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Kehrmaschine von der Straße gefegt

Eine Opel-Fahrerin überholt in einer Rechtskurve trotz Gegenverkehrs. Der Verhandlung stellt sie sich nicht.

© Roland Halkasch

Von Paul Jonas Grunze & Jürgen Müller

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Es ist am frühen Morgen des 22. März vorigen Jahres auf der Staatsstraße 81 bei Steinbach. Hinter einer Kehrmaschine staut sich der Berufsverkehr. Am Ortsausgang Neuer Anbau versucht die 42-jährige Fahrerin eines Opel Meriva, die Kehrmaschine zu überholen, und das trotz durchgezogener Mittellinie und Gegenverkehrs. Doch die Kehrmaschine kehrt nur bis zum Ortsschild, beschleunigt dann überraschend für die Autofahrerin. Diese kann aber den Überholvorgang nicht mehr abbrechen, weil der nachfolgende Verkehr aufgeschlossen hat. Der Fahrer der Kehrmaschine weicht dem Opel aus, um einen Unfall zu verhindern. Dabei rutscht er mit seinem elf Tonnen schweren Gefährt in den Straßengraben. Der Fahrer zieht sich bei dem Unfall leichte Verletzungen wie Brustkorb- und Schulterprellungen zu und muss ambulant behandelt werden. Es kommt zum Verkehrschaos und langen Staus, denn die Kehrmaschine muss mit einem Kran geborgen werden. Während der Bergungsarbeiten ist die Staatsstraße gesperrt. Ansonsten wird der Verkehr an der Unfallstelle vorbeigeleitet.

Folgen hat das gescheiterte Überholmanöver aber auch für die Opel-Fahrerin. Per Strafbefehl wird sie wegen fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Gefährdung des Straßenverkehrs zu einer Geldstrafe von 1 050 Euro verurteilt. Außerdem soll ihr die Fahrerlaubnis für acht Monate entzogen werden. Doch sie geht in Einspruch. Deswegen wird nun verhandelt. Beinahe wäre die Verhandlung geplatzt, der Strafbefehl so rechtskräftig geworden. Denn zu Verhandlungsbeginn sind weder die Angeklagte noch ihr Verteidiger im Saal. Dann taucht doch noch der Anwalt auf, aber ohne seine Mandantin, obwohl die im Gericht ist. Die beiden hatten sich im Gang des Amtsgerichtes hinter einer Mauer besprochen. Der Anwalt legt eine Vollmacht vor, so dass die Angeklagte nicht im Saal erscheinen muss. Bei Strafbefehlssachen ist das möglich und dennoch ein merkwürdiges Versteckspiel.

Die Geldstrafe akzeptiert die Angeklagte, den Fahrerlaubnisentzug nicht. Seine Mandantin sei nicht vorbestraft, zudem liege die Tat lange zurück, begründet der Anwalt seinen Einspruch. Allerdings ist die Frau schon zweimal im Straßenverkehr auffällig geworden, einmal wegen eines Rotlichtverstoßes, ein anderes Mal, weil die mit 29 Kilometern pro Stunde zu schnell unterwegs war. Die Richterin hält dennoch ein dreimonatiges Fahrverbot für ausreichend. Neben der Geldstrafe wird die Frau dazu verurteilt. Allerdings wird das Urteil nicht sofort rechtskräftig. Das hat seinen Grund. Denn die Angeklagte aus Dresden ist mit ihrem Auto zum Gerichtstermin gekommen, und will damit auch wieder nach Hause fahren. Als sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger geeinigt haben, erscheint sie übrigens doch noch im Saal.

Bei der geschädigten Firma, der die Kehrmaschine gehört, kann man diese Milde nicht verstehen. Der Sachschaden, den die Polizei mit 3 000 Euro geschätzt hatte, sei erheblich größer gewesen, erfährt die SZ auf Nachfrage bei der Firma. Die Angeklagte habe die Kehrmaschine regelrecht von der Straße gedrängt, sagt ein leitender Mitarbeiter. In der unübersichtlichen Rechtskurve hätte niemals überholt werden dürfen. Es sei ein Riesenglück für alle Beteiligten, dass nicht mehr passiert sei. „Es hätte auch Tote geben können.“