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„Kaufzuschuss besser als Baukindergeld“

Für DIW-Ökonom Claus Michelsen ist die neue Eigenheim-Förderung nur die zweitbeste Lösung. Denn Familien ohne Vermögen profitieren nicht davon.

© Harm Bengen/tooonpool.com

Das Baukindergeld solle kommen, sagt die große Koalition. Eine gute Sache, Herr Michelsen?

Wegen der steigenden Immobilienpreise in attraktiven Städten und Regionen können immer weniger Bürger dort Eigentum erwerben. Deshalb ist das Baukindergeld eine Förderung, die von ihrer Absicht her vertretbar ist.

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Eine Familie mit zwei Kindern erhält innerhalb von zehn Jahren 24 000 Euro vom Staat, wenn sie eine Wohnung kauft. Sie darf nur nicht mehr als 105 000 Euro pro Jahr versteuern. Benötigen Leute, die relativ hohe Einkommen beziehen, diese Unterstützung?

Solche Verdienste dürften in vielen Fällen ausreichen, um die laufenden Kreditkosten zu decken – auch ohne Baukindergeld. Damit stellt die Förderung oft nur ein willkommenes Geschenk dar, das man mitnimmt, aber nicht wirklich braucht. Besser wäre es dagegen, einen staatlichen Zuschuss zur Kaufsumme zu zahlen. Noch zielgenauer sind staatliche Bürgschaften.

Warum halten Sie Zuschüsse am Anfang für besser als die langfristige Förderung der Kreditkosten?

Weil dann auch Haushalte in den Genuss kämen, die nicht zum oberen, wohlhabenden Drittel der Bevölkerung gehören. Die entscheidende Hürde beim Kauf ist das fehlende Eigenkapital. Viele Familien haben kein Vermögen und erben nichts. Ihnen nützt das Baukindergeld in der jetzt geplanten Form wenig.

Vielleicht sollte die Regierung beides tun – Zuschüsse zum Kauf und den laufenden Kosten leisten?

Wenn man erst eine Wohnung erworben hat, ist die monatliche Belastung dank niedriger Zinsen heute oft geringer als die Miete. Das lohnt sich sowieso. Deshalb halte ich die Subventionierung der Kreditraten nur für die zweitbeste Lösung.

Hat es Sinn, dass man das Baukindergeld nur drei Jahre beantragen kann und dann wieder Schluss ist?

Überhaupt nicht. Das verschlimmert die Situation. Viele Leute werden schnell zuschlagen, um sich die Förderung zu sichern. Der enge Zeitraum wird die Immobilienpreise zusätzlich in die Höhe treiben.

Die Bundesregierung sagt, sie würde auch den sozialen Wohnungsbau vorantreiben. Sind ihre Pläne ausreichend?

Vorläufig ist genug Geld da. Denn in den vergangenen Jahren wurden die vorhandenen Fördermittel nicht vollständig abgerufen. Mittelfristig sollte die Bundesregierung zusätzliche Finanzen bereitstellen. Der Bestand an öffentlich geförderten, für die Mieter günstigen Wohnungen ist in den vergangenen Jahren zu stark gesunken.

Das Gespräch führte Hannes Koch.