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Kater Paul angeschossen

Seine Familie schlägt nun Alarm und erstattete Strafanzeige bei der Polizei. Auch der Tierschutzverein ist entsetzt.

© Anne Hübschmann

Von Catharina Karlshaus

Baßlitz. Nein, so etwas hat Armin Krake lange nicht erlebt. Nicht in dem Ausmaß und nicht mit dieser offensichtlichen Kaltblütigkeit. „Dass hier jemand mit einem Gewehr in der Gegend herumballert und gezielt auf Katzen schießt, erreicht eine völlig neue Dimension“, so der Großenhainer Tierschützer. Am Wochenende hatten sich Tanja und Frank Dörfel aus dem Priestewitzer Ortsteil Baßlitz an ihn gewandt. Auf ihren gut drei Jahre alten Kater Paul sei geschossen worden. Mit einem Druckluftgewehr, einem sogenannten Knicker, das Geschoss stecke noch gut sichtbar in der Wirbelsäule.

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Wie auf dem Röntgenbild gut zu sehen ist, steckt das Geschoss im Übergangsbereich des letzten Lendenwirbels. Eine Operation, es zu entfernen, wollen Dörfels wegen einer möglichen Lähmung nicht.
Wie auf dem Röntgenbild gut zu sehen ist, steckt das Geschoss im Übergangsbereich des letzten Lendenwirbels. Eine Operation, es zu entfernen, wollen Dörfels wegen einer möglichen Lähmung nicht. © Repro/SZ

Tatsächlich belegen aktuelle Röntgenaufnahmen von Tierärztin Brigitte Heigl aus Kalkreuth die ganze Ungeheuerlichkeit: Im Übergangsbereich des letzten Lendenwirbels zum Schwanzwirbel befindet sich ein Diabolo. Wann genau das Tier diese schwere Verletzung erlitten hat, lasse sich jetzt nicht mehr sagen. „Aber die Tatsache an sich ist ganz ungeheuerlich für uns“, sagt Frank Dörfel.

Mit Bisswunde verwechselt

Wie der 61-jährige Baßlitzer betont, wohne er seit vielen Jahren im Priestewitzer Ortsteil und habe sich stets gemeinsam mit seiner Frau Tanja auch um Katzen gekümmert. Mittlerweile lebten drei auf ihrem Grundstück, darunter eben auch das zutrauliche Paulchen. In den vergangenen Wochen habe der kleine Kerl ein wenig gekränkelt und deshalb habe man auch die Praxis von Frau Heigl aufgesucht.

„Dort wurde eben ein Röntgenbild aufgenommen und zu unser aller Entsetzen stellte sich heraus, das er angeschossen worden ist“, so Dörfel. Entsprechend der tierärztlichen Unterlagen lasse sich zurückverfolgen, dass eine Wunde genau im Bereich der Schwanzwurzel – vor einiger Zeit vermeintlich als Bisswunde wohl durch ein anderes Tier behandelt – die Eintrittsstelle des Projektils darstellt. Im Laufe der Zeit habe sich dieses eben nur symptomlos verkapselt.

Erkenntnisse, die Tanja und Frank Dörfel keineswegs für sich behalten wollten. Nicht zuletzt, um anderen Tieren diese leidvolle Erfahrung zu ersparen, stellten sie am 19. Januar bei der Polizei einen Strafantrag wegen Schusswaffengebrauch auf Wirbeltiere. Immerhin: „Da unsere Kater alle kastriert sind, streunern sie nicht mehr durch die Gegend und halten sich meist in Sicht- oder Hörweite auf. Es kann demzufolge nur im näheren Umfeld passiert sein“, vermutet Frank Dörfel.

Brief an die Nachbarn

Um Besitzer von Tieren zu warnen, wandten sie sich außerdem mit einem Brief an die Nachbarschaft. Für den Fall, dass auch ihre Tiere wie Hunde, Tauben oder Schafe merkwürdige Wunden aufweisen, sollten die betroffenen Halter unbedingt der Sache auf den Grund gehen. „Wir haben vor ein paar Jahren so etwas leider schon bei einer anderen Katze erleben müssen. Ihr wurde damals ein ebensolches Geschoss am Kopf und in gefährlicher Augennähe herausoperiert“, erinnert sich Frank Dörfel. Lebenslang habe sie an den Nachwirkungen gelitten und eine allergische Reaktion auf das Bleigeschoss entwickelt. „Deshalb ist es uns wichtig, dieses Mal gezielt darauf aufmerksam zu machen und die Angelegenheit nicht ungehört auf sich beruhen zu lassen.“

Ein Ansinnen, das beim Großenhainer Tierschutzverein natürlich auf offene Ohren stößt. Laut Armin Krake reihe sich diese Tat nämlich leider nahtlos in die einer Reihe anderer Vorkommnisse ein. Ausgelegte Giftköder, aufgestellte Fallen und nicht zuletzt ausgesetzte Tiere beschäftigen den Verein immer wieder. „Ganz schlimm war für uns im letzten Jahr der Fall von lebendig begrabenen Katzen“, erinnert Armin Krake. Zu Erinnerung: In einer Kiste waren die Jungtiere im Wald verscharrt worden.

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Glücklicherweise von einer Familie gefunden und liebevoll versucht, aufzuziehen, schaffte es letztlich doch keines der Tiere, zu überleben. „Insofern ist es absolut richtig, dass sich Familie Dörfel jetzt starkmacht. Ein Tier anzuschießen, ist so gar kein Dummerjungenstreich und muss bestraft werden“, fordert Armin Krake.