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Kein goldener Tag für Neonazis

Hunderte Menschen in Dresden haben sich am Sonnabend Neonazis in den Weg gestellt und damit einen Marsch ins Stadtzentrum verhindert.

© szo/fsc

Dresden. Kein gutes Pflaster für Rechtsextreme: Am Sonnabend wollten Neonazis durch Dresden marschieren. Weit gekommen sind sie nicht, denn Hunderte Menschen verhinderten, dass die Rechten die von ihnen ursprünglich vorgesehene Route gehen konnten. Statt wie geplant vom Trachenberger Platz über die Leipziger Straße zum Goldenen Reiter zu ziehen, mussten die rechten Demonstranten auf der Großenhainer Straße stadtauswärts ziehen.

›› Der Tag im Detail: Das Geschehen im Tickerprotokoll

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) hatte die Dresdner zuvor erneut aufgefordert, sich den Rechten und der „menschenverachtenden Politik“ entgegenzustellen. „Wir lassen uns unser Dresden nicht verschmutzen mit fremdenfeindlichen Ideologien“, sagte sie bei einer Kundgebung am Neustädter Bahnhof vor wenigen Dutzend Teilnehmern. Ein breites Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Vereinen rief zum Protest auf, um ein Zeichen gegen den Marsch zu setzen. Auch Kirchengemeinden beteiligten sich mit Friedensgebeten und Mahnwachen.

Die Protestdemos in Dresden

Bei ihrer Rede auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt erklärte Oberbürgermeisterin Helma Oriosz „Wir wollen uns unser Dresden nicht verschmutzen durch menschenverachtende Ideologien“ und „Heute soll ein Zeichen gegen Rechts gesetzt werden“.
Bei ihrer Rede auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt erklärte Oberbürgermeisterin Helma Oriosz „Wir wollen uns unser Dresden nicht verschmutzen durch menschenverachtende Ideologien“ und „Heute soll ein Zeichen gegen Rechts gesetzt werden“.
Orosz sprach vor Medienvertretern und etwa 50 Menschen. Dabei bekräftigte sie  indirekt das Recht auf Asyl in Deutschland.
Orosz sprach vor Medienvertretern und etwa 50 Menschen. Dabei bekräftigte sie indirekt das Recht auf Asyl in Deutschland.
Nahezu menschenleer: Die Barbarastraße am Sonnabend um 11:21 Uhr.
Nahezu menschenleer: Die Barbarastraße am Sonnabend um 11:21 Uhr.
Am Trachenberger Platz sammeln sich die Gegendemonstranten.
Am Trachenberger Platz sammeln sich die Gegendemonstranten.
Die Stimmung war sehr friedlich.
Die Stimmung war sehr friedlich.
Etwa 250 Menschen sitzen auf den Bürgersteigen im Schatten von Ahornbäumen.
Etwa 250 Menschen sitzen auf den Bürgersteigen im Schatten von Ahornbäumen.
Auf der Straße stehen eine Handvoll Leute, die Transparente den Autofahrern entgegen halten, die in Richtung Trachenberger Platz fahren.
Auf der Straße stehen eine Handvoll Leute, die Transparente den Autofahrern entgegen halten, die in Richtung Trachenberger Platz fahren.
Musik läuft, es riecht nach Sonnencreme.
Musik läuft, es riecht nach Sonnencreme.
Kurz vor 13 Uhr begann auf der Barbarastraße die Kundgebung der Neonazis.
Kurz vor 13 Uhr begann auf der Barbarastraße die Kundgebung der Neonazis.
Gegendemonstranten erwarten am Trachenberger Platz den Zug der Nazis.
Gegendemonstranten erwarten am Trachenberger Platz den Zug der Nazis.
Kurz nach Beginn des Aufmarsches der Nazis in der Barbarastraße trafen sie nach etwa 200 Metern schon auf Gegenwehr. Am Trachenberger Platz versammelten sich mindestens 300 Gegendemonstranten.
Kurz nach Beginn des Aufmarsches der Nazis in der Barbarastraße trafen sie nach etwa 200 Metern schon auf Gegenwehr. Am Trachenberger Platz versammelten sich mindestens 300 Gegendemonstranten.
Auch der frühere Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Christian Avenarius (2.v.r. am Banner), ging zusammen mit Gegendemonstrandten vomSchlesischen in Richtung Trachenberger Platz.
Auch der frühere Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, Christian Avenarius (2.v.r. am Banner), ging zusammen mit Gegendemonstrandten vomSchlesischen in Richtung Trachenberger Platz.
Insgesamt waren etwa 2.000 Polizisten im Einsatz ...
Insgesamt waren etwa 2.000 Polizisten im Einsatz ...
... um den Zug der Neonazos abzusichern.
... um den Zug der Neonazos abzusichern.
Beklebt mit dem Banner gegen den angeblichen "Tag der deutschen Zukunft" stand der Lautsprecherwagen von Dresden Nazifrei in der Mittagszeit auf dem Puschkinplatz.
Beklebt mit dem Banner gegen den angeblichen "Tag der deutschen Zukunft" stand der Lautsprecherwagen von Dresden Nazifrei in der Mittagszeit auf dem Puschkinplatz.
Von wegen Innenstadt: Die Neonazis hielten ihre Abschlusskundgebung auf der Industriestraße im Dresdner Nordwesten.
Von wegen Innenstadt: Die Neonazis hielten ihre Abschlusskundgebung auf der Industriestraße im Dresdner Nordwesten.
Gut 70 bunte Gegendemonstranten begleiten die Abschlusskundegbung der meist schwarzgekleideten Neonazis lautstark.
Gut 70 bunte Gegendemonstranten begleiten die Abschlusskundegbung der meist schwarzgekleideten Neonazis lautstark.
Doch abgesehen davon bleibt die Lage bislang ruhig - die Polizei muss nicht eingreifen.
Doch abgesehen davon bleibt die Lage bislang ruhig - die Polizei muss nicht eingreifen.
Nachdem die Neonazis in Richtung Bus und Bahn aufgebrochen sind, verlassen auch die Einsatzkräfte der Polizei das Areal vor dem Mokka-Eck.
Nachdem die Neonazis in Richtung Bus und Bahn aufgebrochen sind, verlassen auch die Einsatzkräfte der Polizei das Areal vor dem Mokka-Eck.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Dem ist nichts hinzuzufügen.

