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Kartoffeln zum Selberlesen

Einmal im Jahr vermarkten zwei Agrarfirmen im Osterzgebirge ihre Produkte selbst. Der Kunde muss aber auch etwas tun.

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© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Oberhäslich/Liebenau. In den letzten Wochen klingelten die Telefone in der Agrargenossenschaft Reinholdshain wieder heiß. Fast alle wollten von Pflanzenbauchef Klaus Köhler nur eines wissen: „Kann man bei euch in diesem Jahr wieder Kartoffeln lesen?“ Kann man, sagt Köhler. Wie in den letzten Jahren hat sein Unternehmen ein Feld reserviert. Diesmal in Oberhäslich. Dort haben die Reinholdshainer im Frühjahr Kartoffeln gesetzt. Nun steht die Ernte an, zu der die Landwirte ab Freitagvormittag wieder alle Interessierten zum Lesen einladen.

Die meisten wissen bereits, wie das läuft, sagt Köhler. Denn seine Agrargenossenschaft hat in puncto Kartoffellesen eine große Fangemeinde, die sich diesen Tag im Kalender rot anstreicht. Auch in diesem Jahr bietet sich wieder an, einen Korb oder Eimer mitzubringen, in den man die Kartoffeln legt, um sie später in einen der 25-Kilo-Säcke zu füllen, die die Landwirte gegen einen kleinen Unkostenbeitrag bereitstellen. Man kann auch Säcke aus den Vorjahren mitbringen, sagt Köhler.

Wichtig sei aber, dass sie damals von seiner Agrargenossenschaft ausgegeben wurden. Damit könne man auf die Waage am Feldrand verzichten und die spätere Abrechnung vereinfachen. Für einen gefüllten 25-Kilo-Sack Kartoffeln verlangt sein Unternehmen sieben Euro. Den gleichen Preis haben die Kartoffelleser zu zahlen, die sich am Freitag nicht für Oberhäslich, sondern für Liebenau entscheiden. Denn auch hier gibt es wieder Kartoffeln. „Unser Feld befindet sich hinter der Bowlingkneipe Pin-Inn“, sagt Pflanzenbauchef Raik Bellmann, der die über viele Jahre von seinem Vorgänger Bernd Grahl bewahrte Tradition des Kartoffellesens fortführt. Nun ist er zum ersten Mal der Chef auf dem Acker.

Auch die Liebenauer verzichten auf die Waage auf dem Feld und verkaufen ebenfalls standardisierte 25-Kilo-Säcke zum Preis von 40 Cent. „Wenn jemand mit einem Sack aus Reinholdshain kommt, kann er den auch bei uns füllen“, sagt Bellmann. Die Liebenauer bieten aber auch an, dass man sich den Autohänger belädt. Wer das vorhat, sollte sich vorher auf dem Betriebshof melden und dort seinen leeren Hänger wiegen lassen und dann aufs Feld kommen. Sowohl in Oberhäslich als auch in Liebenau gehen die Landwirte davon aus, dass die Kartoffeln gut gewachsen sind und ihre Abnehmer finden werden. Auch in diesem Jahr haben sie die Sorte Quarta angebaut. Damit haben beide Unternehmen in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht. Der Vorteil der Quarta ist, dass sie erst spät Keime treibt. Sie lässt sich Zeit bis ins Frühjahr. Solange bleibt sie frisch. Daher gilt die Quarta als gute Speisekartoffel, die von den Kunden auch geschätzt wird.

Eigentlich ist in beiden Orten alles gut vorbereitet. Nur auf eine Sache haben die Landwirte keinen Einfluss: das Wetter. „Wir hoffen natürlich auch aufs gute Wetter“, sagt Köhler. In den vergangenen Jahren hat es fast immer gepasst. Es war nicht zu kalt und nicht zu warm. Und es hat nicht geregnet.

Kartoffellese in Oberhäslich, Freitag, 16.9; 8-18 Uhr und Sonnabend, 17.9., 8-12 Uhr, Einfahrt Fiebigstraße

Kartoffellese in Liebenau, Freitag, 16.9., 10-18 Uhr und Sonnabend, 17.9., 8-12 Uhr, hinterm „Pin-Inn“