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Kanzleramt macht Turmfreunden Hoffnung

Der Bund stellt Fördermittel für den Dresdner Fernsehturm in Aussicht. Dafür braucht es einen konkreten Sanierungsplan. Den will die Stadt nun liefern.

© Ronald Bonß

Von Tobias Hoeflich

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Es war wohl der Mut der Verzweiflung, mit dem sich Eberhard Mittag im Oktober zum Briefkasten begab. Zwei Schreiben schickte er auf den Weg nach Berlin – eines ans Bundeskanzleramt, das andere ans Bundespräsidialamt. Darin bat der Vorsitzende des Fördervereins Fernsehturm Dresden Deutschlands ranghöchste Politiker um Hilfe, das Wachwitzer Wahrzeichen wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Der Besucherbereich samt Café und Aussichtsplattform ist seit 1991 geschlossen. „Es war natürlich klar, dass sie nicht sofort ein paar Millionen herüberschieben“, sagt Mittag. „Aber wir haben immerhin das Signal aus Berlin bekommen: Wir stehen hinter euch.“

Tatsächlich machen die Antwortschreiben der beiden Bundesämter, die der SZ vorliegen, dem Förderverein und auch vielen Dresdnern Hoffnung, die auf 145 Meter Höhe wieder einen Kaffee schlürfen wollen. Zwar ist aus dem Bundespräsidialamt keine Hilfe zu erwarten, da sich Joachim Gauck aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht an die Spitze einer solchen Initiative stellen könne. „Mir persönlich erscheint die Idee, eine gemeinsame Lösung zu finden, aber erfolgsversprechend“, schreibt Amtsmitarbeiterin Waltraud Breitenfeldt dem Dresdner Verein.

Gemeinsam könnte auch heißen, dass der Bund Fördermittel für den Fernsehturm bewilligt. Diese Möglichkeit stellt zumindest das Kanzleramt in Aussicht: Zwar seien vorrangig die Stadt Dresden, der Freistaat Sachsen sowie die Telekom als Besitzer für das Bauwerk zuständig, wie Ministerialdirektor Günter Winands betont. „Soweit die Beteiligten vor Ort ein tragfähiges Konzept für die denkmalgerechte Sanierung entwickeln, könnte der Eigentümer des Turmes einen Förderantrag bei der Bundesregierung einreichen.“

Für Erhalt und Restaurierung national wertvoller Kulturdenkmäler unterstützt der Bund klamme Kommunen mit Fördergeld. Um den Fernsehturm wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sind nach Schätzungen mindestens acht Millionen Euro nötig. Geld, das die Stadt Dresden nicht hat und die Telekom nicht investieren will. Sie betreibt das Bauwerk zwar nach wie vor, um Radio und Fernsehprogramme zu verbreiten. An einer Öffnung der Besucherplattform beteiligt sich das Unternehmen aber nicht.

Treff mit der Telekom geplant

Zu den Erfolgsaussichten auf mögliche Fördermittel hält sich das Rathaus noch zurück. „Das Antwortschreiben des Bundeskanzleramtes an den Förderverein Dresdner Fernsehturm ist uns bisher nicht bekannt“, erklärt Stadtsprecher Kai Schulz. In der Vergangenheit hätte es bisher keine Chance auf Bundesfördermittel für den Fernsehturm gegeben. Schulz kündigt jedoch an, mit Eberhard Mittag und Mitstreitern ins Gespräch zu kommen. „Wir werden hierzu auf den Förderverein zugehen!“ Gleichzeitig verkündet der Stadtsprecher, dass es mit der Telekom Gespräche über ein Sanierungskonzept geben soll. Die Kosten dafür sind aber nicht gesichert: „In der gegenwärtigen Haushaltsdiskussion wird hierzu ein erneuter Anlauf genommen.“

Allzu optimistisch will Eberhard Mittag vorerst nicht sein. „Die Telekom als Eigentümer muss bei dem Konzept und einem Antrag ja auch mitmachen“, sagt der Fördervereinschef. Nach wie vor fehlt ihm das klare Bekenntnis seitens der Politik, in Dresden und auch Berlin, den Turm wieder für alle erlebbar zu machen. „Dem Bund gehört die Telekom ja zum Teil und damit auch der Turm. Und Eigentum verpflichtet!“, so Mittag. „Wenn wir alle an einem Strang ziehen, wird es irgendwie klappen. Aber es geht nur gemeinsam.“

Unterdessen haben etwa 2 500 Bürger die Internetpetition des Fördervereins zur Wiederöffnung des Turms signiert. Ziel sind 16 000 Unterschriften. Sie sollen Sachsens Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) übergeben werden.

Die Adresse zur Petition: szlink.de/turmpetition