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Karstadt droht Schließung von mehr als 20 Warenhäusern an

Aus Hoyerswerda und Görlitz hat sich der Konzern schon zurückgezogen. Jetzt kündigen die Manager ihren Mitarbeitern eine Sanierung ohne Tabus an.

Essen/Dresden. Schmerzhafte Einschnitte, enorme Anstrengung – mit solchen Worten stimmen die Karstadt-Chefs ihre Angestellten auf die nächste Sanierung ein. Vorige Woche hatte die oberste Managerin Eva-Lotta Sjöstedt überraschend gekündigt. Gestern schrieben die verbliebenen Geschäftsführer Kai-Uwe Weitz und Miguel Müllenbach den Beschäftigten, ein Sanierungskurs ohne Kompromisse stehe bevor.

In dem Brief steht: „Um Karstadt zu retten, muss alles auf den Prüfstand.“ Das Unternehmen könne sich „weder Tabus in der Hauptverwaltung noch bei der Logistik oder in einzelnen Filialen leisten“. Gleichzeitig erschien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Interview mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Karstadt, Stephan Fanderl. Er sagte auf die Frage nach bevorstehenden Schließungen, es gebe noch keine konkreten Beschlüsse. Doch das Unternehmen mache sich Sorgen um die Profitabilität von mehr als 20 Häusern.

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Demnach ist jedes vierte Karstadt-Warenhaus in Gefahr. Der Konzern mit Sitz in Essen betreibt 83 Geschäfte. In Sachsen sind es nur noch zwei, beide in modernen Bauten in den Innenstädten von Dresden und Leipzig. Bis 2006 hatte Karstadt in Dresden zwei Verkaufsstellen, dann wurde das ehemalige Centrum-Warenhaus an der Prager Straße geschlossen, und rund 100 von 850 Beschäftigten bekamen die Kündigung. Das neue Dresdner Kaufhaus arbeitete später auf den Ehrentitel „Premium“-Warenhaus hin – doch den bekamen schließlich nur das Kadewe in Berlin und Kaufhäuser in München und Hamburg.

Die Premium-Häuser gehören inzwischen nicht mehr zum Karstadt-Konzern, sondern wurden wie die Sport-Häuser an die Signa-Gruppe des österreichischen Immobilieninvestors René Benko verkauft. Aus manchen kleineren Städten hat sich Karstadt zurückgezogen. Anfang 2012 schloss der Konzern die Filiale in Hoyerswerda. Das Jugendstil-Kaufhaus in Görlitz wurde 2007 an Hertie übertragen, aber 2009 geschlossen. Derzeit plant dort der Fabrikant Winfried Stöcker, dessen Firma Euroimmun Chemikalien für Medizinlabors herstellt, einen neuen Kaufhausbetrieb.

Welche Filialen Karstadt noch auf den Prüfstand stellt, sollen zuerst die Arbeitnehmervertreter erfahren. An der Größe der Städte ist nicht immer zu erkennen, wo sich der Betrieb lohnt: Das Stammhaus in Wismar gibt es noch, dort wurde Karstadt 1881 gegründet. Auch Städte wie Dessau, Limburg und Memmingen haben Karstadt-Häuser. Einige tragen allerdings den Zusatz „Schnäppchen-Center“, etwa in Berlin-Neukölln und Frankfurt (Oder).

Karstadt hat laut Aufsichtsrat Fanderl genügend Geld, um eine Sanierung zu bezahlen. Gerade sei mit dem Warenkreditversicherer des Unternehmens eine Verlängerung des Vertrages um ein Jahr erreicht worden. Damit ist das Weihnachtsgeschäft gesichert. (dpa/SZ/mz)