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Weißwasser

Kein Geld von der NEG für Zeitungspapier

Vorbei die Zeit, als Kindergruppen hoffnungsfroh durch die Straßen zogen, altpapiersammelnd, um die Klassenkasse aufzubessern ...

Einst hoch begehrtes Sammelgut bei Privaten und besonders bei Kindertagesstätten, heute nur noch unwillig angenommenes Restgut: Zeitungspapier.
Einst hoch begehrtes Sammelgut bei Privaten und besonders bei Kindertagesstätten, heute nur noch unwillig angenommenes Restgut: Zeitungspapier. © Foto: Steffen Bistrosch

Von Steffen Bistrosch

Weißwasser. Noch im vorigen Jahr 2019 konnten sich Sammler von Zeitungspapier ein paar Euro, konkret fünf pro einhundert Kilogramm, dazuverdienen, wenn sie es selbst zur Annahmestelle der Kompostieranlage Weißwasser brachten. Damit war zum Jahresende Schluss.

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Markt komplett eingebrochen

Ab Beginn 2020 wird keine Vergütung für die Rückgabe von Zeitungspapier mehr gezahlt. Die NEG (Niederschlesische Entsorgungsgesellschaft mbH) als Betreiber der Anlage begründet den drastischen Schritt mit starken Preisschwankungen bis hin zu einem kompletten Einbruch des Marktes.

Ronny Hirschmann, der den Regiebetrieb Abfallwirtschaft im Landkreis leitet, kann den Ärger von Erzieherinnen und Eltern von Kindertagesstättenkindern, von allen, die einst eifrig Altpapier gesammelt haben, nachvollziehen. Doch könne die NEG nicht negieren, dass der Altpapierpreis auf dem Weltmarkt großen Schwankungen unterlegen sei. „China war bisher Hauptabnehmer. Doch seitdem sich das Land in diesem Bereich abgeschottet hat, ist der globale Absatz eingebrochen.“ Damit verbunden auch: der Preis.

Diese Veränderungen hat auch die NEG zu spüren bekommen, bei der der Landkreis Görlitz neben der Remondis GmbH Gesellschafter ist. „Die Erlöse decken die Aufwendungen nicht mehr, deshalb hat man das Altpaier-Aufkauf-Angebot für Schule und Kitas zu kulanten Preisen eingestellt“, sagt der Fachmann. Verpflichtet, Altpapier aufzukaufen, sei die Entsorgungsgesellschaft nicht gewesen. Immerhin sind Privathaushalte bei Abfällen, zu denen Papier und Pappe gehören, dem Landkreis gegenüber überlassungspflichtig. Das Altpapier hätte also eh in die Blauen Tonnen wandern müssen und nicht in die Container der Kitas. „Seit zehn Jahren gab es aber trotzdem dieses Angebot, um die Einrichtungen zu unterstützen.“ Im ersten Halbjahr 2019 hat sich das Verhältnis von Aufwand und Erlös laut Ronny Hirschmann aber so stark zuungunsten des Entsorgers entwickelt, dass er jetzt die Reißleine gezogen hat. Diese Umstände zwingen die Anbieter, für bestimmte Sorten inzwischen sogar Zuzahlungen leisten zu müssen. Falls sich die Marktlage stabilisiert, schließt die NEG die „Wiederaufnahme des Ankaufgeschäftes“ nicht aus.

An der unentgeltlichen Abholung der „Blauen Tonne“, dem Wertstoffbehälter für Papier und Pappe für Privathaushalte, ändert sich nichts. (mit fum/JJ)