Die Gegendemonstranten hatten vor allem die schattenspendenden Einmündungen entlang der anfangs geplanten Route besetzt und sich vor allem am Trachenberger Platz in Hörweite des Versammlungsortes der Neonazis auf der Barbarastraße versammelt. Daraufhin führte der von der Polizei auf etwa 400 Rechtsextreme geschätzte Zug über den Hubertusplatz und die Boxdorfer Straße auf die Industriestraße und um das Krankenhaus Neustadt. Auch hier verhinderten Gegendemonstranten lautstark, dass die Abschlusskundgebung ohne Störungen abgehalten werden konnte. Dennoch blieb das Geschehen ruhig, Festnahmen gab es keine. Am späten Nachmittag kam es dann doch noch zu einer Kundgebung am Goldenen Reiter, allerdings von etwa 300 Gegendemonstranten, die den Erfolg feierten.

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Auch der leitender Polizeidirektor Horst Kretzschmar zog am Abend ein erstes positives Fazit: „Wir haben unsere wichtigsten Ziele erreicht. Jeder konnte sein Grundrecht ausüben und ein Protest in Hör- und Sichtweite war möglich. Schließlich bin ich auch sehr froh, dass alle Einsatzkräfte - bis auf eine Ausnahme - unverletzt in ihre Heimat abreisen können. Die Bilanz lässt sich auf einen Satz reduzieren: Es blieb friedlich.“

Allerdings musste eine Beamtin in ein Krankenhaus gebracht werden. Sie wurde bei einem kurzen Gerangel zwischen etwa 150 Personen des linken Spektrums und Einsatzkräften der Polizei auf der Torgauer Straße durch einen Tritt verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

Am Rande der Demonstrationen wurden bisherigen Erkenntnissen zufolge drei Papiercontainer und ein WC-Häuschen in Brand gesetzt. Des Weiteren müssen sich ein 21-Jähriger wegen einer gefährlichen Körperverletzung und ein 51-Jähriger wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten.

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Kaum ist der Spuk des Neonazi-Aufmarschs in Dresden vorbei, steht der nächste bevor. Am kommenden Dienstag ruft die NPD zur Kundgebung auf - vor dem Haus der Presse.

Auch zu den Mehrheitsverhältnissen auf den Straßen äußerte sich Kretzschmar: „Es waren deutlich mehr Gegendemonstranten auf Dresdens Straßen als Teilnehmer des rechten Aufzuges. Sie protestierten an vielen Stellen lautstark und friedlich gegen den Aufzug.“

Anlass des Neonazi-Aufmarsches war deren „Tag der deutschen Zukunft“. Die Veranstaltung hatte in den vergangenen Jahren vor allem in Norddeutschland stattgefunden, zuletzt in Wolfsburg. (szo/dpa)