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Kein Senioren-Wohnen am Lauenareal

© Uwe Soeder

Laut Investor habe es sich dabei nie um ein konkretes Projekt gehandelt. Die Stadt Bautzen hofft unterdessen auf Fördermittel.

Von Jens Fritzsche

Bautzen. Im Moment wächst wegen der Dauerhitze nicht mal Gras über die Sache, so spötteln manche in Bautzen. Und meinen damit das Areal zwischen Lauengraben, Äußerer Lauenstraße und Goschwitzstraße, das seit Jahren brach liegt und vor sich hin dümpelt. Die gähnend freien Flächen werden als Parkplatz genutzt, während die meisten Ladengeschäfte die das Gelände begrenzenden und nicht mehr wirklich ansehnlichen Gebäude längst leer stehen, Verfall prägt hier das Bild – und das ausgerechnet an der Einfahrt zur Innenstadt.

Dabei sah es jüngst sogar danach aus, dass schon bald Bewegung in die Entwicklung der Fläche kommen könnte, auf der ein Investor – die Projektgesellschaft Säurich & Sassenscheidt – vor einigen Jahren mal das sogenannte Lauencenter bauen wollte. Ein weiteres Einkaufszentrum für die Bautzener Innenstadt. Der Projektgesellschaft gehört ein Großteil der Flächen – und Erik Sassenscheit und Jörg Säurich hatten vor einigen Monaten nun das Thema Altersbetreutes Wohnen auf dem Areal ins Spiel gebracht. Doch diese Idee sei jetzt vorerst auf Eis gelegt, hieß es dieser Tage nun überraschend dazu. Laut MDR begründete Mitgesellschafter Jörg Säurich die Entscheidung mit den derzeit hohen Baupreisen. Um die Baukosten wieder einzuspielen, müsste die Projektgesellschaft hohe Mieten verlangen. Erik Sassenscheidt wundert sich hingegen über solche Meldungen. „Im Moment haben wir nämlich eigentlich gar nichts Konkretes mitzuteilen“, sagt er. Klar sei allerdings, dass das Areal in jedem Fall entwickelt werden soll. „Aber wie, ist derzeit noch vollkommen offen“, macht er auf SZ-Nachfrage deutlich.

Viele Ideen und Gespräche

Und so wirklich konkret sei dabei auch die Idee des betreuten Wohnens noch gar nicht gewesen, fügt er an. „Wir suchen einfach nach wie vor, nach der passenden Lösung für die Fläche“, beschreibt Erik Sassenscheidt. Und verweist darauf, dass es eine Lösung sein müsse, „die zu diesem Standort passt“. Man sei jedenfalls für alles offen, höre sich immer wieder neue Vorschläge an und sei auch immer wieder mit möglichen Partnern im Gespräch, beschreibt er den aktuellen Stand.

„Das Ganze ist ein Prozess“, so Investor Sassenscheidt. Ein Prozess, der durchaus noch eine Weile dauern könne. „Wie schnell es konkrete Ergebnisse oder zumindest konkretere Projekt-Ideen geben wird, lässt sich derzeit einfach noch nicht sagen“, drückt er auf die sprichwörtliche Erwartungsbremse. Und selbst dann wäre der Weg ja noch nicht zu Ende. Denn dann kommt natürlich zunächst noch die Stadt Bautzen ins Spiel. Die ja ein kräftiges Wort mitzureden hat, was auf dem Areal passieren kann und darf. Und soll.

Nicht zuletzt, weil auch der Stadt einige Grundstücke auf der Fläche gehören. Konkrete Bauanfragen oder neue Ideenvorschläge habe es in letzter Zeit jedenfalls nicht gegeben, verweist Bautzens Bau-Bürgermeisterin Juliane Naumann auf den aktuellen Stand. Der Informationsfluss zwischen Rathaus und der Projektgesellschaft Sassenscheidt & Säurich sei dabei gut. „Die Stadt wird von den Investoren über Intentionen der Entwicklung in Kenntnis gesetzt“, so die Bau-Bürgermeisterin.

Entscheidung bis Jahresende

Und sie verweist darauf, dass unter Umständen Ende des Jahres wieder ein bisschen Bewegung in das Thema kommen könnte. Denn dann werde die Stadt wissen, ob sie ins Förder-Programm „Attraktive Stadt und Ortsteilzentren“ aufgenommen wird, „womit Städtebaufördermittel für die Entwicklungen auf dem Areal zur Verfügung stehen könnten“, hofft Juliane Naumann auf ein positives Signal. In das Förderprogramm fließen dabei Mittel des Freistaats und aus dem Bund, um Sanierungsprojekte in Stadt- oder Stadtteilzentren zu unterstützen. Das Lauenareal würde also perfekt passen. Und wenn dann klar ist, ob es eine finanzielle Unterstützung gibt, würde das natürlich auch Ideen beflügeln helfen. Denn dann wäre auch klar, ob die erwähnten explodierten Baupreise durch Fördermittel zumindest ein wenig abgefangen werden könnten.

Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass schon vorab – nämlich bereits im Herbst – Schwung in die Entwicklung des Lauenareals kommt. Denn zum Jahresbeginn war bekanntlich eine weitere Nutzungsidee an die Öffentlichkeit gedrungen. So untersucht derzeit die Stiftung für das sorbische Volk, ob ein Teil des Geländes als Standort für das Sorbische Institut geeignet ist. Es geht um die „Alte Posthalterei“, die der Stadt Bautzen gehört. Bis zum Herbst soll dazu eine Entscheidung fallen, hatte Stiftungsdirektor Jan Budar dazu im Frühjahr im Gespräch mit der SZ erklärt. Aber auch er wollte nicht für allzu viel Euphorie sorgen. Denn sollte die Entscheidung letztlich tatsächlich pro „Alte Posthalterei“ auf dem Lauenareal fallen, sei trotzdem frühestens Mitte 2020 mit dem Start der Bauarbeiten zu rechnen, so Budar.