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Kein Berg mehr ohne Motor

E-Bikes finden reißenden Absatz. Bei Elektroautos sieht die Sache schon anders aus. Dabei gibt es im Kreis Görlitz eigentlich genug Tankstellen dafür.

© nikolaischmidt.de

Von Daniela Pfeiffer

E-Bike? Klar! E-Auto? Naja. So in etwa lässt sich die Stimmung der Bevölkerung im Landkreis Görlitz beschreiben, wenn es um Elektromobilität geht. Zwar mussten Fahrradhändler ihre Kundschaft erst ans Thema E-Bike heranführen, aber inzwischen gibt es buchstäblich kein Halten mehr.„Hab ich mich vorher den Königshainer Hochstein hinauf gequält, bis ich nicht mehr konnte und bin dann doch abgestiegen, fahre ich nun bis ganz hoch“, erzählt Daniel Reich-stein, Geschäftsführer von Little John Bikes in Görlitz. „Trotzdem habe ich körperlich gekämpft, der Motor hat mich nur unterstützt.“ Das Ganze sei obendrein gesünder, weil der Fahrer bei einem vernünftigen Puls bleibe und gleichzeitig sein Kreislaufsystem stärke. Preise ab 2 500 Euro aufwärts sieht Reichstein als zusätzliche Motivation, das Rad auch öfter zu nutzen. Wer investiert schon so viel Geld, um es dann daheim in der Garage stehen zu lassen.

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15 000 Euro kosten manche seiner E-Bikes. „Die sind immer ganz schnell ausverkauft“, sagt Reichstein. Seit 2012 sind E-Bikes nämlich einem Dienstwagen gleichgestellt, weshalb so mancher Arbeitgeber dem Mitarbeiter ein solch’ teures Rad zur Verfügung stellt. Little John Bikes hat seit den ersten E-Bike-Verkäufen im Jahr 2008 seinen Absatz jährlich verdoppelt. Inzwischen machen sie 15 Prozent aller verkauften Räder aus. Der Markttrend sagt, dass es in fünf Jahren jedes zweite sein wird.

Ähnliche Erfolgsgeschichten sind von anderen Fahrradhändlern in Görlitz zu hören. Stefan Wiesner vom gleichnamigen Bike-Point hat vor allem eine große Nachfrage seitens der älteren Bevölkerung festgestellt. Fahrradhändler Joachim Kramer bestätigt das. Auch bei ihm kam der Verkauf von E-Bikes erst nach einer schleppenden Anfangsphase richtig in Fahrt. Händler von E-Autos warten auf einen solchen Boom noch. Erst 45 reine Elektrofahrzeuge sind derzeit im Landkreis unterwegs. An mangelnden Auflademöglichkeiten kann es nicht liegen. Der Landkreis gibt offiziell zehn Ladesäulen an (siehe Grafik), von denen nur die in Boxberg, Zittau und Oybin kostenpflichtig sind. Weitere findet man im Internet, zum Beispiel unter:

www.goingelectric.de