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Kein Prozess gegen mutmaßlichen NS-Verbrecher aus Mittelsachsen

Die Suche nach NS-Verbrechern ist 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg ein Wettlauf gegen die Zeit. Ein 91-Jähriger aus Mittelsachsen soll sich in Auschwitz der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht haben. Doch für einen Prozess ist er mittlerweile zu krank.

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Dresden. Ein 91-jähriger mutmaßlicher NS-Verbrecher aus Döbeln in Mittelsachsen muss sich nicht mehr in einem Gerichtsverfahren verantworten. Gesundheitliche Gründe machten einen Prozess unmöglich, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Chemnitz, Birgit Friese, am Dienstag LVZ-Online. „Er ist dement, seine geistige Verfassung erlaubt einfach keine Verhandlung mehr.“ Die Ermittlungen gegen ihn seien eingestellt worden.

Der Mann war nach Erkenntnissen der NS-Fahndungsstelle im baden-württembergischen Ludwigsburg Aufseher im KZ Auschwitz und soll sich dort der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht haben.

Anfang September vergangenen Jahres hatte die NS-Fahndungsstelle ihre Vorermittlungen gegen den Mann aus Döbeln und mehr als 30 weitere öffentlich gemacht. Sieben von ihnen lebten im Ausland. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden mindestens 1,1 Millionen meist jüdische Häftlinge ermordet.

NS-Fahnder hatten in der vergangenen Woche in mehreren Bundesländern Wohnräume von mutmaßlichen früheren SS-Wachmännern durchsucht und in Baden-Württemberg drei von ihnen verhaftet. Ein 88-Jähriger kam zwischenzeitlich aber wieder frei, weil er zum Tatzeitpunkt noch Jugendlicher gewesen und deshalb ein Haftgrund nicht gerechtfertigt sei, wie die Stuttgarter Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Die neuen Untersuchungen der NS-Fahndungsstelle waren nach dem Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk in Gang gekommen. 2011 hatte das Landgericht München Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mehr als

28.000 Menschen zu fünf Jahren Haft verurteilt. (dpa)