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Impfbus ist jetzt Arztpraxis im Flutgebiet

Das DRK bringt das mobile Versorgungszentrum an die Ahr. Die ersten Patienten kommen schon vor der Eröffnung.

Die sogenannte mobile medizinische Versorgungseinheit (MMVE) war im Vogtland als Impfbus unterwegs. Jetzt dienst sie im Rheinland als Arztpraxis.
Die sogenannte mobile medizinische Versorgungseinheit (MMVE) war im Vogtland als Impfbus unterwegs. Jetzt dienst sie im Rheinland als Arztpraxis. © René Illig/DRK

Mittelsachsen/Sinzig. Der große weiße Anhänger mit dem roten Kreuz am Heck ist kein Unbekannter. In den vergangenen Monaten war er als mobiles Impfzentrum vor allem im Vogtland unterwegs. Aber seit wenigen Tagen erfüllt er eine ganz andere Aufgabe.

René Illig, Leiter soziale Dienste beim DRK Kreisverband Döbeln-Hainichen, hat die sogenannte mobile medizinische Versorgungseinheit (MMVE) gemeinsam mit weiteren Mitstreitern des DRK nach Sinzig gebracht. Die Stadt in Rheinland-Pfalz, in der mehr als 17.000 Menschen leben, wurde stark vom Hochwasser in Mitleidenschaft gezogen.

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Und es gibt im weiteren Umkreis keine Arztpraxen mehr. Auch die wurden überflutet. Deshalb wird die MMVE, die in normalen Zeiten beim Katastrophenschutz des DRK Bundesverbandes in Berlin stationiert ist, in Sinzig nun für die Behandlung von Patienten genutzt.

Einheimische Ärzte übernehmen Behandlung

Aufgebaut ist die mobile Arztstation auf dem Bahnhofsvorplatz von Sinzig, der zwar verschmutzt, aber schon beräumt ist. Sehr viel sei dort nicht zu tun gewesen. Der Platz liege am Rand des Flutgebietes.

Die Behandlung übernehmen einheimische Ärzte mit ihren Teams. „Die ersten Patienten kamen schon während des Aufbaus“, erzählt Illig. Das seien vor allem Personen gewesen, die sich bei den Aufräumarbeiten verletzt hatten.

Ein paar Kilometer weiter, in Bad Neuenahr, sei vom Bundes-DRK eine zweite MMVE aufgebaut worden. Auch dort übernehmen einheimische Mediziner die Versorgung der Patienten. Die medizinischen Versorgungseinheiten bestehen unter anderem aus einem Wartebereich, einer Rezeption und zwei Behandlungsräumen.

© René Illig/DRK
© René Illig/DRK
© René Illig/DRK
© René Illig/DRK
© René Illig/DRK

Weitere Transporte in Vorbereitung

Während René Illig bereits wieder zurückgekehrt ist und sich auf einen möglichen zweiten Einsatz vorbereitet, sind 14 Mitstreiter des DRK und sieben der Johanniter in Rheinland-Pflaz geblieben. Sie versorgen die Bevölkerung und die Helfer. Vorerst seien 400 Portionen Frühstück, 800 Portionen Mittagessen und 500 Portionen Abendbrot geplant“, so Illig. Er vermutet aber, dass es noch mehr werden. „Das Angebot muss sich erst herumsprechen.“

In der kommenden Woche fährt er wahrscheinlich erneut ins Flutgebiet. „Es sind noch mehrere Transporte geplant“, sagt er. Das betreffe sowohl medizinisches Material als auch Nachschub für die Betreuungstruppen. „Das ist aber eine kurzfristige Entscheidung“, erklärt der Leiter soziale Dienste.

Sinzig befindet sich am Zufluss der Ahr in den Rhein. Was René Illig dort gesehen hat, beschreibt er als katastrophal und vergleicht die Situation mit der im Jahr 2002 in Weesenstein.

Geld sammeln statt Sachspenden

Hilfe ist dort sehr willkommen, meint Illig, rät aber von Sachspenden ab. „Die werden einfach auf der Straße abgestellt und keiner weiß etwas damit anzufangen.“ Wer die Flutopfer unterstützen wolle, solle lieber Geld sammeln und das zu einem späteren Zeitpunkt direkt dorthin bringen, wo es gebraucht wird.

Als Beispiel nennt er ein kleines Sportzentrum mit Tennisplatz, Fußballplatz und Vereinsheim, das sich in Sinzig direkt neben dem Bahnhof befunden hat. Dort sei nichts mehr verwendbar. „Die Sportler müssen vom Ball bis zur Umkleidekabine alles neu anschaffen.“

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