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Karpfenernte gestartet

Die ersten Teiche werden abgefischt. Probleme bereitet Betrieben und Tieren das heiße Wetter – außer in Zeithain.

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© Arvid Müller

Von Sven Görner und Christoph Scharf

Zeithain/Koselitz/Moritzburg. Die Sonne versteckt sich am frühen Morgen noch hinter den Bäumen. Bis sie über die Wipfel schaut, will Henry Lindner, Geschäftsführer der Teichwirtschaft Moritzburg, die Fische aus dem Wasser haben. Denn durch die Hitze am Tag und die länger werdenden Nächte wird der Sauerstoff im Teich knapp. Wenn die Tiere auch noch Stress haben, besteht die Gefahr, dass sie das Abfischen nicht überleben.

Ein Prachtexemplar von einem Spiegelkarpfen - gefischt im Moritzburger Teich.
Ein Prachtexemplar von einem Spiegelkarpfen - gefischt im Moritzburger Teich. © kairospress

Für den Jägerteich in Moritzburg brauchen die Fischer kein großes Netz. Die glänzenden Fischleiber, die sie hier mit einem Kescher nach oben reichen, passen in ein paar Bottiche. Einige ganz gut gewachsene Karpfen, vor allem aber Schleien treten nach einer Stunde Arbeit den Weg in die Hälterbecken an. – Auch bei der Teichwirtschaft Koselitz von Thomas Richter hat die Erntesaison begonnen. Die ersten Forellen und das erste Karpfenfilet wurden am Wochenende bereits verkauft. Noch sei es aber zu früh, um über den Ertrag eine Aussage zu machen, so der Inhaber. Das Schaufischen in Koselitz ist für den 8. Oktober geplant, das um 9 Uhr am Koselitzer Wehrfeldteich beginnt. Dort wird dann wieder die traditionelle Fischsuppe gereicht – auch wenn man in Koselitz genauso über das Wetter ächzt wie in Moritzburg. „Die lange Hitze ist problematisch für die Fische“, sagt Thomas Richter.

Deshalb müssen in Moritzburg die Gewässer beim jetzigen Wetter täglich kontrolliert werden. Denn sterben plötzlich massenhaft Algen ab, wird dadurch schlagartig der Sauerstoff knapp. „Dann können wir versuchen, mit Walzen auf dem Wasser die Situation wieder in den Griff zu bekommen“, erklärt Henry Lindner. Hilft das nicht, bleibt nur ein Notabfischen – in der Hoffnung, möglichst viele Fische lebend aus dem Wasser zu bekommen. Die Karpfen aus den ersten Teichen sind noch etwas unter den Erwartungen des Teichwirts geblieben. Im Durchschnitt brachten sie 1,5 Kilo auf die Waage. „Ich hatte mit etwas mehr gerechnet“, sagt Henry Lindner. „Denn eigentlich waren die Bedingungen in diesem Jahr gut.“ Die rund 80 000 zwei Sommer alten Satzfische – insgesamt 40 Tonnen – konnten im Frühjahr zum geplanten Zeitpunkt in die Teiche gebracht werden. Und danach ließ der richtige Mix aus Sonne, Regen und Wind die Tiere gut fressen. Der Geschäftsführer hofft, dass die meisten Karpfen noch gut zulegen. Schließlich haben die meisten dafür noch ein paar Wochen Zeit. „Wenn sie gut fressen, nehmen sie im Monat etwa 400 Gramm zu.“

Unterm Strich hofft Henry Lindner, in diesem Jahr rund 150 Tonnen Fisch ernten zu können. „Das ist schade, denn wir könnten 20 bis 30 Tonnen mehr verkaufen.“ Auch die Teichwirtschaft, so der Geschäftsführer, verzeichnet in den letzten Jahren ein deutlich steigendes Interesse an regionalen Produkten. „Und auch viele junge Familien bereiten statt Fischstäbchen lieber frischen Fisch zu.“ – Ob es bei der erhofften Erntemenge bleibt, hängt nicht allein vom Wetter ab. Denn die Fische stehen auch bei Kormoran und Fischotter auf der Speisekarte. So leben etwa allein bei der Forellenzuchtanlage Zeithain 50 der schwarzen Vögel rund um den Baggersee. „Jeder von denen frisst ein Pfund am Tag“, sagt Jens Hofmann von der Forellenzuchtanlage. Das macht 25 Kilo Einbußen pro Tag, 175 Kilo in der Woche. Dabei hilft auch nicht, dass der Baggersee mit 20 bis mehr als 30 Meter viel tiefer ist als die Fischteiche: Der Kormoran könne problemlos 30 Meter weit ins Wasser tauchen.

Immerhin: Die Tiefe in Zeithain sorgt dafür, dass die Fische dort kein Problem mit dem heißen Herbst haben – warm wird das Wasser dort nur an der Oberfläche. Am 1. Oktober geht es einigen von ihnen aber dann doch an den Kragen: Dann ist ab 10 Uhr Teichfest in Zeithain mit Schaufischen und Angeln für Kinder.

Der Fischverkauf bei der Teichwirtschaft Koselitz ist jetzt wieder freitags von 13 bis 17 Uhr, sonnabends von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Die Forellenzuchtanlage Zeithain ist Montag bis Freitag, 9 bis 17 Uhr, Sonnabend, 9 bis 12Uhr, offen.