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Kein Durchkommen

Das Dresdner Terrassenufer ist jetzt stadtauswärts gesperrt: Der Abschnitt zwischen Lothringer und Steinstraße wird saniert. Die Umleitungsschilder nimmt mancher Kraftfahrer aber nicht ernst. Das führt zu teils wilden Szenen.

© Sven Ellge

Von Peter Hilbert

Das Terrassenufer ist bereits seit Mitte März ein Nadelöhr. Denn der Abschnitt zwischen Lothringer und Steinstraße wird saniert. Während die Stadtentwässerung die Gullys erneuern ließ, konnten sich Kraftfahrer zumindest noch auf zwei schmalen Fahrspuren an der Baustelle vorbeischlängeln. Doch das ist jetzt vorbei.

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Die Veranstaltung findet am Mittwoch, dem 20. Januar 2021, in virtuellen Räumen statt.

Am Mittwochmorgen rückte die Straßenbaukolonne mit ihrer großen Asphaltfräse an. Die südliche, elbabgewandte Fahrbahnhälfte ist komplett gesperrt. Das Terrassenufer ist in diesem Abschnitt plötzlich zur Einbahnstraße von der Albertbrücke in Richtung Zentrum geworden.

Während Kraftfahrer in Richtung Zentrum ungehindert fahren, können sie wilde Szenen in der Gegenrichtung beobachten. Vor den Sperrschildern direkt unter der Carolabrücke stehen Autos. Die Fahrer sind offenbar kalt erwischt worden, haben oder wollten die vielen Umleitungsschilder übersehen. Sie schauen ungläubig, wissen offenbar nicht, was sie tun sollen. An der Zufahrt zum Pkw-Parkplatz ist Schluss, die Einfahrt in die benachbarte Steinstraße nicht möglich. Verkehrt herum in die Einbahnstraße zu fahren, traut sich offenbar auch keiner. Nach langem Zögern entschließt sich ein Fahrer nach dem anderen zur letzten Möglichkeit – der Wende.

Die nächste Alternativroute bietet einen Steinwurf entfernt der Hasenberg. Über den ist der angrenzende Rathenauplatz an der Carolabrücke erreichbar, von dem Straßen in alle Richtungen führen. Allerdings staut sich an diesem Schlupfloch der Verkehr bis zum Terrassenufer. Ganz Pfiffige entdecken dann doch eine staufreie Abkürzung zur Steinstraße und fahren einfach über den Busparkplatz. So wird der am Mittwoch noch zur gut befahrenen Ausweichstraße.

Der Stadt ist in diesem Fall kein Vorwurf zu machen. Schon langfristig hatte sie auf die Sperrung und die Umleitung hingewiesen. Pünktlich am Dienstag standen auch die Schilder. Wer die jedoch ignorierte, fand sich am Hasenberg im Stau wieder.

Der Verkehr in Richtung Albertbrücke wird jetzt ab der Devrientstraße über folgende Strecke umgeleitet: Am Zwingerteich, Hertha-Lindner-Straße, Wilsdruffer Straße, St. Petersburger Straße, Pillnitzer Straße, Güntzstraße zum Sachsenplatz. Zudem ist im gesamten Bauabschnitt am Terrassenufer Parkverbot.

Die von der Stadt beauftragten Straßenbauer sind offensichtlich von der schnellen Sorte. Bereits am Mittwochmittag ist ein erster, etwa anderthalb Meter breiter Streifen abgefräst, danach beseitigt die Baumaschine den nächsten, genauso breiten Asphaltstreifen in der Gegenrichtung. Der zerkleinerte Asphalt landet auf der Ladefläche eines Transporters, die schnell gefüllt ist. Und so geht es bis zum Abend weiter.

Bis zum kommenden Dienstag soll diese Straßenhälfte frisch asphaltiert sein. Ab Mittwoch rollt der Verkehr in Richtung Carolabrücke darüber. Dann wird die andere, elbwärts liegende Fahrbahnseite saniert. Geplant ist, dass die Arbeiten bis 15. April beendet werden. Ab dem 16. April ist dieser Abschnitt des Terrassenufers dann wieder komplett freigegeben.

Die Termine müssen gehalten werden. Denn bereits eine Woche später beginnen Bauarbeiten am benachbarten Rathenauplatz am Altstädter Ende der Carolabrücke. Dort errichtet die Stadtentwässerung einen kleinen unterirdischen Staudamm. Das sogenannte Trenn- und Steuerbauwerk verhindert künftig, dass bei Starkregen Abwasser völlig ungereinigt in die Elbe überläuft und sie verschmutzt.

Zum Bauauftakt wird ein Schutzdach für Straßenbahnen gebaut, die von der Carolabrücke in Richtung Pirnaischer Platz fahren, erklärt Projektleiter Heiko Nytsch von der Stadtentwässerung. Schließlich muss dort ein Kran arbeiten. Außerdem werden auf der grünen Verkehrsinsel Kabel verlegt. Dort entsteht eine Behelfsfahrbahn. Zwei asphaltierte Fahrspuren und der Radweg werden über die Mittelinsel führen. Denn die bisherige Straße Richtung Pirnaischer Platz wird zur Baustelle. Spätestens Ende Mai rollt der Verkehr auf der neuen Behelfsfahrbahn.

Schlechte Karten haben allerdings Linksabbieger, die zur Pillnitzer Straße wollen. Der direkte Weg wird gesperrt. Sie müssen einen Umweg über den Hasenberg, das Terrassenufer und die Steinstraße nehmen. Bis Ende 2019 muss der Verkehr die Behelfsstraße nutzen. Dann ist die unterirdische Stauanlage fertig, sodass die erneuerte Straße zum Pirnaischen Platz wieder freigegeben werden kann.