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Herzrasen in Großschweidnitz

Nach der Flut in Westdeutschland: Was bringt der teure Hochwasserschutz hier vor Ort? Großschweidnitz weiß das inzwischen - dank eines heftigen Unwetters.

Hochwasserschutz braucht einen langen Atem, weiß Großschweidnitz' Bürgermeister Jons Anders. Diese Brücke in Kleinschweidnitz nach der 2010er Flut hochwassersicher wieder aufzubauen, war bürokratisch aufwendiger, als gedacht.
Hochwasserschutz braucht einen langen Atem, weiß Großschweidnitz' Bürgermeister Jons Anders. Diese Brücke in Kleinschweidnitz nach der 2010er Flut hochwassersicher wieder aufzubauen, war bürokratisch aufwendiger, als gedacht. © Archivbild: Rafael Sampedro

Wie schnell die Emotionen beim Thema Hochwasser im Kreis Görlitz auch rund ein Jahrzehnt nach den großen Überflutungen hochschlagen, sieht man nicht nur an den reichlich 160.000 Euro Spenden, die beim Landkreis Görlitz in den vergangenen Wochen für die Unterstützung der Hochwasseropfer im Westen Deutschlands gespendet wurden.

Emotional fühlten sich beispielsweise die Großschweidnitzer erst kürzlich bei den starken Regenfällen und Unwettern im Juli an die Flutereignisse erinnert - mit steigendem Pegel des Löbauer Wassers steigt auch der Adrenalinspiegel. Bürgermeister Jons Anders (parteilos) war beispielsweise am 19. Juli ab Mittag auf Achse, weil der Flusspegel bedrohlich stieg - so wie er es schon von den Hochwasserereignissen kannte, die den Ort zwischen 2010 und 2014 jährlich heimgesucht haben. "Wir hatten schon die Sandsäcke parat, die Absperrungen bereitgelegt und waren mit Bauhof und Feuerwehr einsatzbereit", erinnert er sich.

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Dass eine Katastrophe am Ende haarscharf an Großschweidnitz vorbeifloss, ist den vielen Schutzmaßnahmen zu verdanken, die im Ort gemeinsam mit der Landestalsperrenverwaltung seit 2010 umgesetzt worden sind. "Wir haben dank des Hochwasserschutzes 20 Zentimeter mehr Luft", bilanziert der Bürgermeister von Großschweidnitz. 1,40 Meter erreichte der Pegelstand an jenem 17. Juli: "Da wären wir in den Jahren zuvor längst abgesoffen, da wurde es bei 1,20 Metern kritisch", konstatiert Anders schlicht.

Und was genau hat nun für etwas mehr Luft gesorgt? "Es sind viele Dinge, die in der Summe diese 20 Zentimeter mehr bringen", erklärt Anders, der sich auch noch daran erinnert, dass nicht alles so einfach umzusetzen war. So seien Brücken an kritischen Punkten im Ort so ausgebaut worden, dass mehr Wasser darunter durchfließen kann und es zu keinem Rückstau kommt. Etwas gebracht habe auch das sogenannte Abböschen der Uferbereiche. Ganz praktisch heißt das: Die Stützmauern, die das Löbauer Wasser in ein kastenförmiges Korsett gezwängt haben, sind weggekommen und stattdessen die Uferbereiche wie bei einem Trichter leicht schräg gestaltet worden. Somit passt einfach mehr ins Flussbett hinein.

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Ein besonderes Lob spricht Bürgermeister Anders auch den Bürgern aus, die an den Flussläufen wohnen: "Die Uferbereiche sind schön freigehalten worden, das war ein gutes Zusammenspiel von allen", freut er sich. So ist durch die heftigen Gewitter und Regenfälle nun eines klar geworden: "Was wir in den vergangenen Jahren aufgebaut haben, funktioniert, es war in gewisser Weise eine Generalprobe", sagt Jons Anders.

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