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Kein Geld für Naomis Mini-Auftritt in Dresden

Ein Manager des Supermodels wollte für die Stippvisite beim Semperopernball 55.000 Euro vom Ballverein kassieren. Doch daraus wird nichts. 

Naomi Campbell beim Semperopernball 2015. © Archivbild. Ronald Bonß

Dresden. Es muss sich angefühlt haben, als wäre ein Sturm durch die Semperoper gefegt. Ein Orkan, der selbst den riesigen Kronleuchter hätte von der Decke reißen können. Zumindest lagen die Nerven der Opernballorganisatoren blank, als Supermodel Naomi Campbell am Abend des 30. Januar 2015 wieder davonzog. Statt der abgesprochenen vier Stunden hielt es die Schönheit keine 20 Minuten in der Oper aus. Jetzt, vier Jahre später, mussten sich die Richter des Bundesgerichtshofs mit Campbells Kurz-Auftritt beschäftigen.

Es ging um viel Geld. Genau 47 000 Euro hatte der Semperopernballverein dem Agenten des Models angeboten. Deponiert waren die Scheine an jenem Januarabend in einem Safe des Hotels Taschenbergpalais, in dem Campbell für wenige Stunden eingecheckt hatte. Mitgenommen hatte sie das Geld aber nicht, bevor sie wieder in ihren Privatjet stieg. Und nach dem 20-Minuten-Auftritt war der Verein auch nicht mehr bereit, das Geld zu zahlen. Stattdessen sollten nur noch 25 000 Euro überwiesen werden.

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Campbells Management, die Künstler- und Eventagentur „Admirar Inc.“, pochte aber auf den Betrag und forderte später sogar 55 000 Euro. Keine Gage, wie die Anwälte vorm Dresdner Landgericht zuletzt immer wieder betonten. Es gehe um eine Aufwandsentschädigung, mit der unter anderem das Flugzeug bezahlt werden sollte. An Campbell gehe kein Cent. Üblich seien Gagen beim Ball ohnehin nicht, sagte Ballchef Hans-Joachim Frey vor Gericht. „98 Prozent der Preisträger kommen, weil sie den Ball schätzen, und nehmen kein Geld.“ Einige Stars seien aber nur mit Gagen zu bekommen. Auch Roger Moore habe 2012 Geld für seinen Besuch in Dresden erhalten.

In Naomi Campbells Fall hatte der Verein von Anfang an bezweifelt, dass ein Vertrag mit dem Agenten zustande gekommen war. Einerseits habe es keine Reaktion auf die Anfrage nach Campbell gegeben. Das Model tauchte mehr oder weniger aus heiterem Himmel auf. Laudatorin Patricia Riekel, damals noch Chefredakteurin der Zeitschrift „Bunte“, war gebeten worden, sowohl eine Doppel-Lobrede für Campbell und Model Nadja Auermann vorzubereiten als auch eine nur für Auermann, falls Campbell nicht auftauchen sollte. Riekel stellte sich zunächst auf die kürzere Variante ein, schaltete dann auf die umfangreichere Laudatio um, als Campbell mit reichlich Verspätung in Dresden landete, wie eine Ballplanerin vor Gericht enthüllte.

Als Campbell dann Dresdner Boden unter den Füßen hatte, ging das Chaos weiter. Sie fuhr erst einmal zum Hotel, anstatt direkt zur Semperoper zu kommen. Vermutlich kümmerte sie sich erst einmal um Frisur, Kleid und Make-up. Ein weiteres Problem: Campbells Agent war nicht mit nach Dresden gekommen. Das Model und ihre Entourage mussten sich selbst zurechtfinden. So fand Campbell zwar die Semperoper, landete jedoch im Cateringbereich und machte wieder kehrt. Schließlich schaffte sie es ans Rednerpult, nahm den St. Georgs Orden entgegen, hielt eine flammende Rede und verließ die Semperoper.

Frau Campbell habe in keiner Weise das erfüllt, was die Organisatoren wollten, so Frey später. „Wir haben das Gefühl, sie hat sich mit dem Orden persönlich bereichert.“ Dieser ist 7 000 Euro wert. Das Dresdner Landgericht hatte vor zwei Jahren bereits durchblicken lassen, dass beim Management nicht alles glatt gelaufen war, und einen Vergleich vorgeschlagen, wobei der Agent 20 000 Euro bekommen hätte. Doch dieser lehnte ab. Schließlich entschieden die Richter und lehnten die Klage der Agentur ab. Sie sei den Beweis schuldig geblieben, dass überhaupt ein gültiger Vertrag zustande gekommen sei. Schriftliches habe es nicht gegeben, lediglich mündliche Absprachen. Weil „Admirar Inc.“ das Urteil nicht akzeptieren wollte, zog die Firma bis zum Bundesgerichtshof.

Doch die Leipziger Richter ließen die Beschwerde nicht zu. „Der Campbell-Prozess war das erste Gerichtsverfahren in der Geschichte des Semperopernballs“, teilte der Ballverein am Montag mit. Man werde auch in Zukunft auf Verlässlichkeit und Fairness gegenüber allen Partnern setzen.


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