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Keine Angst vor dem Coronavirus

Busfahrer gehören zu den Berufen, die das öffentliche Leben derzeit aufrechterhalten. Sie bekommen auch mal ein Dankeschön. So wie Hagen Lorenz aus Döbeln.

Hagen Lorenz sorgt mit den anderen Fahrerinnen und Fahrern bei Regiobus dafür, dass auch in der Corona-Krise die Beförderung der Menschen zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Arbeit funktioniert. Ein Flatterband sorgt für die räumliche Distanz zu den Fahrgäst
Hagen Lorenz sorgt mit den anderen Fahrerinnen und Fahrern bei Regiobus dafür, dass auch in der Corona-Krise die Beförderung der Menschen zum Arzt, zum Einkaufen oder zur Arbeit funktioniert. Ein Flatterband sorgt für die räumliche Distanz zu den Fahrgäst © Dietmar Thomas

Döbeln. Hagen Lorenz hat es schon geahnt. Es ist nicht viel los auf der Stadtverkehrslinie D. Als er mit seinem Stadtbus am Bushahnhof an der Haltestelle hält, äugen die Wartenden zwar, aber keiner steigt ein. Die Linie, die über Ebersbach, Neudorf und den Geyersberg führt, ist sonst schon nicht die belebteste. Aber jetzt in der Corona-Krise fahren noch weniger Leute mit.

Viele Alte, die den Bus häufig nutzen, bleiben jetzt zu Hause. Die Schulkinder ohnehin. Mancher Stammfahrgast arbeitet in den eigenen vier Wänden. An einer Haltestelle nach der anderen fährt Lorenz vorbei, ohne anzuhalten. 

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Kaum ein Mensch ist auf der Straße, in ein paar Vorgärten nutzen Hausbesitzer das schöne Wetter. In Ebersbach geht ein Vater mit seinen kleinen Kindern spazieren. Abwechslung bei der häuslichen Kinderbetreuung. In Neudorf fährt Lorenz an die Bushaltestelle, obwohl dort niemand steht. Er ist zu zeitig dran. „Wir müssen erst mal warten.“

Auch für die Fahrer von Regiobus ist die Corona-Krise keine normale Zeit, obwohl sie weiter arbeiten können und müssen. Als Helden des Alltags werden solche Leute bezeichnet, die nicht einfach zu Hause bleiben können, sondern Versorgung, öffentliches Leben, ärztliche Versorgung und Pflege aufrechterhalten und damit auch ein höheres Risiko eingehen. 

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Lorenz fühlt sich nicht als Held. „Damit kann ich nichts anfangen“, meint der 42-Jährige. Angst vor dem Coronavirus hat er nicht. „Ich habe Respekt. Man sollte sich nicht selbst verrückt machen. Als Busfahrer gibt es immer die Möglichkeit, dass man sich bei einem Fahrgast ansteckt.“ Jeden Abend werden die Busse gereinigt und desinfiziert. „Viel mehr kann man nicht machen“, so Lorenz.

Auch für die Busse gelten verschärfte Sicherheitsbedingungen. Mit Flatterband ist der Bereich direkt hinter dem Busfahrer gesperrt. Die Fahrgäste sollen Abstand halten. Sie steigen hinten ein. Vor der Krise haben viele Fahrgäste ihr Ticket beim Fahrer gelöst. Das geht jetzt nicht mehr. Die Fahrgäste müssen sich ihre Fahrscheine an der Standkasse oder einem Automaten holen. Am besten gleich ein Wochen- oder Monatsticket, rät der Busfahrer. 

Vor allem Jüngere nutzen auch das Handyticket mit dem Smartphone. Kontrolliert wird, so gut es geht. „Die meisten zeigen den Fahrschein von draußen an der Scheibe“, erzählt der Busfahrer. In den ersten Tagen der Krise sei sicher auch mancher schwarz gefahren, auch aus der Not heraus. „Was will man machen, wenn man irgendwo einsteigt, wo es keinen Automaten gibt. Es sind ja alle überrumpelt worden“, sagte Lorenz. Das habe sich aber mittlerweile wieder normalisiert.

Der 42-Jährige fährt seit 2014 bei Regiobus. Zuvor hatte er auf dem Bau und dann einige Jahre als Lasterfahrer gearbeitet. Hinter dem Buslenker sitzt er selbst nicht so oft. „Ich arbeite vor allem in der Einsatzleitung“, erzählt er. Die Disponenten organisieren hinter den Kulissen, dass draußen alles reibungslos läuft. Sie organisieren Ersatzbusse bei Defekten und Unfällen oder Ersatzfahrer, wenn einer krank wird. Etwa 30 Busse sind in der Region derzeit jeden Tag unterwegs. Das sind weniger als sonst.

Normalerweise werden um die 40 Busse gebraucht, um den Nahverkehr in der Region Döbeln abzusichern. Aber in der Corona-Krise hat die Busgesellschaft auf den Ferienbetrieb umgestellt. Es werden keine Schulbusse benötigt. Damit wird das Angebot insgesamt ausgedünnt. Denn Schulbusse können auch von den Dorfbewohnern genutzt werden, die in die Stadt wollen oder zurück nach Hause. 

Die Busse sind auch in der Krise wichtig. Vor allem für älter Leute, die Einkaufen oder zum Arzt müssen. Mancher fährt mit dem Bus zur Arbeit. „Es gibt immer Fahrgäste, die schlecht gelaunt sind. Aber es gibt auch welche, die dankbar sind, dass wir noch fahren. Das hört man jetzt ab und zu.“

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Die Stadtbuslinien sind in der Regel gut genutzt, meint Lorenz. Nach der Tour auf der Linie D ist Lorenz auf der Linie A unterwegs. Die geht in Richtung Döbeln Ost und Marktkauf und dann zum Hauptbahnhof. Da fahren mehr Leute mit.

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