Pirna
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Familienvater kämpft für den Wiederaufbau des Nationalparks

Rico Hartwig hat eine Spendenaktion gestartet, um den verkohlten Wald aufzuforsten. Viele Partner hat er nun - und seine Tochter glücklich gemacht.

Von Katarina Gust
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Wollen den verbrannten Wald wieder aufbauen: Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (li.) zeigt Julia Rommeley von der Sparkasse und Spendeninitiator Rico Hartwig das Brandgebiet.
Wollen den verbrannten Wald wieder aufbauen: Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack (li.) zeigt Julia Rommeley von der Sparkasse und Spendeninitiator Rico Hartwig das Brandgebiet. © Karl-Ludwig Oberthür

Die Tränen seiner Tochter waren der Auslöser. Als die Zweieinhalbjährige Bilder vom Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz gesehen hat, brach es Rico Hartwig das Herz. Der 29-Jährige lebt in Dresden, zur Sächsischen Schweiz hat er eine enge Beziehung. "Schon als Kind war ich hier wandern", sagt Hartwig. Zuletzt Ende Juli, kurz bevor das Feuer am Prebischtor auf tschechischer Seite des Nationalparks ausbrach.

Der Anblick der brennenden Bäume, die erschöpften Einsatzkräfte und Löschhubschrauber machte Rico Hartwig traurig und sprachlos. Die grünen Wälder mit ihrer Pflanzen und Tierwelt sind massiv geschädigt oder zerstört. "Ich wollte deshalb unbedingt helfen, wusste aber nicht wie", sagt er. Als ganz normaler Familienvater vor Ort mit anpacken? Das wäre eine Möglichkeit. Hartwig entschied sich jedoch für etwas anderes. Er initiierte kurzerhand eine Spendenaktion, der sich inzwischen viele Partner angeschlossen haben, darunter die Ostsächsische Sparkasse Dresden und Bad Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack.

Sparkasse als Partner gewonnen

"Kurz nach dem Brand gab es nur wenige Möglichkeiten, Geld zu spenden", erklärt Rico Hartwig. Die Stadt Bad Schandau koordiniert zwar alle Hilfsangebote. Zum Beispiel können Sachspenden wie Lebensmittel und Materialien vor Ort abgegeben werden. Es wurde zudem ein Spendenkonto eingerichtet, dessen Betrag direkt den Freiwilligen Feuerwehren im Einsatzgebiet zugutekommt.

Im Hinblick auf den Naturschutz und den Wiederaufbau des zerstörten Nationalparks, gab es jedoch noch keine Initiative. Eine Lücke, die Rico Hartwig füllen will. Er setzte sich deshalb mit dem Landratsamt in Pirna und dem Förderverein Nationalparkfreunde Sächsische Schweiz in Verbindung - und dort auf offene Ohren. Parallel dazu sprang die Ostsächsische Sparkasse Dresden mit ins Boot. Das Geldinstitut suchte ebenfalls nach einer Spendenmöglichkeit, den Wiederaufbau finanziell zu unterstützen.

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So kann man sich an der Spendenaktion beteiligen

Die Partner riefen daraufhin die Spendeninitiative "Wiederaufbau Sächsische Schweiz" ins Leben. Am 2. August ging es los. Bis Donnerstagmittag wurden bereits knapp 12.000 Euro gesammelt. Die hohe Summe ist der Sparkasse zu verdanken, die die Aktion mit 10.000 Euro unterstützt. Beteiligen kann sich aber jeder, auch mit kleinen Beträgen: direkt über die für die Aktion eingerichtete Seite auf der Crowdfunding-Plattform 99 Funken.

Rico Hartwig hoffe, dass er noch mehr Menschen von seiner Idee überzeugen kann. 50.000 Euro zu sammeln, das wäre das große Ziel. Was mit dem Geld passiert, das wird in Absprache mit dem Sachsenforst, dem Landratsamt und dem Förderverein festgelegt.

"Wir werden mit den Beteiligten geeignete Maßnahmen finden, um das gesammelte Geld sinnvoll für Renaturierungsmaßnahmen einzusetzen", kündigt der Dresdner an. Er denkt vor allem an Wasserreservoirs und Wiederaufforstung. "Statt Fichten-Wälder werden gesunde Mischwälder gebraucht", sagt er.

Hartwig denkt aber nicht nur an die Pflanzenwelt. Die Sächsische Schweiz hätte auch eine einzigartige Tierwelt, zum Beispiel den Wanderfalken, Siebenschläfer und Schwarzstorch, die nur selten vorkommen. "Vielleicht schaffen wir es, ein paar Imker mit ihren Bienenvölkern hier herzubewegen", erzählt der 29-Jährige, der sich als Webdesigner selbstständig macht.

Mit den Spenden soll der Natur unter die Arme gegriffen werden. "Wir sammeln quasi für die Zeit nach dem Brand", sagt Schandaus Bürgermeister Thomas Kunack, der gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereines Nationalparkfreunde ist. Das sei mindestens genauso wichtig wie die Spenden, die direkt an die Freiwilligen Feuerwehren gehen.