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Kanzler regt Prüfung des Embryonenschutzes an

Rot-Grün will gesetzliche Regelungen aber derzeit nicht ändern.

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Berlin. Die Bundesregierung strebt angesichts zunehmender Forschungserfolge im Ausland derzeit keine Lockerung des Embryonenschutzes in Deutschland an. In zwei Jahren sollen die gesetzlichen Regelungen aber überprüft werden, sagte Regierungssprecher Béla Anda am Freitag in Berlin.

Ausdrücklich wies Anda einen Pressebericht zurück, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wolle Koalition und Öffentlichkeit für einen biopolitischen Kurswechsel gewinnen. Deutschland sei aber bereit, „sich in diesem sensiblen Bereich zu bewegen“, so Anda. Eine grundsätzliche Öffnung der Stammzellforschung sei indes nicht geplant. In der Umgebung des Kanzlers wird allerdings darauf hingewiesen, Deutschland dürfe den Abstand zu den erfolgreich an Stammzellen forschenden Nationen „nicht zu groß werden lassen“.

Schröder wird nach Angaben Andas bei der Verleihung einer Ehrendoktorwürde an der Universität Göttingen am 14. Juni seine Position zur Stammzellenforschung darstellen. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte berichtet, der Kanzler wolle ein Plädoyer für das therapeutische Klonen und eine unbeschränkte Stammzellforschung halten. Anda sagte, Schröder werde bekräftigen, dass eine „vernünftige Balance“ zwischen den Chancen und Risiken der Forschung in Deutschland fürs Erste gefunden sei.

Auslöser der Debatte waren spektakuläre Forschungsergebnisse zum therapeutischen Klonen im Ausland. Britische Forscher hatten als erste in Europa menschliche Embryonen geklont und zwar nach dem Prinzip, das 1996 zum Klon-Schaf Dolly führte. Teamleiter Miodrag Stojkovic sagte: „Wir tun dies nicht, um Menschen zu klonen.“ Das Klonen von Embryonen zur Schaffung eines Babys steht auch in Großbritannien unter Strafe.

Koreanische Wissenschaftler sind schon einige Schritte weiter als die britischen. Sie hatten das Erbmaterial bislang unheilbar Kranker in Eizellen eingesetzt und aus den daraus entstandenen Embryonen bereits Stammzellen entnommen. Ziel der Forschung ist es, schwer therapierbare Krankheiten wie Diabetes oder Parkinson zu besiegen.

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), die wie Schröder eine weitreichende Stammzellforschung befürwortet, betonte: „Wenn die Wissenschaft sich in Zukunft so weiterentwickeln sollte, dass therapeutische Anwendungen möglich sind, dann muss auch im Bundestag die Debatte über gesetzliche Regelungen neu geführt werden.“ In Deutschland sind der Forschung an Stammzellen enge Grenzen gesetzt. Wissenschaftler dürfen zwar keine Stammzellen aus menschlichen Embryonen gewinnen, für hochrangige Forschungsziele aber welche aus dem Ausland importieren. (SZ/svs/dpa)