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Kein roter Teppich für Radfahrer

Fehlende Radwege, schlechter Straßenbelag und zu enge Fahrspuren machen es Radfahrern schwer. Das merken auch Fußgänger auf dem Blauen Wunder.

© René Meinig

Von Kay Haufe

Sie haben es wieder getan. Am Montagmorgen war der westliche Fußweg des Blauen Wunders voller Radfahrer. Und dies, obwohl die Polizei in der vergangenen Woche abgestraft und weitere Kontrollen angekündigt hat. Doch das scheint viele Radfahrer nicht davon abzuhalten, verbotenerweise weiter den Gehweg zu nutzen, statt regelkonform die Brückenfahrbahn.

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Radler flüchten regelmäßig auf Fußwege, wenn ihnen die Straße zu gefährlich erscheint. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Allein 2015 waren 843 Radfahrer in Unfälle verwickelt. Hinzu kommt, dass der Anteil von schweren Personenschäden dabei mit fast 23 Prozent enorm hoch ist. Zwei Drittel aller Unfälle werden von Autofahrern verursacht. Im Falle des Blauen Wunders sind es die schmalen Fahrspuren, auf denen Autos versuchen, mit Millimeterabstand zu überholen oder den störenden Radfahrer ganz wegzuhupen. Leidtragende sind dann die Fußgänger, die sich wiederum von schnellen Radfahrern bedrängt fühlen. Ein Bürgerhinweis war auch der Auslöser der Polizeikontrolle.

Wie kontrovers diese Aktion diskutiert wird, zeigen 65 Kommentare unter dem SZ-Text vom Freitag, der über die Kontrolle berichtete. „Natürlich verhalten sich die Radfahrer nicht regelkonform. Das Verhalten liegt aber nicht zuletzt an den Versäumnissen der Stadt bei der Radinfrastruktur an dieser Stelle... Die Stadt ist gefragt, an der Stelle Lösungen zu finden -- sei es durch gleichzeitige Kontrolle der AutofahrerInnen oder noch besser durch eine bauliche Maßnahme wie Radwege auf der Straße“, schreibt Nutzer sletrabf.

Andere begrüßen die Polizeiaktion. „Ich erlebe es täglich, wie rücksichtslos und arrogant Fahrradfahrer wie selbstverständlich die Fußwege für sich beanspruchen. In ihrer grenzenlosen Selbstherrlichkeit übersehen sie allerdings, dass gerade kleine Kinder in akute Gefahr gebracht werden“, schreibt eindresdner. Michael Ton macht Vorschläge, wie die Stadt vorgehen könnte. „Die historisch geprägten baulichen Verhältnisse zwischen Körnerplatz und Schillerplatz sind schwierig, um einen guten Kompromiss in der Verkehrsorganisation zu finden.“ Seine Empfehlung an den Baubürgermeister: mal ganz unbefangen einige auswärtige Verkehrsexperten um ihren Rat bitten. „Da sollte alles zur Diskussion stehen – vom Brückenumbau über eine Parallelbrücke und einen Kfz-Tunnel bis zu Radstreifen und permanenter und dichter Geschwindigkeitskontrolle.“

Eigentlich hat die Stadt mit dem Radwegekonzept schon eine Lösung für das Problem am Blauen Wunder. Es sieht genau die Markierung der Radspuren vor. „Und sie haben oberste Priorität im Konzept“, sagt Rolf Leonhardt, der stellvertretende Landesvorsitzende des ADFC. Rund 50 000 Euro würden Markierungen, das Ändern der Ampelschaltungen und Bordabsenkungen kosten. Nur wann das passiert, ist noch völlig offen. Das Stadtplanungsamt ließ eine SZ-Anfrage unbeantwortet, wie und wann die Sicherheit für Radfahrer auf der Brücke verbessert werden soll. Der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes, Reinhard Koettnitz, gab aber zu bedenken, dass vor allem die Situation an den Knotenpunkten Schiller- und Körnerplatz problematisch sei und eine Staustrecke dort weitere Probleme schaffen könnte. Eine Vorlage soll es aber noch dieses Jahr geben.

Für Grünen-Stadtrat Thomas Löser muss die Situation jedoch schnell verändert werden. Denn derzeit ist der östliche Fußweg aufgrund von Bauarbeiten gesperrt. Deshalb konzentrieren sich Fußgänger und Radfahrer auf der anderen Seite. „Es sind viele Schüler unterwegs, die von Blasewitzer Seite zur Loschwitzer Oberschule fahren“, sagt er. Zudem käme bald das Elbhangfest. Unvorstellbar, wenn die Besucher nur einen Brückenfußweg nutzen könnten. „An der Albertbrücke haben wir die Fußwege verbreitert, das könnte auch für diese Situation eine Lösung sein“, sagt Löser. Er hat den Tiefbauamtsleiter aufgefordert, im nächsten Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau auf des Thema einzugehen. Löser will wissen, ob es möglich ist, aufgrund der Baumaßnahme Tempo 20 oder 10 auf der Fahrbahn anzuordnen, und welche Untersuchungen über den Verkehrsfluss es auf der Brücke gibt, wenn es nur noch eine Richtungsspur gibt sowie Fahrradstreifen.

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Zwischen 2 500 bis 3 000 Radfahrer nutzen täglich das Blaue Wunder, neben 26 000 Autofahrern. Über die Waldschlößchenbrücke fahren rund 10 000 Radfahrer, allerdings auf den kombinierten Fuß- und Radwegen. „Das zeigt deutlich, dass sich Radfahrer auf dem Blauen Wunder nicht sicher fühlen“, sagt Rolf Leonhardt vom ADFC. Dass die Stadt Radfahrer dennoch nicht aus dem Blick verloren hat, zeigt der Ausbau der Winterbergstraße zwischen Großem Garten und Liebstädter Straße, wo Radwege entstehen. Dafür wird aus den bisher zwei Fahrspuren eine überbreite. Obwohl auch auf dieser Strecke rund 14 000 Autos fahren und rund 2 500 Radfahrer unterwegs sind. Kommentar