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Keine Erinnerung an erdrosseltes Baby

Hoch verschuldet, keine Arbeit und noch ein Baby: In für sie aussichtsloser Lage soll eine zweifache Mutter ihr Kind getötet haben. Nun steht sie in Görlitz vor Gericht.

© dpa

Görlitz. Zum Auftakt des Prozesses um den Tod ihres neugeborenen Kindes hat die 29 Jahre alte Angeklagte am Montag von den fraglichen Stunden berichtet. An die Geburt ihres dritten Kindes könne sie sich nicht erinnern, erklärte sie am ersten Verhandlungstag am Landgericht Görlitz unter Tränen. „Ich weiß gar nichts mehr“, beteuerte die Verkäuferin aus Leutersdorf (Landkreis Görlitz) mehrfach. Die Staatsanwaltschaft wirft der Mutter von zwei Töchtern Totschlag vor. Sie soll am 12. Dezember 2012 im Badezimmer des elterlichen Wohnhauses einen Sohn entbunden und unmittelbar nach der Geburt mit einem Handtuch erdrosselt haben. „Ich sehe nur das Blut überall“, gab die zierliche Frau ihre Erinnerungen wieder.

Laut Anklage hat der Säugling 5 bis 30 Minuten gelebt. Die Beschuldigte soll das Kind auf der Toilette zur Welt gebracht und danach die Nabelschnur mit einer Schere durchtrennt haben. Nach eigenen Angaben war sie in der Nacht ins Bad gegangen, weil sie sich unwohl fühlte. „Ich hatte Bauchschmerzen.“ Auf Fragen nach den Vorgängen danach schüttelte die Frau im Gerichtssaal immer nur den Kopf. „Ich sehe nur Blut.“ Ihre Erinnerung habe erst wieder im Krankenwagen eingesetzt. „Ich begreife es selbst nicht“, sagte sie. Zu Prozessbeginn war die Brillenträgerin mit einer tief ins Gesicht gezogenen Schirmmütze unter ihrer Kapuze erschienen.

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Die Angeklagte gab an, sie habe ihre Schwangerschaft erst im Oktober bemerkt, als ihre Regelblutung aussetzte. Kindsbewegungen habe sie nicht gespürt. Offenbar habe sie verdrängt, dass sie erneut Mutter werden sollte. „Ich habe immer verhütet“, sagte die junge Frau. Vom Vater ihres später getöteten Sohnes wisse sie nur den Vornamen. Sie habe den Mann im Internet kennen gelernt, als sie noch in Baden-Württemberg lebte. Im Mai 2012 kehrte die hoch verschuldete Frau nach Ostsachsen in ihr Elternhaus zurück. Ihre 4 und 10 Jahre alten Töchter nahm sie nicht mit, um sie nicht aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen. Die Kinder blieben beim Vater des ältesten Mädchens.

In ihrem Heimatort lebte die Angeklagte mit Eltern, Bruder und Großvater in einem Haus. Doch niemand soll etwas von der Schwangerschaft bemerkt haben. Für den Prozess am Görlitzer Landgericht sind insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt. Bis zum 19. Dezember sollen zehn Zeugen sowie zwei Sachverständige gehört werden. (dpa)