Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Kein Flüchtlingsheim auf der grünen Wiese

Diesen Sommer sollte auf dem früheren „Transit“-Gelände eine Unterkunft entstehen. Die Pläne sind noch nicht ganz gestrichen.

Teilen
Folgen
NEU!
© Stephan Klingbeil

Von Stephan Klingbeil

Possendorf .Das Gras wächst an der Bundesstraße B 170 in Possendorf. Dort, wo früher einmal der beliebte Gasthof „Transit“ stand, ist weiterhin nur Wiese. Noch immer ist das Grundstück unbebaut. Eigentlich sollte dort noch in diesem Sommer ein Fertighaus in Leichtbauweise errichtet werden. Es sollte Platz für 32 Asylbewerber bieten. Doch daraus wurde nichts.

Mit der Schließung der Balkanroute und dem Flüchtlingsdeal mit der Türkei ebbte der Flüchtlingsstrom nach Deutschland ab. Dem hiesigen Landkreis wurden in den vergangenen Monaten weniger Asylsuchende zugeteilt. Und die Gemeinde Bannewitz kann aufgrund sinkender Flüchtlingszahlen nicht sagen, wann und ob das Vorhaben überhaupt umgesetzt wird.

Nach aktuellen Zahlen wohnen in der Gemeinde 23 Asylbewerber, darunter zwei Familien aus Tschetschenien und aus dem Libanon, eine kleine Familie aus dem Irak und sieben Syrer. „13 Unterbringungsmöglichkeiten stehen sofort bezugsfertig zur Verfügung“, heißt es aus dem Rathaus. Zurzeit seien dort aber keine weiteren Zuweisungen vom Landkreis bekannt.

Der Bau des Fertigteilhauses auf dem „Transit“-Grundstück war Teil des Bannewitzer Konzepts zur Unterbringung von Flüchtlingen. Alle Kommunen im Landkreis mussten ihre entsprechenden Konzepte bis Ende März nach Pirna schicken.

Bannewitz hält es in seinem Vorschlag für möglich, bis 2021 Wohnraum für rund 220 Flüchtlinge zu schaffen. Dabei sollen Flüchtlinge vor allem dezentral, also in Wohnungen, untergebracht werden. Die Kosten für die Unterbringung erstatten der Landkreis beziehungsweise der Freistaat. Mit ihrem Konzept erfülle die Gemeinde „zukünftig den vorgesehenen prozentualen Anteil“ bei der Flüchtlingsaufnahme, teilt das Landratsamt mit. Allerdings sei momentan unklar, wie viele Asylsuchende in diesem Jahr tatsächlich noch im Landkreis untergebracht werden müssen. „Weder Bund noch Land geben derzeit aktuelle Prognosen zu Flüchtlingszahlen in diesem Jahr an die Landkreise. Verlässliche Aussagen zur weiteren Verteilung auf die Städte und Gemeinden im Landkreis können nicht gemacht werden“, erklärt die Beigeordnete Kati Hille. 2016 waren bis Ende Juli 625 neue Asylbewerber im Landkreis unterzubringen. Insgesamt wohnen mit Stand vom 1. August insgesamt 2 312 Asylbewerber im Landkreis. Davon sind 639 bereits anerkannt und erhielten eine Aufenthaltserlaubnis.

Wie viele Flüchtlinge in Zukunft in den Gemeinden untergebracht werden müssen, ist ungewiss. „Der Landkreis nimmt die aktuelle weltpolitische Lage mit großem Interesse zur Kenntnis“, sagt Hille. „Im Rahmen seiner rechtlichen Möglichkeiten“ werde der Kreis auch Vorsorge treffen, um „unvorhergesehenen Bedarf bei der Unterbringung zugewiesener Asylbewerber“ zu decken.

Die Anmietung von weiteren Wohnmöglichkeiten sei daher abhängig von der tatsächlichen Anzahl zukünftiger Asylbewerber, genauso wie ein etwaiger Bau einer Unterkunft auf dem „Transit“-Gelände.

Das Bannewitzer Asylkonzept sah ursprünglich vor, neben dem Possendorfer Gebäude auch ein Haus im Welschhufer Gewerbegebiet zu errichten. Im Hinblick auf die zuletzt gesunkenen Flüchtlingszahlen wurde der Neubau in Welschhufe gekippt. An dem Holzhausbau auf dem Transit-Areal halte die Gemeinde aber vorerst fest. Das Gebäude soll fast quadratisch sein und zwei Etagen haben. Die Kosten für den möglichen Neubau würden die Betreiber von der kreiseigenen Grundstücks- und Verwaltungsgesellschaft Sächsische Schweiz (GVS) tragen. „Die Kosten sind im Moment aber noch nicht genau zu beziffern, da der Bau abhängig ist von der weiteren Entwicklung der Flüchtlingszahlen“, sagt Kati Hille.

Immer wieder Lkw-Unfälle

Die Zukunft des Transit-Geländes bleibt also ungewiss. Einst feierten die Possendorfer zahlreiche Faschingssausen in der dortigen Konsumgaststätte. Doch im September 2007 musste das marode Gebäude abgerissen werden. Seine Lage direkt an der stark befahrenen Straße zwischen Tschechien und Dresden wurde der Gaststätte schließlich zum Verhängnis.

Des Öfteren krachten Fahrzeuge in das Haus. Überhaupt gab es in der berüchtigten „Apothekenkurve“ über die Jahre immer wieder Unfälle mit schweren Lastern. Vor allem nach der Wende rollte die Unfalllawine vom Possendorfer Berg herunter. Im April 1992 bohrte sich ein Tanklaster fast vollständig in die Mauern der Gaststätte „Transit“. Zuvor nahm der Lkw noch einen Trabi mit und blieb erst vor der Theke des Gasthofs stehen. Verletzt wurde keiner.

Repariert wurde dieser Schaden nicht mehr. Das Haus blieb geschlossen. Das Gebäude verfiel. Es wurde mit der Zeit zum Sorgenkind für Bannewitz, da die Gemeinde anstatt des damaligen Eigentümers immer wieder Geld in Sicherungsarbeiten stecken musste. 2007 kaufte die Gemeinde das Haus, ließ es abreißen. Das Grundstück selbst wurde später begrünt.