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Keine Brezan-Straße in Bautzen

Die Politikerin Caren Lay hatte gemeinsam mit anderen eine Würdigung des Schriftstellers angeregt. Von der Antwort aus dem Rathaus ist sie enttäuscht.

© Wolfgang Wittchen

Von Ulli Schönbach

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Er war der bekannteste sorbische Schriftsteller und einer der meist gelesenen Autoren im Osten Deutschlands. Vor allem sein Roman „Krabat oder Die Verwandlung der Welt“ stand in vielen Bücherregalen der DDR. Trotzdem erinnert in Bautzen nur noch wenig an Jurij Brezan (1916 – 2006). Auf einer Tafel am Philipp-Melanchthon-Gymnasium wird er neben anderen Absolventen kurz erwähnt.

Einigen Wissenschaftlern, Politikern und Künstlern ist das zu wenig. Im Sommer haben sie sich mit einem Brief an Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) gewandt. Darin schlagen sie vor, eine Straße oder einen Platz nach dem Schriftsteller zu benennen. Ihre Begründung lautet: sei eng mit Bautzen verbunden. Mit seinen Romanen und Erzählungen habe er viele Menschen an die sorbische Kultur herangeführt.

Doch so rasch – wie von den Unterzeichnern erhofft – wird aus dem Vorhaben nichts. Aus Sicht der Stadtverwaltung fehlt eine geeignete Straße. Schließlich sei es unpassend, zum Beispiel einen Wirtschaftsweg in einem Gewerbegebiet nach dem Schriftsteller zu benennen. Zwischen der Straße und dem Namensgeber solle möglichst ein Zusammenhang bestehen, heißt es dazu aus dem Rathaus.

Ein getreuer Funktionär der DDR

„Enttäuschend“, nennt die Bundestagsabgeordnete Caren Lay diese Antwort. Die Politikerin der Linken zählt zu den Unterzeichnern des offenen Briefs. Unterstützt wird sie unter anderem von Theaterintendant Lutz Hillmann, dem Lyriker Benedikt Dyrlich und von Dietrich Scholze, dem langjährigen Leiter des Sorbischen Instituts. 2016 veröffentlichte er eine Brezan-Biografie. Im selben Jahr entstand die Idee, Brezan in Bautzen stärker zu würdigen. Denn der Schriftsteller hätte im Juni 2016 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Weil sich seitdem nichts getan hat, wollten die Unterzeichner des Briefes nun einen neuen Anlauf unternehmen. Auch ein Denkmal oder ein Stipendium wären aus ihrer Sicht eine mögliche Form der Ehrung.

Caren Lay hat deshalb wenig Verständnis für das Verhalten der Stadtverwaltung. „Ich hätte mir mehr Engagement gewünscht.“ Mehrfach habe sie nachfragen müssen, um überhaupt eine Antwort zu erhalten – und diese falle nun äußerst knapp und lapidar aus. „So bleibt der fade Beigeschmack, dass die Ehrung von Jurij Brezan, aus welchem Gründen auch immer, nicht gewünscht ist“, sagt die Politikerin.

Fakt ist: Brezan war nicht nur ein bedeutender Autor, sondern auch ein getreuer Kulturfunktionär der DDR – etwa als Vizepräsident des Schriftstellerverbandes. Auch deshalb wird seine Person durchaus kritisch gesehen.

Die Stadtverwaltung stellt jedoch klar: Sie hat grundsätzlich nichts gegen eine Brezan-Ehrung. Voraussetzung sei eine geeignete Straße und eine breite Unterstützung der Idee – „besonders vom sorbischen Volk“. Im Fall der Domowina ist diese gegeben. David Statnik – der Vorsitzende des Dachverbandes – sieht in einer öffentlichen Würdigung des Schriftstellers eine Chance, das sorbische Bewusstsein in der Region zu stärken. Die Benennung einer Straße sei dabei nur eine Möglichkeit von vielen. Als Alternativen schlägt Statnik ein öffentliches Gebäude, eine Schule oder eine wissenschaftliche Tagung vor, bei der Brezan – oder andere sorbische Persönlichkeiten – als Namensgeber dienen.