Merken

Kein Festival ohne laute Musik

Doch die meisten Strogaer sind von den elektrischen Beats nicht genervt. Auflagen werden eingehalten.

Teilen
Folgen
© Foto Brühl, Montage: Bildstelle

Von Susanne Plecher

Stroga. Wo gehobelt wird, fallen Späne – oder: Wo ein Musikfestival stattfindet, da wird es naturgemäß laut. Wenn in zwei Wochen wieder 1 000 Liebhaber der elektronischen Musik nach Stroga reisen, wissen alle Anwohner schon, dass es für ein Wochenende erst einmal aus ist mit der ländlichen Ruhe. Die allermeisten Strogaer finden das nicht ärgerlich, sondern genießen eher die Abwechslung.

Elia Winkler beispielsweise. „Die Musik stört mich keinesfalls. Das geht schon mal für ein Wochenende“, sagt der junge Strogaer. Auch Gerhard Siegel, der im Eckhaus an der B 101 wohnt, nerven die wummernden Bässe nicht. „Im Gegenteil. Ich bin froh, dass hier so etwas stattfindet und schau mir das jedes Jahr an.“ Vor einiger Zeit war er sogar dem Aufruf der Festivalcrew gefolgt und hat sich als Ordner auf dem Campingplatz engagiert. Mit den Dorfbewohnern zusammenzuarbeiten und sie frühzeitig in die Planungen einzubinden, gehört seit jeher zum Konzept. Auch in diesem Jahr beteiligen sich zehn Strogaer. Sie begrüßen die Gäste, weisen sie auf den Parkplätzen ein oder helfen beim Reinigen der Duschen und Toiletten.

Einer aber ärgert sich immer wieder und hat sich auch bei der Stadtverwaltung beklagt. Auf Nachfrage teilt Rathaussprecherin Diana Schulze mit: „In den Jahren 2012 und 2013 gab es Beschwerden wegen Lärmbelästigung von einer einzelnen Person. In den Folgejahren sind keine offiziellen Beschwerden hinsichtlich einer Lärmbelästigung bei der Stadtverwaltung eingegangen.“ Angesprochen auf diese einzelne Person, die sich auch an die SZ gewendet hat, sagt Marc Hitschke, Chef des Stroga Festival e.V.: „Ja, wir kennen den Fall.“ Nach eigenem Bekunden seien die Festivalmacher mehrfach auf den Betreffenden zugegangen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Weil er wegen der Sommerwärme nur bei offenem Fenster schlafen mag, hätten sie ihm zunächst ein Klimagerät für die Dauer der Veranstaltung, später sogar ein Hotelzimmer als Ausweichmöglichkeit angeboten. Beides habe er abgelehnt.

„Wir wissen, dass es laut wird und dass die Musik, wenn der Wind ungünstig steht, mitunter sogar in Zabeltitz zu hören ist“, sagt Hitschke. Um den Effekt so gering wie möglich zu halten, kommen in Stroga ausschließlich sogenannte kardioide Beschallungsanlagen zum Einsatz. Sie richten die Musik gezielt auf die Publikumsbereiche aus und minimieren dadurch die Schallabstrahlung zur Wohnbebauung hin. Auf den Außenbühnen werde die Musik zudem zeitig heruntergeregelt, während sie auf den beiden Floors im Innenbereich länger gespielt werden dürfe. Beides ist mit der Stadtverwaltung abgestimmt. „Wir halten uns an die Auflagen“, so Hitschke. Dazu gehört auch, das die Tonübertragungsanlagen ständig zu überwachen und die Lautstärke, vor allem die Bässe, gegebenenfalls sofort zu reduzieren sind. Dafür leihen sich die Festivalmacher Pegelmesser aus und überprüfen regelmäßig an verschiedenen Punkten die Lautstärke, besonders an den Nachbargebäuden. Die Ergebnisse tragen sie in Formulare ein. „Das Ordnungsamt kontrolliert stichprobenartig“, so Marc Hitschke. Probleme mit der Verwaltung hat es bislang keine gegeben. „Es besteht ein guter Konsens“, so Diana Schulze.

Erstmals wird es mit der Großenhainer Firma Trisetau in diesem Jahr einen professionellen Reinigungsservice geben, der in den zeitigen Morgenstunden die Hauptwege zwischen der alten Schälerei und dem Campingplatz reinigt. Für den Müll – rund 3,5 Tonnen fallen an den vier Tagen an – stellt die Firma Jakob & Naumann Container zur Verfügung. „Wir sind dankbar, dass wir hier sein können, und wollen das Dorf so zurückgeben, wie wir es bekommen haben“, sagt Hitschke. Deshalb kümmern sich die Organisatoren auch um andere Brennpunkte: 20 Mitarbeiter der Security-Firma Donner haben das gesamte Gelände inklusive Campingplatz im Blick. Ein Löschfahrzeug mit drei Feuerwehrkameraden ist vor Ort, ebenso ein Rettungswagen mit drei Sanitätern. Neu ist auch, dass ab diesem Jahr nur noch Personen ab 18 Jahren Einlass finden und Alkohol nicht mehr an Leute ausgeschenkt wird, die offensichtlich bereits genug davon hatten.