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Kein Radstreifen für die Dresdner Straße

Eine Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Straße in Freital dafür zu schmal ist – es sei denn, man streicht Parkplätze.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Tobias Winzer

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Freital. Ist ein sicherer Radweg an der Dresdner Straße machbar oder nicht? Um diese Frage haben Stadt und Radenthusiasten in den vergangenen Monaten gerungen. Seit Mittwochabend steht fest: Die Markierung des geforderten Radstreifens wäre mit hohem Aufwand und dem Wegfall etlicher Parkplätze verbunden. Das jedenfalls ist ein Ergebnis einer Untersuchung, die das Rathaus in Auftrag gegeben hat.

Das Ergebnis: Dresdner Straße ist an vielen Stellen zu schmal

1,25 Meter – so breit müssen Radstreifen nach den gesetzlichen Vorschriften mindestens sein. Das Freitaler Planungsbüro Maut & Selzer hat solch einen Streifen für die Studie virtuell auf die Dresdner Straße zwischen Ortseingang und Lutherstraße gesetzt. Das Ergebnis: An einigen Stellen bliebe dann nicht mehr ausreichend Platz für die Autos. So würde die Fahrbahnbreite zwischen Steinstraße und Oberpesterwitzer Straße lediglich noch um die 3,30 Meter betragen – für zwei Spuren. Vorgeschrieben sind aber mindestens 4,50 Meter; auf einer Staatsstraße, wie die Dresdner Straße eine ist, eigentlich sogar eher 5,50 Meter. Ebenfalls zu eng wird es auf Höhe des Rathauses Potschappel und beim Restaurant Goldener Löwe.

Problematisch sind auch die Kreuzungen. Wenn die Radfahrer an der Ecke Dresdner Straße/Wilsdruffer Straße eine eigene Spur bekämen, bliebe für die Autofahrer weniger als zwei Meter Platz auf ihrer Spur. Nicht machbar ist der Radstreifen auch an der Mittelinsel am Platz des Handwerks. Auch dort hätten Autofahrer neben dem Radstreifen nur noch zwei Meter zur Verfügung. Ohne wesentliche Veränderungen an der Straße sei der Radstreifen nicht umsetzbar, so das Fazit des Planungsbüros.

Die Reaktionen: Einige Stadträte wollen weiterplanen, andere nicht

„Der Aufwand rechtfertigt den Nutzen nicht“, sagte Reinhard Nagel, Stadtrat der Bürgerfraktion. Er bezog sich dabei auf Zahlen, die ebenfalls präsentiert wurden. Demnach wird die Dresdner Straße am Tag von rund 260 Radfahrern genutzt bei 9 000 Autofahrern am Tag. In Freital ist das Rad als Fortbewegungsmittel außerdem ziemlich unbeliebt. Gerade einmal für 2,4 Prozent aller Wege nutzen die Freitaler das Fahrrad. Bei der Vorstellung des Untersuchungsergebnisses wurde außerdem betont, dass die Dresdner Straße kein Unfallschwerpunkt für Radfahrer sei.

CDU-Fraktionschef Peter Pfitzenreiter zieht andere Schlüsse: „Durch die Fakten wird offensichtlich, dass der aktuelle Stand nicht zufriedenstellend ist“, sagt er. Pfitzenreiter, der sich auch in der Arbeitsgemeinschaft Radverkehr engagiert, wünscht sich, dass die Stadtverwaltung nun eine Lösung präsentiert, wie der Radstreifen doch markiert werden kann und welche Folgen das genau hätte. FDP-Stadtrat Lothar Brandau stimmte dem zu. „Was würde das bedeuten, wenn wir den Radstreifen doch markieren lassen?“, fragte er. Wenn dadurch nur zehn Parkplätze wegfielen, sei das vielleicht noch verkraftbar.

„Die Hürden sind sehr, sehr hoch“, fand dagegen Nagels Fraktionskollege, Lars Tschirner. SPD-Stadtrat Harry Retz erinnerte an eine ähnliche Debatte vor mehreren Jahren. Damals habe man sich bewusst für die Parkplätze an der Dresdner Straße entschieden, um die Händler dort zu stärken.

Die mögliche Lösung: Radstreifen markieren, aber nicht durchgängig

Die Arbeitsgemeinschaft Radverkehr will nicht aufgeben. Wie Sprecherin Sonja Schmidt mitteilte, soll es in etwa zwei Wochen einen Termin bei Baubürgermeister Jörg-Peter Schautz geben, um über einen möglichen Kompromiss zu reden. Im April soll dann ein Lösungsvorschlag vorliegen.

Denkbar wäre ein unterbrochener Radstreifen. Um die Platzprobleme an der Mittelinsel zu beseitigen, könnte man die Markierung für Radfahrer zum Beispiel 20 Meter vor der Mittelinsel enden lassen und 20 Meter nach der Mittelinsel wieder beginnen. In den anderen kritischen Bereichen müssten Parkplätze gestrichen werden. Zwischen Steinstraße und Oberpesterwitzer Straße, so hat es das Planungsbüro exemplarisch durchgerechnet, wären allein zehn Stellplätze betroffen. Dafür hätten Rad- und Autofahrer aber dann ausreichend Platz nebeneinander. Kommentar