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Kann hier eine Ampel Fußgänger schützen?

Seit einem tödlichen Unfall fordern die Tharandter mehr Sicherheit. Doch über das Wie herrscht noch Uneinigkeit.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Verena Schulenburg

Tharandt. Es ist eine sensible Stelle in Tharandt. Wenn es um den Fußgängerüberweg an der Freiberger Straße geht, ist den Anwohnern vor allem eines in trauriger Erinnerung: der tödliche Verkehrsunfall Ende Oktober 2016. Eine 87-jährige Tharandterin wollte den Zebrastreifen überqueren, als sie von einem Auto erfasst wurde. Sie verstarb noch an der Unfallstelle.

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Nicht erst seitdem kämpfen die Tharandter um mehr Sicherheit an besagter Stelle. Schon als der Landkreis im Frühjahr 2014 die Tempo-30-Schilder an der Straße abmontierte und damit Tempo 50 zuließ, protestierten die Einwohner – vergebens. Dann der Unfall, und nun? Seit Dezember blinken Warnlichter vor dem Fußgängerüberweg und mahnen Autofahrer zur Vorsicht. Eine vorübergehende Maßnahme. Wie das Pirnaer Landratsamt schon damals ankündigte, soll in Zukunft eine Ampel die Sicherheit für die Fußgänger erhöhen.

Mittlerweile sind die Planungen bei der Behörde fortgeschritten. Doch ganz sicher ist wohl noch immer nicht, wo genau die neue Verkehrseinrichtung installiert wird. Während die Tharandter stets von einer Ampel in Höhe des derzeitigen Fußgängerüberweges ausgingen, erwägt man im Landratsamt auch einen anderen Standort: Den Kreuzungsbereich unterhalb der Freiberger Straße mit der Roßmäßlerstraße habe der Landkreis ebenfalls als Variante im Blick. Im Sinn der Tharandter ist das aber keinesfalls. Um ihren Standpunkt zu manifestieren, dass eine neue Ampel lediglich im Bereich des heutigen Fußgängerüberweges sinnvoll ist, haben die Tharandter Stadtvertreter zu ihrer jüngsten Sitzung diese Forderung einstimmig beschlossen. Ob das die Vertreter des Landkreises bei ihrer Entscheidung berücksichtigen?

Ziel sei zumindest „eine gemeinsame Entscheidung von Stadt, Landkreis als Verkehrsbehörde und Freistaat als Baulastträger“, erklärt Heiko Weigel, Beigeordneter im Landkreis auf SZ-Nachfrage. Erst wenn feststeht, wo die Anlage hinkommt, könnten Aussagen darüber getroffen werden, was die Ampel den Freistaat kostet und wann sie aufgestellt wird. Eigentlich sollte diesen Donnerstag bei einem gemeinsamen Treffen der Behörden an der gefährlichen Stelle die Situation diskutiert werden. Der Termin wurde aber verschoben. Ein neuer Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Für die Tharandter kommt eine Ampel an der Kreuzung zur Roßmäßlerstraße nicht infrage. „Was das Landratsamt vorschlägt, wäre eine Katastrophe. Das darf nicht umgesetzt werden“, sagte Markus Gilak (Freie Wählergemeinschaft). Er befürchtet, dass durch eine Ampel an der Stelle Staus verursacht werden. Das könne nicht im Sinn des Landkreises sein und es ist auch nicht im Sinn der Tharandter.

Die Arbeitsgruppe Verkehr bemüht sich unter der Führung von Jens Heinze (Grün der Zeit) darum, den Verkehr in der Innenstadt zu beruhigen und den Lärm zu minimieren. Eine Ampel an der Einmündung zur Roßmäßlerstraße würde dazu nicht beitragen – im Gegenteil, das Problem verschärfen. Schließlich befinden sich entlang der Roßmäßlerstraße schon zwei Ampeln in Tharandts Innenstadt. Dass eine weitere Ampel an der Kreuzung Freiberger Straße/Roßmäßlerstraße zu Stau führen kann, wissen die Tharandter nur zu gut. Als schon voriges Jahr wegen Bauarbeiten der Verkehr der B 173 zwischen Wilsdruff und Freiberg durch Tharandt umgeleitet wurde, also so wie aktuell auch, sorgte bereits eine Baustellenampel an genau dieser Stelle für Verkehrschaos. Die Anlage wurde daraufhin abgebaut.

Und noch ein anderes, viel größeres Problem kommt hinzu: Sollten die Fußgänger anstatt über den Zebrasteifen weiter bergab zum Kreuzungsbereich geleitet werden, würden auch der Schulweg und der Weg vieler Kita-Kinder umständlicher werden, die jetzt über die Amtsgasse oder Heinrich-Cotta-Straße die Freiberger Straße queren, befürchtete Jens Heinze.

Das sei nicht nur umständlich, sondern vor allem gefährlich für diejenigen, die dennoch den gewohnten, kürzeren Weg nehmen. Manfred Oswald (SPD) stimmte dem zu: Die Sicherheit der Fußgänger wäre damit erst recht in Gefahr. Ein Aspekt, der demnächst vor Ort diskutiert wird.