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Kaum Winter in Sachsen, aber trotzdem mehr Arbeitslose

Zum Jahresanfang haben mehr als 26 000 Sachsen ihre Stellen verloren. Doch die Aussichten sind nicht schlecht.

© Symbolfoto: dpa

Dresden. Auf den ersten Blick ist es jedes Jahr dasselbe: Zum Winter entlassen viele Baubetriebe die Arbeiter, und auch Gärtnereien, manche Speditionen und Gastwirtschaften machen eine Winterpause. Doch der Saison-Einbruch ist in diesem Januar schwächer ausgefallen. Gut 26 000 Sachsen bekamen zum Jahreswechsel die Kündigung, oder ihre Verträge wurden nicht verlängert. Doch vor einem Jahr traf es um diese Zeit mehr als 30 000. Und gut 10 000 Arbeitslose wurden zum Jahresanfang neu eingestellt, berichtete am Dienstag Klaus Schuberth, Sachsen-Chef der Agenturen für Arbeit. Deshalb gibt es jetzt zwar 16 000 Arbeitslose mehr als vor einem Monat, aber fast 19 000 weniger als vor einem Jahr.

Freie Stellen: Sozialwesen, Handel und Leiharbeitsfirmen bieten an

Am schlimmsten hat sich der Wintereinbruch im Vogtland, in Zwickau und im Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge ausgewirkt. Dort ist die Zahl der Arbeitslosen zeitweise um 13 bis 16 Prozent gestiegen. Vor allem Männer mussten gehen. Doch überall ist die Lage besser als vor einem Jahr. Insgesamt sind jetzt in Sachsen 179 745 Menschen arbeitslos gemeldet. Weitere 43 000 Sachsen sind in Weiterbildungen oder aus anderen Gründen nicht offiziell arbeitslos. Ein-Euro-Jobs sind kaum noch dabei: 4 820 Menschen nehmen laut Agentur an solchen staatlichen „Arbeitsgelegenheiten“ teil. Es gibt zunehmend Job-Angebote aus der Wirtschaft: Rund 30 000 freie Stellen stehen in den Computern der sächsischen Arbeitsagenturen, allein im Januar kamen fast 8 000 dazu. Die größten Job-Anbieter sind Leiharbeitsfirmen, doch es gibt 3 200 freie Stellen in Sachsens Industrie, 2 700 im Gesundheits- und Sozialwesen und 2 200 im Handel. Auch Sachsens insgesamt schrumpfendes Baugewerbe sucht über die Arbeitsagentur 1 700 Leute.

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Beschäftigung: Bau baut ab, Industrie baut auf

Sachsens Agentur-Chef Schuberth sieht den Arbeitsmarkt in einer „soliden Grundverfassung“. Nach ersten Hochrechnungen sind voriges Jahr in Sachsen mehr als 27 000 zusätzliche Arbeitsplätze mit Sozialversicherung entstanden: Im November waren es 1,57 Millionen. Allerdings hat das Statistische Landesamt vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt gesunken ist. Dabei sind Minijobber und Selbstständige mitgezählt. 2,016 Millionen Menschen hatten voriges Jahr im Durchschnitt aller Monate einen Arbeitsplatz. Nach dieser Rechnung sind 4 000 Arbeitsplätze gestrichen worden, vor allem auf dem Bau und in der Landwirtschaft. Die Industrie dagegen legte zu.

Aussichten: Zahl bleibt unter drei Millionen

In Deutschland insgesamt sind 2,92 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, rechnet für den gesamten Winter nicht mehr damit, dass die Zahl über drei Millionen steigt. Die wachsende Zahl arbeitsloser Flüchtlinge werde sich erst in der zweiten Jahreshälfte in der Statistik zeigen. In Sachsen sind insgesamt 12 300 Ausländer arbeitslos gemeldet.