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Katastrophenalarm: Wie Dresden vorbereitet ist

Schnell und möglichst genau informiert zu werden, ist bei einer Katastrophe wichtig. Aber was wird dafür getan, dass das auch funktioniert?

Dresden ist flächendeckend mit solchen digitalen Sirenen ausgerüstet.
Dresden ist flächendeckend mit solchen digitalen Sirenen ausgerüstet. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Die Bürger wurden entweder gar nicht alarmiert, nur unzureichend oder zu spät: Diese Kritik nach der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen ist Gesprächsthema spätestens seit Wochenbeginn. Umso mehr, weil eine britische Wissenschaftlerin den deutschen Behörden "monumentales" Versagen bei der Warnung vor dem Unwetter vorgeworfen hat.

Diese Kritik ist auch in Dresden gehört worden. Doch die Stadt hat kein Problem, müssten die Dresdner vor einem Unwetter, Hochwasser oder anderen Gefahren gewarnt werden, meint Andreas Rümpel, der Leiter des Brand- und Katastrophenschutzamtes.

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Zwar hat beim ersten bundesweiten "Warntag" am 10. September 2020 auch in Dresden nicht alles perfekt funktioniert. Doch Bürgermeister Detlef Sittel (CDU), zuständig für Ordnung und Sicherheit und damit auch für den Katastrophenschutz, zog danach dennoch ein positives Fazit. "Der Warntag war für uns die Gelegenheit, so einen öffentlich wirksamen Test durchführen zu können und festzustellen, wo wir nacharbeiten müssen", sagte Sittel nach dem Test.

Wie wird in Dresden alarmiert?

Die Stadt verfügt über ein Sirenen-Warnsystem, das aus 210 digitalen Sirenen besteht, erklärt Amtsleiter Andreas Rümpel. Analoge Sirenen, wie es sie früher zum Beispiel auf Schulen, Rathäusern und Gebäuden der Feuerwehr gab, wurden abgeschafft. Die neuen Sirenen seien so aufgebaut worden, dass sie im gesamten Stadtgebiet zu hören sind. Zusätzlich zu den Heultönen können Sprachnachrichten gesendet werden.

Auf dieser Karte sind die Abstrahlbereiche aller Dresdner Sirenen verzeichnet.
Auf dieser Karte sind die Abstrahlbereiche aller Dresdner Sirenen verzeichnet. © Stadtverwaltung Dresden

Die Warntöne haben sich bei der Einführung der neuen Sirenen nicht geändert. Das heißt, drei jeweils zwölf Sekunden lange Töne mit je zwölf Sekunden Pause bedeuten weiter Feueralarm. Sechs Töne von je fünf Sekunden Dauer mit jeweils fünf Sekunden Pause dazwischen sind eine Gefahrenwarnung. Ein einminütiger Dauerton ist eine Entwarnung. Und nur ein Ton von zwölf Sekunden und danach eine entsprechende Durchsage der Feuerwehr sind ein Probealarm. Diese Signale sind in Sachsen einheitlich geregelt, teilt die Stadt auf ihrer Internetseite zum Dresdner Warnsystem mit. "Gesprochene Ansagen – vom Band oder live, vor oder nach den Signaltönen – können sie ergänzen."

Was ist beim Warntag 2020 schiefgelaufen?

"Großflächig waren die Sirenen in ganz Dresden gut zu hören", stellten die Verantwortlichen nach dem Test fest. Aber: "Einige Sirenen wurden sequentiell, das heißt nacheinander angesteuert." Das habe dazu geführt, dass an einigen Stellen das Signal nicht oder nur sehr leise zu hören war. Dazu kam noch, dass die Feuerwehr bei der Entwarnung mit Durchsage einen "alternativen Übertragungsweg" getestet hat. Die Folge: In einigen Gebieten der Stadt konnte der Text damals nicht oder nur sehr verzerrt gehört werden. "Das lag an einem Fehler im System, der nun analysiert wird."

Im Ernstfall hätte die Warnung also nicht zu 100 Prozent funktioniert. Zusätzlich stellt Rümpel fest, die Hörbarkeit der Sirenen sei von vielen Faktoren abhängig. Dazu gehören die Windrichtung, ob Fenster geschlossen oder offen sind und mit welcher Lautstärke womöglich gerade Musik gehört wird. "Bei der Aufstellung der Sirenen wurden umfangreiche Tests durchgeführt, um vor allem die Bereiche entlang der Elbe und der Weißeritz optimal abzudecken." Die Sprachnachrichten seien allerdings "nur im direkten Umfeld der Sirenen zu hören."

Wie werden trotzdem alle Dresdner alarmiert?

Für den Fall, dass Dresdner das Signal nicht gehört oder eine Sprachnachricht nicht verstanden haben, setzt das Brand- und Katastrophenschutzamt auf weitere Warnkanäle. "Neben dem Sirenen-Warnsystem wird durch die Integrierte Regionalleitstelle Dresden auch das Modulare Warnsystem des Bundes eingesetzt", sagt Rümpel. Dieses System spricht Handy-Apps wie Nina vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe an. Wer diese App auf seinem Smartphone hat, bekommt dann zusätzliche Informationen zur aktuellen Gefahrenlage. Dazu gibt es Handlungshinweise. Darüber hinaus seien in Dresden die Stadtverwaltung und die Feuerwehr im Social Web aktiv. Über Kanäle wie die Internetseite der Stadt, Facebook und Twitter werde dort über eine Gefahrenlage informiert.

Das Problem: Alle diese Möglichkeiten sind mit Voraussetzungen verbunden, die vielleicht nicht jeder Dresdner im entscheidenden Augenblick erfüllen kann oder will. Denn er muss in diesem Moment ein Smartphone oder ein anderes Gerät zum Empfang solcher Infos bereithalten, das auch eingeschaltet sein muss und dessen Aktivität er auch bemerken muss.

Deshalb setzt die Stadt auch auf Radiodurchsagen, Infos in den Online-Kanälen wie Sächsische.de und laut ihrer Internetseite letztlich sogar auf "Mund-zu-Mund-Propaganda". Dort heißt es: "Informieren Sie Ihre Nachbarn und Straßenpassanten über das, was Sie gehört haben." Dabei sollten insbesondere die Durchsagen wiederholt werden.

Können die Sirenen ausfallen?

Defekte sind bei elektronischen Systemen wie bei allen Geräten nie ganz ausgeschlossen. Die Stadt hat aber für den Fall vorgesorgt, dass die Stromversorgung zusammenbricht. Bekommen die Sirenen keine Energie mehr aus dem 230-Volt-Netz, werden sie auf einem anderen Weg mit Strom versorgt, der für mindestens weitere 48 Stunden Betriebsbereitschaft reicht, sagt der Amtsleiter für den Brand- und Katastrophenschutz.

Wie kann die Zuverlässigkeit verbessert werden?

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Dresden hat nach Ansicht der Stadtverwaltung "eines der modernsten Sirenen-Warnsysteme in Deutschland". Entstanden ist es nach den Erfahrungen beim Jahrhunderthochwasser 2002 und danach auch komplett erneuert worden. Es wird regelmäßig mit einem Probealarm getestet, jeweils am zweiten Mittwoch eines Quartals um 15 Uhr. Der nächste Test ist am 13. Oktober. Außerdem will Dresden auch wieder beim nächsten bundesweiten Warntag mitmachen, um das komplette System auszuprobieren. Er findet am 8. September 2022 statt.

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