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Kann der VVO die Tarifzonen streichen?

Leser schreiben, was sie sich für den öffentlichen Nahverkehr wünschen. Der Verkehrsverbund antwortet.

© Daniel Schäfer

Von Franz Werfel

Sächsische Schweiz. Wie kann der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) noch besser, noch gerechter, noch günstiger werden? Zurzeit wird so viel öffentlich über den öffentlichen Personennahverkehr diskutiert, wie schon lange nicht mehr. Als der VVO vor Kurzem, zum 20. Geburtstag, seine Erfolge noch einmal aufzählte und sich dabei auch ein bisschen selbst feierte, gab es neben Glückwünschen und vielen positiven Reaktionen auch kritische Wortmeldungen.

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Eine besonders interessante Debatte unter Lesern und VVO-Nutzern entspann sich auf der Internetseite der Sächsischen Zeitung. Darin haben Leser auch Vorschläge gemacht, wie der VVO mit seinen beteiligten Verkehrsunternehmen noch kundenfreundlicher werden könnte. Die SZ hat die Fragen und Anregungen gesammelt und mit VVO-Sprecher Christian Schlemper darüber gesprochen.

Warum sind die Tarifzonen wichtig?
Ein Kommentar lautet: „Ich würde mich freuen, wenn die Zonen innerhalb des VVO gestrichen werden und Tickets nach gefahrener Zeit eingeführt werden, zum Beispiel eine halbe Stunde, eine Stunde oder länger.“ Bisher zahlen Pendler von Freital, Pirna oder Radebeul nach Dresden immer den Preis für zwei Zonen. Dem hält Christian Schlemper entgegen: „Eine Bepreisung nur nach Fahrzeit ist sehr ungerecht, besonders für die ländlichen Regionen.“ Schnelle Verbindungen, zum Beispiel mit der S-Bahn von Pirna nach Dresden, wären demnach günstiger, der langsame Überlandbus, der oft hält und die kleinen Orte an die Städte anbindet, wäre dann sehr teuer. Das widerspreche auch den Kosten, die für den Nahverkehr entstehen: Die Eisenbahn sei mit ihrer Infrastruktur und den Fahrzeugen relativ teuer, der Bus preiswert.

Moderne Technologien wie Check-in-Check-out-Systeme via Smartphone kennt der VVO bereits. „Da bei diesen Systemen die Fahrpreisberechnung automatisch erst nach der Fahrt erfolgt, muss der Fahrgast sich mit den Tarifen nicht auskennen.“ Dies sei im Interesse der Kunden und könne Hürden zum Nahverkehr abbauen.

Warum gibt es das Jobticket erst ab 30 Mitfahrern pro Firma?
Das Jobticket schätzen viele Pendler und Firmen in der Region. Ein großer Abnehmer ist beispielsweise die Landkreisverwaltung. Die Regel: Wenn im Betrieb mindestens 30 Beschäftigte Interesse an einer Abo-Monatskarte haben, kann die Firma eine Kooperation mit dem VVO eingehen. Dabei springt für die Pendler ein zusätzlicher Bonus von mindestens zehn Prozent auf den vergünstigten Preis für die Abo-Monatskarte heraus. Und der Arbeitgeber muss womöglich weniger eigene Parkplätze bereitstellen. In der Regel teilen sich der VVO und der Arbeitgeber die Kosten für den Zusatzrabatt. Die Kooperation muss mindestens ein Jahr laufen, der Preis wird direkt vom Arbeitgeber bezahlt und mit dem Monatslohn verrechnet. „Der zusätzliche Rabatt muss sich für die Verkehrsunternehmen lohnen“, sagt Schlemper. Ab 30 neuen Mitfahrern gebe es für diese einen Vorteil, beispielsweise in Vertriebsabwicklung und bei der Werbung für Bus und Bahn. „Eine Änderung dieser Mindestzahl ist nicht geplant“, stellt Schlemper klar.

Das Problem: 95 Prozent aller Firmen im Landkreis haben weniger als zehn Mitarbeiter. Doch auch diese können unter Umständen in den Vorteil des Jobtickets kommen. „Kleineren Firmen empfehlen wir, sich zum Beispiel in einem Gruppenvertrag über den Konzern, die Holding, einen Dachverband oder durch eine freiwillige Vertriebsgemeinschaft mit branchenfremden Unternehmen, etwa innerhalb eines Gewerbestandortes, zusammenzuschließen“, sagt Christian Schlemper. Wichtig sei dabei, dass sich ein Unternehmen bereiterkläre, als Ansprechpartner für den VVO zu fungieren.

Warum gibt es keine Ticket-Entwerter in den S-Bahnen?
Im VVO gilt die Regel, dass Tickets bei Fahrtantritt für die gesamte Fahrt entwertet werden müssen. „Wozu sollte es dann einen Entwerter im Zug geben?“, fragt Schlemper. Sollte ein Entwerter außerhalb des Zuges defekt sein oder ein Tourist das Entwerten nicht kennen, regeln das die Zugbegleiter an Bord.

Sind Monatskarten nach Tschechien für dortige Pendler geplant?
Nicht nur für Touristen, sondern auch für Pendler wären staatenübergreifende Tickets attraktiv. „Wir sind dabei, für die enger werdenden verkehrlichen Verflechtungen zwischen VVO und Nordböhmen die tariflichen Angebote weiterzuentwickeln“, sagt Schlemper. Für Pendler aus Teplice, Dubi, Cinovec in den Landkreis und nach Dresden gebe es bereits für die Buslinie 398 Wochen- und Monatskarten. Mit der Ausweitung des Elbe-Labe-Tickets gebe es seit April schon ein besseres Angebot für Gelegenheitsfahrer in beide Richtungen.