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Kein Durchkommen in Oberoderwitz

Der Freistaat erneuert über die Sommerferien die B 96. Anwohner müssen ihre Autos jetzt woanders parken.

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© Steffen Gerhardt

Von Steffen Gerhardt

Oberoderwitz ist seit Montag vom Oberland abgeschnitten. Kein Durchkommen ist auf der B 96 mehr möglich, seitdem Bagger die Straße aufreißen und Lkw die Erdmassen abfahren. Nur den Fußgängern sind zwei Drittel des Bürgersteiges noch verblieben. Auf rund 300 Metern lässt das Land Sachsen die Bundesstraße von Grund auf erneuern. Das kostet rund 300 000 Euro. Warum das notwendig ist, erklärt Isabel Siebert, Pressesprecherin des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr: „Über den gesamten Bereich sind Schäden am Asphalt festzustellen. Dabei handelt es sich insbesondere um Spurrinnen, Risse und Ausbrüche. Außerdem sind stellenweise das Bankett und die steile Böschung abgerutscht und müssen stabilisiert werden.“

Bereits im Juni war die Hauptstraße halbseitig gesperrt. In dieser Zeit wurde eine neue Trinkwasserleitung verlegt. Jetzt wird während der sechs Ferienwochen gearbeitet. Eine Forderung, die die Verkehrsgesellschaften an das Landesamt gestellt haben. Denn wenn am 8. August das neue Schuljahr beginnt, soll der Schülerverkehr wieder auf der B 96 rollen. Das ist besonders für die Schüler aus dem Oberland wichtig, die nach Oderwitz fahren.

Einschränkungen müssen bis dahin die Anwohner der Hauptstraße hinnehmen. Vor ihren Häusern wird jetzt gebaut, deshalb können die eigenen Grundstücke nicht mehr befahren werden. Bewohner Holger Berndt sagt, dass die Anlieger ihre Autos auf dem Parkplatz am benachbarten Baumarkt abstellen können. „Wir haben gefragt und das Einverständnis erhalten, dass die Autos über Nacht dort parken dürfen“, sagt Unternehmer und Jäger Holger Berndt. Marktinhaber Frank Liebig bestätigt das. „Wenn höflich angefragt wird, machen wir das möglich“, sagt Liebig und verweist darauf, dass es sich um Privatgelände und keinen öffentlichen Parkplatz handelt.

Wobei die parkenden Anwohner das geringere Problem für den Geschäftsmann sind, wie er berichtet: „Dadurch, dass die Straße komplett gesperrt ist, fehlt mir die Kundschaft aus dem Oberland.“ Zwar lässt sich das nach vier Tagen Baustelle noch nicht in Zahlen ausrechnen, aber dass weniger Leute kommen, macht sich für Frank Liebig schon bemerkbar. Dem stimmt auch Beate Enge zu, die nebenan den Getränkemarkt hat. „Vor allem die Laufkundschaft ist weniger, die auf der Fahrt durch Oderwitz kurz anhält und ihre Einkäufe erledigt“, sagt sie. Erschwerend für die beiden Händler ist die Tatsache, dass die Straße nach Herrnhut ab Ruppersdorf ebenfalls durch Bauarbeiten gesperrt ist. Somit fällt zum Großteil auch die Herrnhuter Kundschaft weg. Sie muss in der Bauzeit den Umweg über Niederoderwitz fahren.

Für die Hauptstraßenbewohner hat die Baustelle aber auch etwas Gutes, betont Holger Berndt: „So eine Ruhe wie jetzt, vor allem nachts, hatten wir noch nie. Man fühlt sich wie im Sanatorium.“ Darüber denken die Leute, die an der parallel verlaufenden Dorfstraße wohnen, ganz anders: „Jetzt haben wir die Hauptstraße vor der Haustür“, sagt Mühlenbesitzer Jürgen Berthold. Ortskundige haben die Dorfstraße als Schleichweg entdeckt und nutzen sie. Aber auch zunehmend „Fremde“ umfahren auf ihr die Baustelle. „Pkw sind ja noch vertretbar, aber dass ein 40-Tonnen-Lkw auch hier langfährt, das muss nicht sein“, sagt der Müller.

Die Gemeinde Oderwitz hat das Problem erkannt, dass die Dorfstraße als Ausweichstrecke ausgenutzt wird. Welche verkehrsrechtlichen Konsequenzen sie ergreift, ist noch offen. Notwendig werden sie wohl, denn es kam bereits zu kleinen Unfällen auf der Dorfstraße. Dabei haben sich Autos im Vorbeifahren die Außenspiegel abgerissen, erfuhr die SZ aus dem Gemeindeamt. Dass einige Kraftfahrer zu schnell unterwegs sind, ist Jürgen Berthold aufgefallen. Für ihn kommt die Bewährungsprobe in Bezug auf den Straßenverkehr diesen Freitag. Dann erwartet der Müllermeister zwei Lieferungen Getreide – und die rollen jeweils mit einem Traktor-Hänger-Gespann zu seiner Mühle.

Die Umleitung führt in Eibau auf die S 145, Neueibau, weiter auf die S 142 über Leutersdorf und über die S 135 (Spitzberg) nach Oderwitz. Von Zittau aus umgekehrt.