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Katastrophenschützer bekommen viel Unterstützung

Die fordern mehr Geld – auch für den Stützpunkt in Löbau. Das findet Zuspruch, gelöst ist das Problem aber noch nicht.

© nikolaischmidt.de

Von G. Lachnit & R. Altmann-Kühr

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Über 8 000 Unterschriften sind zusammengekommen. So viele Menschen unterstützen die Forderung der Ehrenamtlichen vom Roten Kreuz. Sie wollen erreichen, dass der Katastrophenschutz mehr finanzielle Unterstützung vom Freistaat bekommt und die Ehrenamtler anderen Freiwilligen – zum Beispiel denen der Feuerwehr – gleichgestellt werden. Auch die Mitstreiter des DRK Löbau unterstützten die Petition, die Markus Kremser aus Görlitz ins Leben gerufen hatte. Die Löbauer stellen gemeinsam mit dem DRK in Weißwasser einen der drei Katastrophenschutzzüge im Landkreis, erklärt Mike Schnitter vom DRK Löbau. Weitere Züge gibt es in Görlitz, wo Markus Kremser zuständig ist, und Zittau. Sie übernehmen jeweils verschiedene Einsatzbereiche. Die Katastrophenschützer kommen zum Einsatz bei Unfällen und Unglücken, von denen viele Menschen betroffen sind, erklärt Schnitter, der auch Bereitschaftsleiter für den Katastrophenschutz im Landkreis Görlitz ist. Ein Beispiel sind Verkehrsunfälle mit vielen Verletzten. Auch bei Großveranstaltungen wie zum Beispiel in Ostritz sind sie vor Ort.

Mike Schnitter ist Bereitschaftsleiter des Katastrophenschutzdienstes im Landkreis Görlitz. Die Retter fordern jetzt eine bessere Finanzausstattung, zum Beispiel für ihre Fahrzeughallen. Die sind nicht gut ausgestattet. Foto: tompic

Um eine Gleichstellung und bessere Finanzausstattung zu erreichen, haben die DRKler, federführend Markus Kremser, eine Petition an den Landtag ins Leben gerufen und Unterstützer gesucht. Denn die Probleme gibt es landesweit im Katastrophenschutz. Die Petition „#Status 6 – Helfergleichstellung in Sachsen jetzt“ unterschrieben mehr als 8 000 Menschen und bekundeten damit, dass es eben nicht zum Status 6 kommen darf. Das bedeutet im Datenfunk „nicht einsatzbereit“. So viel Zuspruch in kurzer Zeit hatte Initiator Kremser nicht erwartet.

Dennoch ist er nicht glücklich: Der Entwurf des sächsischen Landeshaushaltes für die kommenden beiden Jahre liegt vor, und der Görlitzer hat sich besonders angeschaut, welche Mittel für den Katastrophenschutz eingestellt wurden. Was er liest, ärgert ihn. Es steht „keine wesentliche Erhöhung für den Katastrophenschutz drin“, sagt Kremser. Bislang waren es jedes Jahr 950 000 Euro, die die sogenannten weißen Einheiten des Katastrophenschutzes bekamen. Hilfsorganisationen wie Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-Samariter-Bund, Malteser, Johanniter und Wasser- sowie Bergrettung müssen sich in diese Summe teilen. „Das reicht vorne und hinten nicht“, sagt Kremser und kann dabei auf eigene Erfahrung zurückgreifen: Seit 28 Jahren ist er im Katastrophenschutz tätig. Jetzt ist er Zugführer des zweiten Katastrophenschutz-Einsatzzuges des Landkreises in Görlitz. Beim DRK ist Kremser stellvertretender Kreisbereitschaftsleiter. Beides macht er ehrenamtlich. Seine Brötchen verdient der Mann als freier Journalist und Grafiker. Mit dem Blog „Kremser-Medien“ informiert er im Internet über die katholische Kirche im Osten Deutschlands. Auch dieses Medium hat er genutzt, um über Missstände im Katastrophenschutz zu informieren und Besserung zu fordern. Über das starke Echo, das er dabei gefunden hat, freut er sich. „Viel mehr Menschen wissen jetzt, wie wichtig der Katastrophenschutz als Säule der öffentlichen Sicherheit ist“, sagt er und bedauert, dass Politik und Verwaltung das offenbar anders sehen. „Zumindest, was die Finanzausstattung betrifft.“ Für den Katastrophenschutz fordern Kremser und die anderen Retter Nachbesserungen im Landeshaushalt. „1,5 bis zwei Millionen wären auskömmlich“, sagt er. „Katastrophenschutz ist kein Ehrenamt zweiter Klasse“, unterstreicht er.

Es blieb nicht nur bei der Petition. Aufkleber wurden produziert, Politiker eingeladen, sich vor Ort die Arbeitsbedingungen des Katastrophenschutzes anzuschauen. So nahmen Vertreter aller Fraktionen im Landtag Kremsers Einladung an und sahen sich bei den Katastrophenschützern um. Auch Innenminister Roland Wöller weiß nun besser Bescheid. Kremser schrieb ihm über Facebook einen offenen Brief. „Vieles darin war für den Minister Neuland“, sagt Kremser. Dabei müsste dringend eine Regelung für Katastrophenschützer getroffen werden, um ihnen den Lohnausfall bei einem Einsatz zu ersetzen. Der wird nur im Katastrophenfall ausgeglichen, aber nicht bei schweren Unfällen beispielsweise. Die Kosten für Fahrzeuge und Technik sowie für deren Unterbringung sind hoch. Wenn sie wenigstens 1:1 ausgeglichen würden, wäre Kremser zufrieden. Ein Gerätehaus hätte Kremser auch gern. Keinen Luxus, sondern sichere, trockene und beheizbare Hallen mit sanitären Einrichtungen und einen Ausbildungsraum. „Wir stellen jetzt unsere moderne Fahrzeugtechnik in Bruchbuden unter.“ Ein entsprechendes Förderprogramm gibt es nämlich nicht. Ähnlich sieht die Lage bei Mike Schnitter in Löbau aus. Auch hier ist die Halle, in der das Katastrophenschutzfahrzeug untergestellt ist, kein Schmuckstück. Dabei geht es den Helfern nicht um die Optik, sondern vorrangig um ein praktisches Gebäude mit guten Bedingungen für die Einsatzkräfte. So fehlen in der Halle zum Beispiel Toiletten und Duschen für die Rettungskräfte.

Auch die Suche nach Helfern hat heute eine ganz andere Form angenommen. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht entfiel auch die Möglichkeit für junge Männer, statt ein Jahr in der Bundeswehr zu dienen, sich acht Jahre für den Katastrophenschutz zu verpflichten. Das alles ist gelungen, zuletzt kamen die Helfer auch bei der Flüchtlingskrise und der Betreuung in Erstaufnahmelagern zum Einsatz. Deren Arbeit ist also auch jenseits von eigentlichen Katastrophen wichtig, wird aber in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen. Nun haben die Retter mit der sachsenweiten Initiative geschafft, Aufmerksamkeit auf dieses spezielle Gebiet der Daseinsvorsorge zu lenken.

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