merken

Sport

Mit Sondergenehmigung zum Titel

Karl Bebendorf wird deutscher Meister auf einer Strecke, die er drei Jahre gemieden hat. Nun hofft der Dresdner auf die WM.

Die Erlösung: Der kurzfristige Umstieg von Karl Bebendorf hat sich gelohnt, er holt sich bei der deutschen Meisterschaft den Titel über 3.000 Meter Hindernis. ©  dpa/Sven Hoppe

Es war eine Entscheidung mit Bedacht. Zukunftsorientiert. Karl Bebendorf hat in dieser Saison bereits einen beachtlichen Leistungssprung vollführt. Über 1.500 Meter ist er mit seiner neuen Bestzeit von 3:39,02 Minuten derzeit viertschnellster Deutscher in dieser Saison.

Anzeige
Georgiy Saakyan verlässt die Eislöwen

Die Dresdner Eislöwen gehen ohne Georgiy Saakyan in die neue Saison.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Große Bühne für den kleinen Sport

Es ist ein neu geschaffenes Format: Die Berlin Finals vereinen zehn Meisterschaften, und Dresdner Athleten mischen erfolgreich mit – eine Reportage.

Allerdings liegt der 23-Jährige damit noch drei Sekunden entfernt von der erforderlichen Verbands-Norm für die WM in Doha. „Das wäre auf 1 500 Meter noch mal ein knackiger Leistungssprung“, sagt Bebendorf. Das Wort unmöglich benutzt er ausdrücklich nicht.

Karl Bebendorf ist keiner, der so denkt. Denn jetzt ist er in Berlin deutscher Meister über 3.000 Meter Hindernis geworden, obwohl er diese Strecke drei Jahre lang nicht gelaufen ist. „Ich liebäugle noch mit der Weltmeisterschaft. Deshalb haben wir uns gesagt: Wagen wir jetzt den Umstieg“, sagt er und bezieht seinen Trainer Dietmar Jarosch mit ein. „Der Umstieg war ohnehin für die Olympiasaison geplant. Dass wir jetzt schon gucken, wie es ausschaut, kann nicht schlecht sein. Die Norm kam mir nicht allzu unrealistisch vor“, sagt der 1,83 Meter große Athlet. Diese Sollzeit hat der Deutsche Verband bei 8:29,00 Minuten verankert. Bei seinem gelungenen Comeback in 8:33,59 Minuten war Bebendorf davon nicht allzu weit entfernt.

Er hat sich erst vor knapp sechs Wochen für diesen kurzfristigen Disziplinwechsel entschieden. „Unser Training war auch auf diese 8:29 Minuten ausgerichtet. Das Rennen in Berlin kam mir taktisch entgegen“, betont der deutsche Meister. Die Normzeit für einen WM-Start kann Bebendorf nun noch bis Anfang September nachreichen. Vielleicht bekommt er gleich am Wochenende die Chance dazu. Noch ist allerdings offen, ob der Umsteiger bei der Team-Europameisterschaft im polnischen Bydgoszcz die Hindernis-Strecke laufen darf. „Ich bin zwar jetzt schnellster Deutscher, aber die Meldefrist dafür ist schon abgelaufen. Vielleicht regeln die Bundestrainer das zu meinen Gunsten.“

Auch zur Teilnahme an deutschen Meisterschaften ist ein Leistungsnachweis für die angepeilten Disziplinen erforderlich. Den konnte Bebendorf für die 3.000 Meter Hindernis nicht vorlegen. „Wir haben eine Sonderstartgenehmigung beantragt, ich bin ja bei den Bundestrainern kein Unbekannter“, sagt er. Selbst im Training ist er diese Strecke seit tatsächlich drei Jahren nie komplett gelaufen. „Bei Tempo- und Intervallläufen habe ich mir ein paar Hürden mit auf die Bahn gestellt. Entweder man hat das Rhythmusgefühl – oder eben nicht“, sagt der junge Mann, der 2014 über die im Nachwuchsbereich noch kürzere Strecke von 2.000 Metern schon einmal deutscher Meister geworden war.

Der Sprung im Männerbereich ist ihm über die Hindernisse bislang noch nicht gelungen. „Ich wollte vor drei Jahren davon gar nichts wissen, ich hatte keine Kraft und Ausdauer, den letzten Kilometer gut hinzubekommen, bin da immer förmlich eingebrochen“, erzählt er offen. Also haben Dietmar Jarosch und Bebendorf beschlossen, zunächst eine stabile und schnelle Basis über 1 500 Meter zu schaffen. „Unter 3:40 Minuten, das war das Ziel, was wir auch erreicht haben. Deshalb brauche ich jetzt keine Angst mehr davor zu haben. Über die Hindernisse springen, ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“, sagt er.

Der junge Mann, der als Kundenberater einer Krankenkasse in Cotta 25 Stunden pro Woche arbeitet, will nun Mitte August die nationale WM-Norm über 3 000 Meter Hindernis angreifen. Bis dahin möchte er die Grundlagen für ein Doha-Ticket legen. „Ich bin kein Typ, der sich auf diesem deutschen Titel ausruht und sich drei Tage feiert. Ich hake das ab, nehme das mit. Mein Ziel ist die Weltmeisterschaft. Es ist nicht mein Anspruch, bloß in Deutschland der Beste zu sein“, erklärt der Siebente der vergangenen Hallen-EM.

Mehr Sportthemen finden Sie hier.

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.