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Karstadt zum Schnäppchenpreis?

Nach dem Verkauf der Mehrheit an den Luxus- und Sportfilialen wird über die Zukunft der 83 übrigen Häuser spekuliert.

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© dpa

Essen. Auch drei Jahre nach dem Einstieg von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen ist die Zukunft der Warenhauskette weiter unklar. Spekuliert wird bereits über einen weiteren Rückzug des einst als Karstadt-Retter gefeierten Investors. Nach dem vor zwei Monaten überraschend angekündigten Verkauf der Mehrheit an den Luxus- und Sporthäusern des Konzerns könnte nun auch die Mehrheit an den übrigen 83 Warenhäusern des Konzerns zur Disposition stehen – zum Preis von nur einem Euro.

Auch wenn dieser Bericht des „Manager Magazins“ bislang nicht bestätigt wurde, könnte eine solche Offerte aus Sicht des derzeitigen Karstadt-Eigentümers durchaus Sinn machen, meint der Warenhausexperte und Lehrbeauftragte für Handelsmanagement an der Uni Leipzig, Gerd Hessert. Langfristig sei nach seiner Einschätzung in Deutschland nur maximal jedes dritte Warenhaus überlebensfähig. Angesichts des wachsenden Handels im Internet hätten nur Warenhäuser in Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern eine Chance, so der Experte. Dem Magazinbericht zufolge sollen die österreichische Signa-Gruppe, der bereits die Mehrheit an Karstadt Premium und Sport gehört, und der israelische Diamanten-Milliardär Beny Steinmetz die Option haben, die Mehrheit am Karstadt-Stammgeschäft zu übernehmen. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ würden die Investoren die Option aber nur ziehen, wenn es eine Chance gäbe, Kaufhof als zweite deutsche Warenhausgruppe zu erwerben.

Ebenso wie Berggruen hatte Signa-Gründer René Benko in der Vergangenheit auch Interesse an einer Übernahme des Karstadt-Konkurrenten Kaufhof bekundet. Kaufhof-Chef Lovro Mandac hatte sich zuletzt am vergangenen Wochenende jedoch deutlich gegen eine Fusion mit dem Konkurrenten ausgesprochen. Ein möglicher Zusammenschluss der beiden Konkurrenten hätte nach Ansicht des Handelsexperten Thomas Roeb von der Universität Bonn-Rhein-Sieg den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen zur Folge. Ein Zusammengehen sei aber das Szenario mit der höchsten Erfolgswahrscheinlichkeit, meinte er.

Auch mehr als vier Jahre nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens geht damit die Zitterpartie für die rund 20.000 Karstadt-Beschäftigten weiter. In Sachsen arbeiten rund 850 Menschen in den Karstadthäusern Dresden und Leipzig, dazu noch einmal etwa 30 in der Sportfiliale der Kette auf der Prager Straße in Dresden.

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Berggruen hatte den Konzern 2010 aus der Insolvenz heraus übernommen. Fest steht schon, dass der Anfang 2011 eingesetzte Karstadt-Chef Andrew Jennings zum Jahresende von Bord geht. Ein Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Nach der Ankündigung eines ehrgeizigen Konzepts unter dem Titel „Karstadt 2015“ kurz nach seinem Amtsantritt hatte der Manager der Öffentlichkeit zuletzt kaum noch einen Blick in die Bücher ermöglicht. In einem Interview hatte der neue Karstadt-Miteigentümer Benko vor einigen Wochen immerhin einen Ausbau der Premium-Kaufhäuser in Aussicht gestellt. (SZ/dpa)