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Kein Solarstrom von Schönfelds Äckern

Bei der Abstimmung im Gemeinderat bringt die Landwirte-Lobby ein Photovoltaik-Projekt zu Fall.

© Kristin Richter

Von Manfred Müller

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Schönfeld. Auf der Website des sächsischen Landesbauernverbandes tickt eine Flächenverzehr-Uhr. Sie zeigt an, dass der landwirtschaftlichen Produktion im Freistaat täglich etwa 73 000 Quadratmeter entzogen werden. Demgegenüber verspricht ein Passus im Erneuerbare-Energien-Gesetz besondere Fördermöglichkeiten für Investoren, die entlang von Autobahnen und Schienenwegen Windkraft- und Photovoltaikanlagen errichten. Auch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen – sofern diese in einem 110 Metern breiten Streifen entlang der Verkehrstraße liegen.

In diesem Spannungsfeld musste der Schönfelder Gemeinderat zu Wochenbeginn über ein Energieprojekt der Chemnitzer Firma Universal Energy Engineering (UEE) entscheiden. Das Unternehmen plant, auf der Westseite der A 13 eine Photovoltaikanlage zu errichten. Die vier bis fünf Hektar große Modulbelegungsfläche soll auf einem 70 Meter breiten Streifen zwischen den beiden Autobahn-Querungsbrücken an der Fasanerie und bei Liega liegen. Sie ist für eine Leistung von viereinhalb Megawatt ausgelegt, was dem Strombedarf von etwa 4000 Haushalten entspricht. Allerdings brauchen die Investoren dazu einen Bebauungsplan, der von der Gemeinde aufgestellt und genehmigt werden muss. Den aber werden sie nicht bekommen. In der Ratssitzung setzten sich die Gegner des Projekts mit der hauchdünnen Mehrheit von einer Stimme durch. Und das, obwohl die Besitzer eines Großteils der Flächen kein Problem damit haben, die Äcker an die UEE zu verpachten.

Was war passiert? Im ländlich geprägten Schönfeld sitzen etliche Landwirte im Gemeinderat, andere Räte stammen aus alteingesessenen Bauernfamilien. Bürgermeister-Vize Martin Steinborn (CDU) leitet selbst einen Agrarbetrieb und war zudem persönlich betroffen, weil er auf dem umstrittenen Areal Land besitzt. Deshalb durfte er wegen Befangenheit zwar nicht an der Abstimmung teilnehmen, nutzte aber die Bürgerfragestunde, um sich deutlich gegen das Solarprojekt auszusprechen.

Einen Verbündeten fand er in Siegmar Dörschel (Bürgerinitiative „Für unsere Gemeinde“), der generell gegen alternative Energieanlagen auf dem Gemeindeterritorium eingestellt ist. Da konnte UEE-Vertreter Gunter Moch noch so für das Photovoltaik-Feld werben – am Ende führten alle Versprechungen nicht zum gewünschten Ergebnis. Die Chemnitzer hatten sich zum Beispiel bereiterklärt, den Sitz der Betreiberfirma in Schönfeld anzusiedeln. Dadurch würden sämtliche Gewerbesteuern, die das Unternehmen zu zahlen hat, in die Gemeindekasse fließen. Im Falle der geplanten UEE-Anlage jährlich etwa 5000 Euro. Dörschel allerdings machte darauf aufmerksam, dass das Unternehmen ja seine Investitionskosten gegenrechnen könne und deshalb zunächst überhaupt nicht mit Steuereinnahmen zu rechnen sei. Auch die Offerte, eine Stromversorgung fürs Trainingsgelände des Schönfelder Schützenvereins herzustellen, konnte die Front der Gegner nicht aufweichen.

Siegmar Dörschel und Martin Steinborn hatten mit ihren Einwänden schon im Dezember dafür gesorgt, dass das Thema von der Tagesordnung des Gemeinderates genommen worden war. In der Diskussion um einen Bebauungsplan bildeten sie den Gegenpol zu Bürgermeister Hans-Joachim Weigel und Gerald Bauer (DSU), die sich unumwunden für den Bau der Photovoltaikanlage aussprachen. Was nütze es, auf die Erhaltung landwirtschaftlicher Nutzflächen zu pochen, wenn dort am Ende Mais für die Stromerzeugung in Biogasanlagen angebaut werde“, hielt Bauer entgegen. Da könne man auch gleich die umweltfreundlichere Sonnenenergie nutzen. Die Kontra-Fraktion wiederum wies darauf hin, dass Schönfeld durch den Bau der B-98-Umfahrung schon jede Menge landwirtschaftliche Nutzfläche verlieren wird. Da müsse man mit der Photovoltaik nicht noch eins draufsetzen.

Am Ende wuchs die Diskussion zu einer allgemeinen Streiterei über den Sinn oder Unsinn alternativer Energieerzeugung aus, in der die Skeptiker den Sieg davontrugen. Es zeigte sich, dass es Risse gibt im sonst sachorientiert und oft einmütig entscheidenden Schönfelder Gemeinderat. Er verstehe nicht, so Martin Steinborn nach der Ratssitzung, warum sich der Bürgermeister für ein Projekt starkmache, das das ganze Dorf spalten kann.

Das ist allerdings etwas dick aufgetragen, denn den meisten Schönfeldern dürfte eine Photovoltaikanlage, die einen halben Kilometer von der Wohnbebauung entfernt liegt, kaum Probleme bereiten. Das Flächenverzehrs-Argument hingegen ist nicht von der Hand zu weisen. Schrumpfende Anbauflächen zwingen die Landwirte zu intensiveren Produktionsmethoden, was wiederum höhere Umweltbelastungen mit sich bringt.