon vorab geklärt. Die Aufgaben werden unter den Mitarbeitern aufgeteilt, ich bleibe aber Geschäftsführer.