merken

Kampf um Pflastersteine

Darf der holprige Körnerweg zum besseren Radeln asphaltiert werden? Eine Loschwitzer Interessengemeinschaft sagt aus mehreren Gründen: Nein.

© Christian Juppe

Von Tobias Winzer

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Der Körnerweg ist gar nicht so alt wie gedacht und kann deswegen relativ unkompliziert saniert werden, eventuell sogar mit Asphalt – so hat sich das, verkürzt formuliert, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) vorgestellt. Er stützte sich dabei auf Erkenntnisse, wonach der holprige Teil des Elberadwegs Anfang der 50er-Jahre neu gepflastert wurde (die SZ berichtete).

Gegen diese Argumentation wehrt sich nun die Interessengemeinschaft (IG) Historischer Körnerweg. „Das wäre, als ob man den sanierten Zwinger als einen Neubau bezeichnen würde“, sagt Ralf Weber. Der Loschwitzer ist Professor für Raumgestaltung an der TU, Mitglied der IG und hat sich bereits im März in einer zwölfseitigen Arbeit mit der Geschichte des Pfads beschäftigt. Der Körnerweg sei nicht in den 50er-Jahren neu gepflastert worden, sondern die alten Steine seien nur neu verlegt worden – allerdings unsachgemäß. Seinen Forschungen nach stammt das Pflaster aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als der Körnerweg noch wesentlich schmaler war. Eine Asphaltierung ist für Weber aus mehreren Gründen keine Option.

Erstens sei der Weg als Kulturlandschaft von überregionaler Bedeutung und schützenswert. Zweitens ist im aktuellen Bebauungsplan festgeschrieben, dass die Oberfläche „wasserdurchlässig“ zu gestalten ist, also nicht mit Asphalt. Eine Änderung des Bebauungsplans würde Jahre dauern, so der 61-Jährige. Drittens sei der Körnerweg ein Gesamtsystem zum Hochwasserschutz. Viertens sei eine Asphaltierung sehr teuer, weil der Untergrund frost- und hochwassersicher ausgebaut werden müsse. Außerdem müsste dann eine Art Prallschutz für die Elbe her.

In einem sind sich IG und ADFC aber einig: „Es gibt keinen, der sagt, dass die Rumpelstrecke bleiben soll“, so Weber. Er setzt große Hoffnung in die Sanierung eines Teilstücks, die die Stadt für das kommende Jahr plant. Demnach soll auf einem 75 Meter langen Teilstück vom Heilstättenweg in Richtung Blaues Wunder ein 50 Zentimeter breiter Pfad mit dem alten Pflaster erhalten bleiben. Daneben kommt ein breiterer Weg mit neuen Sandsteinplatten.

Sollte der Körnerweg einmal komplett saniert sein, will ihn Weber als Gemeinschaftsstraße für Fußgänger, Radler und Autofahrer ausgeschildert wissen. Radfahrer sollen dann höchstens Tempo 15 fahren dürfen. Wer es besonders eilig habe, könne auf den Radweg auf der anderen Elbseite ausweichen.