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Karrierefalle: Minijobs in Frauenhand

Sie erledigen im Kreis Mittelsachsen 75 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs. Es gibt keine Lohngerechtigkeit.

© Symbolbild/dpa

Mittelsachsen. Nicht alle Frauen entscheiden sich freiwillig für Teilzeit und für die Familie. Noch immer sind hier 75 Prozent aller Teilzeit- und Minijobs in Frauenhand. Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zum heutigen Internationalen Frauentag aufmerksam.

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Bei den rund 30 500 Teilzeit-Stellen im Landkreis liegt der Frauenanteil nach Angaben der Arbeitsagentur sogar bei 84 Prozent. Volkmar Heinrich, Geschäftsführer der NGG Dresden-Chemnitz, spricht von einer „Karrierefalle“. „Gerade in Hotels, Restaurants und Bäckereien sind Minijobs und Teilzeit-Verträge stark verbreitet. Die Kellnerin in Vollzeit ist die Ausnahme“, so Heinrich. Wer jedoch nur 20 oder 25 Stunden arbeite, habe es beim beruflichen Aufstieg deutlich schwerer. Das gehe aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Danach sind für Teilzeit-Beschäftigte auch Gehaltssteigerungen und Beförderungen seltener.

„Bei der Bezahlung stehen Frauen weiterhin deutlich schlechter da als Männer“, kritisiert Heinrich. So verdienten Frauen in Deutschland zuletzt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. „Es kann nicht sein, dass Paula nur deshalb auf bis zu mehrere Hundert Euro pro Monat verzichten muss, weil sie nicht Paul heißt“, kritisiert Heinrich.

Zwar gebe es auch für die Frauen im Kreis Mittelsachsen seit diesem Jahr erstmals einen Rechtsanspruch darauf zu erfahren, was ein männlicher Kollege in ähnlicher Position verdient. Doch das Lohntransparenzgesetz gilt lediglich in Betrieben mit mehr als 200 Beschäftigten. „Davon hat kaum eine Köchin oder Bäckereifachverkäuferin im Kleinbetrieb etwas“, bemängelt der Gewerkschafter.

Sollte die Politik nicht deutlich mehr gegen die Lohnungerechtigkeit unternehmen, dürfte sich nach Einschätzung der NGG auch die Altersarmut für Frauen im Kreis Mittelsachsen verschärfen. „Geringere Löhne und kürzere Arbeitszeiten sorgen für magere Renten. Außerdem tragen Erziehungs- und Pflegezeiten dazu bei, dass nur wenige Rentenpunkte zusammenkommen“, erklärt Volkmar Heinrich.

In einer aktuellen Studie beziffert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die „weibliche Rentenlücke“ in den neuen Bundesländern auf 23 Prozent. Ein Rentner erhält demnach Bezüge von durchschnittlich 1 056 Euro im Monat. Eine Rentnerin kommt dagegen nur auf 818 Euro.

Hinzu kommt: Im Beruf sind nach Beobachtung der NGG noch immer viele Frauen Diskriminierung ausgesetzt. „Zotige Sprüche an der Theke sind da noch das Geringste“, so Heinrich. In 80 Prozent aller Fälle von sexueller Belästigung von Frauen gehe die Gewalt von einem Mann aus. Dies hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in einer aktuellen Studie festgestellt.

Positiv wertet die NGG Dresden-Chemnitz, dass sich immer mehr Frauen gegen Ungerechtigkeiten im Arbeitsleben zur Wehr setzten. Dabei könnten sie auf die Hilfe der Gewerkschaft zählen – per Rechtsschutz lasse sich etwa der übergriffige Kollege abmahnen.

„Die mittelsächsischen Frauen gehören zu den fleißigsten in Sachsen“, teilte die Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Freiberg Antje Schubert mit. Aktuell gebe es im Landkreis Mittelsachsen über 122 400 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte zwischen 15 und 64 Jahren. Davon 58 555 Frauen. „Mehr als 27 800 von ihnen gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach. Damit liegt die Beschäftigungsquote der Mittelsächsinnen bei 65,2 Prozent“, so Schubert. Den Bundesdurchschnitt von 55,4 Prozent toppen sie mit nahezu zehn Prozent. (DA/je)