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Kein bisschen Frieden

Ein Nossener soll seiner Ex gedroht haben, sie umzubringen. Es ist der makabere Höhepunkt eines peinlichen Rosenkrieges.

© Jan-Philipp Strobel / dpa

Von Jürgen Müller

Meißen. Nein, sie muss als Zeugin gar nichts sagen in dieser Verhandlung, insbesondere muss sie den Mann, der da auf der Anklagebank sitzt, nicht belasten. Denn er ist ihr früherer Ehemann. Ehepaare, auch geschiedene, haben vor Gericht ein Aussage- verweigerungsrecht. Doch die 47-Jährige will reden. „Weil ich möchte, dass das endlich aufhört“, sagt sie. Sie hat ihren Ex angezeigt. Wieder mal, diesmal, weil er sie bedroht haben soll. „Hole noch mal tief Luft“, soll der Mann ihr zunächst am Telefon geraten haben. Auf ihr Frage „Willst du mich umbringen lassen“, soll er geantwortet haben: „Da mache ich schon allein.“ Es ist der makabere Höhepunkt eines Rosenkrieges, der schon seit Jahren tobt. Das Paar, das drei Kinder hat, ist auch nach der Scheidung außerstande, vernünftig und ohne Emotionen miteinander zu kommunizieren. Ein Mediator wurde eingeschaltet. Selbst der hat kapituliert. Bei einer Verhandlung vor dem Familiengericht sei ihr Ex-Mann derart ausgerastet, dass abgebrochen werden musste, sagt die Frau.

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Noch bevor seine Ex in den Zeugenstand gerufen wurde, hatte der Angeklagte noch davon gesprochen, dass die beiden mittlerweile wieder ein normaler Verhältnis zueinander hätten. Sogar Familienfeste würden zusammen gefeiert, sagt er.

Stimmt, aber gezwungenermaßen. „Unsere Tochter hatte Konfirmation. Was sollte ich denn machen, nicht hingehen oder meinem Ex-Mann verbieten, an der Feier teilzunehmen? Das geht doch nicht“, sagt die Frau.

Obwohl beide das Umgangs- und Sorgerecht für die drei Kinder haben, verhindert sie Kontakte, schaltet das WLAN ab und zieht den Telefonstecker, damit der Ex-Mann nicht mit den Kindern kommunizieren kann. „Ich durfte von heute auf morgen die Kinder nicht mehr sehen. Es war eine hochstrittige Zeit. Es hat mich schwer getroffen, dass ich das Umgangs- und Sorgerecht verlieren sollte“, sagt der Angeklagte. Die Bedrohungen streitet er aber ab. Er habe an diesem Tag überhaupt nicht angerufen.

Die Frau jedoch hat alles akribisch notiert, immer dann, wenn es besonders schlimm wurde, sagt sie. Auch auf der Straße habe er sie bedroht. Irgendwann werde er sie schnappen, soll er gesagt haben. Die letzte telefonische Drohung soll es im Dezember vorigen Jahres gegeben haben. Die Frau hat den Anruf gespeichert. Sie will ihre Ruhe haben. Irgendwann hat sie kapituliert. So verfüge ihr Ex noch über ihren gesamten Hausrat, den sie vor der Ehe besaß. Sie will ihn jetzt nicht mehr wiederhaben.

„Dann habe ich eben alles verloren“, sagt sie resigniert. Schon früher hat sie ihren Mann angezeigt, auch wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes. „Weil ich unseren damals zehnjährigen Sohn bei einer Zirkusveranstaltung auf den Schoß genommen habe, weil er nichts sah“, empört sich der 50-Jährige noch heute. Immer noch ist zwischen den beiden keine vernünftige Kommunikation möglich, streiten sie auch vor dem Strafgericht erbittert weiter.

Das Problem für das Gericht ist, dass es keine objektiven Fakten und keine neutralen Zeugen gibt. Am Ende steht Aussage gegen Aussage. Vieles spricht für einen Freispruch, doch Richter Michael Falk, der auch viele Jahre Familienrichter war und solche und ähnliche Fälle zur Genüge kennt, zweifelt, ob es klug ist, wenn es in solch einem Verfahren Sieger und Verlierer gibt. Denn das führt zu einer weiteren Eskalation, zu neuen Anzeigen. So stellt er das Verfahren ohne Auflagen ein in der Hoffnung, dass künftig wenigstens ein bisschen Frieden herrscht.