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Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch

Auf den Zahn gefühlt und den Speiseplan erkannt: Was haben die Neandertaler und was haben wir damals als Urmenschen gegessen? 

Neandertaler lebten viele Tausend Jahre lang zusammen mit modernen Menschen in Europa. Vor etwa 30.000 Jahren sind sie jedoch ausgestorben.
Neandertaler lebten viele Tausend Jahre lang zusammen mit modernen Menschen in Europa. Vor etwa 30.000 Jahren sind sie jedoch ausgestorben. © SZ/Stephan Schön

Leipzig. Seit Jahren gibt es einen bizarren Streit in der Wissenschaft um die Ernährung in der Urzeit. Was haben die großen, robusten Urmenschen vor 30.000 Jahren gegessen? Wovon ernährten sich die Neandertaler? Fleisch, Fisch - oder doch mehr Nüsse, Wurzeln und sogar Wasserpflanzen? In den wenigen Daten aus fossilen Knochen versuchten die Forscher wieder und wieder, spurenhafte Hinweise zu finden. Andere Wissenschaftler begaben sich mithilfe von Sedimenten auf Umweltrekonstruktion, um daraus auf die  Ernährung  zu schließen. Doch keine zuverlässige Antwort gab es bisher, denn zu all dem gibt es plausible Erklärungen, die sich auf Daten stützen. Das ändert sich nun

Forscher können mitunter die Ernährung unserer Vorfahren rekonstruieren, indem sie die Stickstoffisotopen in einer Probe messen. Dies gibt Hinweise auf die Nahrungskette. Eine gute Chance, die Essgewohnheiten der Vergangenheit zu erkennen, sind Zähne. Die Analyse von Stickstoffisotopen im Zahnkollagen verrät viel. Doch selbst da sind sich die Wissenschaftler nicht ganz einig. Ein internationales Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig (MPI Eva) hat nun zwei Analysemethoden kombiniert und findet die Lösung. Bei zwei späten Neandertalern konnten außergewöhnlich hohe Stickstoffisotopenwerte festgestellt werden. Traditionell bedeutet das viel Süßwasserfisch auf dem Speiseplan. Doch dahinter hatte sich etwas verborgen. 

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Große Säugetiere als Hauptnahrung

Eine zusätzliche Analyse der Isotope einzelner Aminosäuren ergab nun, dass sich der erwachsene Neandertaler nicht von Fisch, sondern von großen pflanzenfressenden Säugetieren ernährt haben muss. Der zweite Neandertaler war ein noch nicht abgestillter Säugling, dessen Mutter ebenfalls hauptsächlich Fleisch gegessen hatte. Den Daten zufolge scheinen sich die Ernährungsgewohnheiten der Neandertaler im Laufe der Zeit kaum verändert zu haben, auch nicht nach der Ankunft des modernen Menschen in Europa.  Neandertaler nehmen in den terrestrischen Nahrungsketten eine hohe Stellung ein und verfügen sogar über einen etwas höheren Stickstoffisotopenwert als an denselben Orten lebende Fleischfresser wie Hyänen, Wölfe und Füchse. Diese etwas höheren Werte könnten auf den Verzehr von Mammutfleisch oder Aas zurückgeführt werden. An einigen Neandertaler-Standorte sind aber auch Beispiele für Kannibalismus bekannt.

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Darüber hinaus bringt die aktuelle Studie, über die das  MPI Eva jetzt berichtet, noch weitere Essgewohnheiten der Neandertaler ans Licht. Sie müssen sich offenbar auf eine sehr monotone Art und Weise ernährt haben. Das auch dann noch, als sich Kultur,  beeinflusst durch den modernen Menschen, zu verändern begonnen hatte. Für Jean-Jacques Hublin, Direktor der Abteilung für Humanevolution am Max-Planck-Institut Eva, geben die Essgewohnheiten noch weit mehr Aufschluss über die damalige Welt. Sie sagten auch etwas darüber aus, wer wem die Nahrung streitig gemacht hat: „Diese Studie bestätigt, dass Homo sapiens, als er nach Europa kam und auf den Neandertaler traf, in direkter Konkurrenz zu diesem um die großen Säugetiere als Nahrungsquelle stand.“