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Kein schöner Tag für Varoufakis

Beim Euro-Treffen in Riga ist die Stimmung gereizt. Der Athener Finanzminister wird von seinen Kollegen attackiert.

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© dpa

Von Christian Böhmer und André Stahl, Riga

Er kommt in Riga an wie immer – ohne Krawatte und mit breitem Grinsen. Wortlos geht Gianis Varoufakis, der sonst so kommunikative griechische Finanzminister, an wartenden Journalisten vorbei.

Im Saal „Riga“ der lettischen Nationalbibliothek geht es dann zur Sache. „Das war kein schöner Tag für Varoufakis“, kommentiert ein EU-Diplomat trocken. Der Athener Kassenhüter muss sich geballte Kritik der Europartner anhören. „Wir sind uns alle im Klaren darüber, dass die Zeit abläuft“, resümiert Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Die Verantwortung für die Hängepartie trage vor allem Athen.

Die Euroländer werfen der Regierung von Premier Alexis Tsipras immer offener vor, die Verhandlungen über ein Reformpaket zu verschleppen – und damit die Stabilität des gemeinsamen Währungsraums zu gefährden. Die Stimmung ist gereizt, sehr sogar. Der stolze Ökonom Varoufakis soll als „Spieler“, „Amateur“ und „Zeitverschwender“ beschimpft worden sein. Diplomaten wollen diese Worte zunächst nicht bestätigen.

Die Verhandlungen zwischen Experten aus Athen und den Geldgebern kommen zwar voran – aber nur mühsam. „Wir sind noch weit entfernt“, meint EU-Währungskommissar Pierre Moscovici mit Blick auf die dringend benötigte Abmachung. Ohne sie können blockierte Hilfsmilliarden nicht in die leeren Athener Staatskassen fließen.

Das Rätselraten über die äußerst prekäre Finanzlage des Pleite bedrohten Landes geht in Riga weiter. Die EU-Institutionen und der Internationale Währungsfonds (IWF) – einst Troika genannt – bekommen nur spärlich Zahlen. Schon bald müssen weitere Milliarden-Kredite zurückgezahlt werden.

Trotz harter Debatten und harscher Worte gibt sich Varoufakis an der Ostseeküste entspannt. Der 54-Jährige lacht beim „Familienfoto“ mit seinen Kollegen sogar in die Kameras und sieht „klare Anzeichen für eine substanzielle Annäherung“.

Aber er verschweigt die Probleme nicht: Rentenreform, Zwangsvollstreckungen von Immobilien, notwendige Budget-Anpassungen. „Wir haben als Europäer kein Recht, uns nicht zu einigen.“ (dpa)