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Karlsruhe gibt Radfahrerin recht

Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Radfahrer haben bei unverschuldeten Unfällen auch dann Anspruch auf vollen Schadenersatz, wenn sie ohne Schutzhelm unterwegs waren.

© dpa

Karlsruhe. Bei einem unverschuldeten Unfall haben Radfahrer auch dann Anspruch auf vollen Schadenersatz, wenn sie keinen Schutzhelm getragen haben. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag entschieden. Die Richter gaben damit einer Radfahrerin aus Schleswig-Holstein recht, die 2011 auf dem Weg zur Arbeit schwer am Kopf verletzt worden war. „Für Radfahrer ist das Tragen eines Helms nicht vorgeschrieben“, sagte der Vorsitzende Richter Gregor Galke bei der Urteilsbegründung in Karlsruhe (Aktenzeichen VI ZR 281/13).

Auch nach dem „allgemeinen Verkehrsbewusstsein“ sei das Tragen eines Helmes nicht erforderlich, um sich vor Schäden zu schützen. Denn einer repräsentativen Erhebung zufolge hätten 2011 nur elf Prozent der Radfahrer innerorts einen Helm getragen.

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Die Klägerin kann jetzt mit dem vollen Schadenersatz rechnen. Der BGH hob das vorhergehende Urteil des Oberlandesgerichtes (OLG) Schleswig auf und gab der Klage der Frau in vollem Umfang statt. Es muss nicht neu verhandelt werden.

Was Radler über Fahrradhelme wissen sollten

Was macht einen guten Fahrradhelm aus?

In qualitativ hochwertigen Fahrradhelmen findet sich neben dem CE-Prüfzeichen und der Größenangabe - meist der Kopfumfang in Zentimetern - auch das Herstellungsdatum. Das ist wichtig, weil mit der Alterung die stoßabsorbierende Wirkung der Hartschaumstoffschicht nachlassen kann. Was die Schale betrifft, ist ABS-Kunststoff robuster als das dünnere, leichtere und daher bevorzugt für Sportmodelle verwendete Polycarbonat. Ganz wichtig: Der Helm muss perfekt zur Kopfform passen, darf nicht zu stramm und nicht zu locker sein. Er sollte mittig auf der Stirn sitzen, sich also weder nach unten über die Augenbrauen noch nach oben von der Stirn ziehen lassen. Zwischen Kinnriemen und Kiefer sollte höchstens ein Fingerbreit Luft bleiben.

Wie viel Geld müssen Radler investieren?

Helme für unter 50 Euro bedeuten in der Regel deutliche Kompromisse bei Qualität, Passform, Haltbarkeit und Sicherheit. Radler sollten Experten zufolge daher für einen guten und komfortablen Helm eher um die 100 Euro kalkulieren.

Wann sollte man den Kopfschutz austauschen?

Wenn der Fahrradhelm bei einem Unfall auf den Boden aufschlägt oder auch einfach nur aus der Hand rutscht und auf den Asphalt knallt, sollte er ersetzt werden. Denn dabei können sich feine Risse bilden, die die Schutzwirkung verringern, selbst wenn der Helm äußerlich voll funktionsfähig erscheint. Turnusmäßig schaffen sich Radler, die auf den Kopfschutz schwören, am besten alle fünf Jahre einen neuen Helm an, weil die Hartschaum-Schutzschicht mit der Zeit porös wird und die Dämpfung dadurch nachlässt. Witterung, Sonne und Schweiß begünstigen die Alterung.

Können Kinder aus Fahrradhelmen herauswachsen?

Ja. Deshalb sollten Eltern ab und zu überprüfen, ob der Helm noch richtig sitzt. Bei Kindern ist die Anschaffung eines neuen Helms ungefähr alle zwei Jahre sinnvoll - und das nicht allein wegen der Größe: Viele Schulkinder hängen den Helm nach der Fahrt an den Ranzen, dann eckt er schnell mal irgendwo an und kann kleine Risse bekommen. Vom Gebrauchtkauf raten Experten wegen möglicher Vorschäden, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, grundsätzlich ab.

Braucht der Helm Pflege?

Insekten, Staub und Schweiß werden am besten regelmäßig mit Wasser und gegebenenfalls etwas milder Seife abgewaschen. Scharfe Reiniger sind für die Helmpflege ungeeignet: Sie können das Material angreifen und die Struktur des Schutzhelms schwächen. (dpa)

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Eine Autofahrerin hatte am Straßenrand geparkt und die Autotür unmittelbar vor der sich nähernden Radfahrerin geöffnet. Das OLG hatte der verunglückten Physiotherapeutin 2013 eine 20-prozentige Mitschuld an dem Unfall angelastet, weil sie zum Unfallzeitpunkt keinen Schutzhelm getragen hatte. Entsprechend sollte ihr Schadenersatz gekürzt werden, den sie von der Autofahrerin und deren Versicherung verlangt. Sie ging in Revision.

Im Zentrum der knapp einstündigen BGH-Verhandlung stand am Vormittag die Frage, ob ein vernünftiger Mensch heutzutage vor einer Fahrt mit dem Rad einen Helm aufsetzt. Selbst der Gesetzgeber wolle keine gesetzliche Helmpflicht für Radfahrer einführen, sagte der Anwalt der Klägerin. Dann könne man das von den Radfahrern auch nicht verlangen. „Vernunft ist gefragt und nicht das Verhalten derjenigen, die es schon immer so gemacht haben“, widersprach der Anwalt der Autofahrerin.

„Das ist ein guter Tag für die Radfahrer in Deutschland. Denn wir konnten uns bisher frei entscheiden, ob wir einen Helm tragen oder nicht und das können wir auch in Zukunft. Und das ist auch richtig so, weil Radfahren kein Risikosport ist, sondern gesunde Bewegung im Alltag“, sagte die Pressesprecherin des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.) Stephanie Krone in Karlsruhe. (dpa)