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„Kein Weltkulturerbe, aber eine Chance für das Hochstift“

Der ehemalige Dombaumeister Günter Donath sieht eine Bewerbung skeptisch – gerade nach der jüngsten Entscheidung für den Naumburger Dom.

© SZ-Archiv/Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Meißen. Wenn er nur geahnt hätte, welche Steilvorlage er mit seinem Interview im MDR-Fernsehen am 9. Juli der Politik geliefert habe, dann hätte er sich doch etwas zurückgehalten.

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Mit diesen Worten bezieht der Architekt und ehemalige Dombaumeister Günter Donath jenen Beitrag und die eine eventuell neue Weltkulturerbe-Bewerbung Meißens aufeinander.

In der Sendung hatte Donath darüber gesprochen, was die Ernennung des Naumburger Doms zum Weltkulturerbe Anfang Juli für Auswirkungen auf die Chancen Meißens haben könnte. Ob die diesbezüglichen Gedankenspiele des Meißner Oberbürgermeisters wirklich von Herzen kommen, bezweifelt Donath und begründet das mit dem fehlenden Nachdruck bei der Bewerbung von vor sechs Jahren.

Zu den Chancen Meißens sagt der Architekt: „Jetzt ist mit dem Vorschlag für die Gartenstadt Hellerau der Zug abgefahren und auf längere Zeit besteht für Sachsen im Bund keine Vorschlagsmöglichkeit mehr.“

Natürlich, befindet Donath, sei die Qualität der Albrechtsburg als dem ersten Schlossbau und der stilprägenden künstlerischen Handschrift des Baumeisters Arnold von Westfalen im mitteldeutschen Kunstraum sowie dem Meißner Dom mit den sieben Skulpturen des Naumburger Meisters unbestritten und welterbewürdig.

Gleichwohl fragt er, ob das wirklich genüge? „Einzelmonumente werden in die Liste kaum noch aufgenommen. Darum bietet die Entscheidung der Kommission für den Naumburger Dom die Ausnahme. Damit ist aber das Thema Naumburger Meister, auf den nicht nur die Naumburger Stifterfiguren, sondern eben auch die Skulpturen im Meißner Dom zurückzuführen sind, leider auch vergeben.“

Ähnlich liege die Sache nach Meinung des Dombaumeisters a.D. bei der „Erfindung“ Arnolds – dem Zellengewölbe der „Meißner Schule“, welche kurz nach ihrer Entstehung im Meißner Schlossbau bis hinauf in den Ostseeraum und über die Hanse im Deutschordensstaat weite Verbreitung fand. Auch hier fehle aber das genuine Alleinstellungsmerkmal.

„Die Naumburger haben drei Anläufe in 20 Jahren gebraucht. Zuerst wurde der Dom allein mit dem Figurenprogramm als Einzeldenkmal abgelehnt. Dann folgte auf Empfehlung der Kommission der Antrag für die Kulturlandschaft an Saale und Unstrut – wiederum abgelehnt, weil Anforderungen nicht erfüllt worden seien. Dann wieder der Dom allein als Einzelmonument mit den Skulpturen des Naumburger Meisters und es klappte.“ Diesen Fakt findet Donath durchaus erstaunlich, da aus seiner Sicht das Alleinstellungsmerkmal nicht gegeben ist und deshalb schon einmal eine ablehnende Entscheidung gefällt wurde.

Darauf, dass es wieder so klappen könnte, sollte sich Meißen bei einem Antrag nicht verlassen. Stattdessen müsse man in der Porzellanstadt mit den Pfunden wuchern, die da sind. Für den Dom wären das die sieben Skulpturen des Naumburger Meisters und seiner Werkstatt, die im Falle des Naumburger Doms zum Weltkulturerbetitel führten.

„In Meißen haben wir die gleichwertigen Kunstwerke vor uns, das sollte das Hochstift geschickt vermarkten und intelligente Strategien entwickeln, anstatt sich auf Visionen zu stützen“, sagt Donath. Für ihn als alten Dombaumeister gehöre der Meißner Dom ohnehin schon lange zum Welterbe. „Zumindest in meinem Herzen.“