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Kasse leer – Feuerwehr muss warten

Die Gemeinde Lampertswalde kann sich zurzeit kein neues Gerätehaus in Niegeroda leisten. Die Kameraden sind verärgert und drohen mit Austritten.

© Kristin Richter

Von Jörg Richter

Oelsnitz/Niegeroda. So voll ist es bei einer Gemeinderatssitzung in Oelsnitz selten gewesen. Damit hatte niemand gerechnet. Deshalb mussten am Dienstagabend zusätzliche Stühle herbeigetragen werden, damit alle im unteren Sitzungsraum Platz fanden. Unter den 26 Besuchern waren besonders viele Feuerwehrleute aus Oelsnitz und Niegeroda. Sie wollten vom Bürgermeister wissen, wann denn nun endlich das neue Gerätehaus in Niegeroda gebaut wird. Zwar gibt es eine Vorplanung, aber noch nicht mal eine Kostenschätzung.

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Letzteres bemängelte Gemeindewehrleiter Michael Reiske, der zur Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Oelsnitz-Niegeroda zur Ratssitzung mitgekommen war. „Vor einem Jahr wurde gesagt, dass es mit dem Bau losgeht“, schimpfte er, aber jetzt scheine Stillstand bei den weiteren Planungen eingetreten zu sein. Das dementierte Bauamtsleiterin Catrin Niemz. Erst nach der Entwurfsplanung könne man eine Kostenschätzung abgeben.

Doch so ganz unrecht hat Reiske mit seiner Vermutung nicht. Denn wie Bürgermeister Wolfgang Hoffmann mitteilte, gibt es seit Kurzem ein großes finanzielles Problem. Der Gemeinde fehlen in diesem Jahr die Gewerbesteuereinnahmen von Kronospan. Lamperswalde hatte wieder mit 1,6 Millionen Euro gerechnet. So viel hatte der ortsansässige Laminathersteller in den vergangenen Jahren überwiesen. Doch diesmal habe Kronospan einen „Null-Bescheid“ mitgeteilt. Der ganze Gemeindeetat für 2018 ist damit über den Haufen geworfen. „Wir sind weit entfernt von der Haushaltskonsolidierung“, so Hoffmann.

Damit sind bis auf den Hortumbau, der bis zum Beginn des neuen Schuljahres fertiggestellt sein muss, alle weiteren Investitionen infrage gestellt. Auch das neue Gerätehaus in Niegeroda. Von dem ist noch nicht mal klar, wie es gebaut wird. Die Gemeinde favorisiert eine Fertigteil-Blechgarage mit einem dahinterliegenden Sozialtrakt zum Umziehen und mit WC. Voraussichtlicher Kostenpunkt: knapp 200 000 Euro. Aus dem Landratsamt soll der Hinweis gekommen sein, dass Lampertswalde dafür keine Fördermittel erhalten kann. Laut Hoffmann soll Landrat Arndt Steinbach die geplante Fertigteilgarage als „Blechbude“ bezeichnet haben, die nicht den Baurichtlinien für Feuerwehrgerätehäuser entspricht. Nur wenn diese Richtlinien eingehalten werden, würde sich der Landkreis an den Baukosten beteiligen. Doch ein gemauertes und größeres Gerätehaus, das diesen Vorgaben entspricht, würde mehr als eine halbe Million Euro kosten, schätzt die Gemeindeverwaltung ein.

Das kommt in der derzeitigen Haushaltslage momentan nicht infrage. Auch nicht die preiswertere „Blechbude“. Gemeinderat Dierk Bade warb deshalb um Verständnis bei den anwesenden Kameraden. „Wenn Geld fehlt, würde man ja auch privat nichts kaufen, was man sich nicht leisten kann“, argumentiert er. Dem Vorwurf, die Gemeinde würde nichts für die Feuerwehr übrig haben, widersprach er vehement. Er erinnerte an die vorletzte Gemeinderatssitzung: „Da hat uns eine Mutti vorgeworfen, wir würden nur in die Feuerwehr investieren.“ So verschieden sind die Sichtweisen, wenn es ums Geld geht.

Wann das neue Gerätehaus am Ortseingang von Niegeroda gebaut werden kann, blieb offen. Die Kameraden sind verärgert, fühlen sich wieder mal hinten angestellt. Ortswehrleiter Christian Beger, der selbst nicht anwesend war, ließ mitteilen, dass er zurücktrete, wenn andere Vorhaben in der Gemeinde Vorrang haben. Konkret nannte er den Abriss des leerstehenden Gebäudes an der Blochwitzer Kirche. Andere Kameraden drohten sogar mit Austritt. Einer sagte: „Wir reden ständig von Datenschutz, aber mit dem Arbeitsschutz für uns Feuerwehrleute sieht es schlecht aus.“

Tatsächlich entspricht die jetzige Feuerwehrgarage in Oelsnitz schon lange nicht mehr der Norm. Wie ein anderer Oelsnitzer Feuerwehrmann berichtet, müssen die Kameraden bei jedem Alarm erst den alten Barkas rausfahren und eine Minute warten, bis der Qualm aus der Garage verflogen ist. Erst dann könnten sie hineingehen, um sich umzuziehen. Auch dass der Schlauchanhänger von einem anderen Gehöft geholt werden muss, sei eigentlich ein Unding, wenn jede Sekunde zählt. „Ich glaube nicht, dass die Truppe hier noch lange mitmacht“, so ein älterer Oelsnitzer. Normalerweise müsse die hiesige Feuerwehr wegen dieser schlechten Bedingungen vom Dienst abgemeldet werden.

Bürgermeister Hoffmann versprach, dass bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 26. Juni Beschlüsse vorbereitet werden, die Bauplanung voranzutreiben.