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Keine Frage der Impotenz

Drei Jugendliche sollen Strauß Gustav in Lohsa mit Knallern vorübergehend zeugungsunfähig gemacht haben. Ein Experte erklärte die Version gestern vor Gericht für sehr unwahrscheinlich.

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Von Uwe Schulz

Straußenhahn Gustav aus Lohsa ist höchstwahrscheinlich nie impotent gewesen. Christoph Kistner, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Straußenzucht und -haltung, konnte gestern vor der 3. Zivilkammer des Landgerichts Bautzen jedenfalls ausschließen, dass das Bewerfen mit Gegenständen den fünfjährigen Laufvogel derart verletzt oder psychisch beeinflusst hätte.

Zwar sei so ein Strauß sehr schreckhaft, doch wenn er sich verletze, dann an den Extremitäten, erklärte der 59-Jährige aus Rheinland-Pfalz, der sich sein Straußen-Wissen einst in Simbabwe aneignete. Heute betreibt er selbst eine Straußenfarm mit 80 Zuchttieren in Deutschland und gilt als international anerkannter Experte. Nach seiner Ansicht ist das Ausbleiben von Eiern im Januar und Februar in unseren Breiten völlig normal. Obendrein benötige eine Straußenhenne einen Hahn zwar zum Befruchten, aber nicht zum Eierlegen. Vielmehr dürfte die Apathie des Hahns samt der Hennen Anfang 2006 am soeben erfolgten Umzug aus Polen nach Lohsa und vor allem an der Zusammenstellung des Futters gelegen haben. Der Sachverständige machte keinen Hehl daraus, dass er von den Haltungsbedingungen der ihm bekannten polnischen Züchter nicht viel halte. Zudem zog er Teile der tierärztlichen Befunde in Zweifel, da es bei Straußen artspezifische Besonderheiten gebe, die selbst gestandene Zoologen meinen lassen, dass das Tier Blut im Urin habe.

Das alles hatte sich der klagende Züchter G. zunächst ganz anders vorgestellt. Er wollte von den drei Jugendlichen, die gestanden hatten, im Dezember 2005 Stöcke und Ähnliches ins Straußengehege geworfen zu haben, eigentlich Schadenersatz. Beim ersten Verhandlungstermin im März hatte die Verteidigung maximal die Übernahme der Tierarztkosten und das Ableisten von Arbeitsstunden angeboten – was dem Kläger nicht genügte. So kam es zum gestrigen zweiten Verhandlungstermin mit der Bestellung eines Gutachters zur fachlichen Beurteilung – zuungunsten des Klägers. Die Beklagten übernehmen als Zeichen des guten Willens die Tierarztkosten in Höhe von 140,44 Euro – ohne Schuldanerkenntnis. Ob Züchter G. nun auch die Verfahrenskosten tragen muss, wird sich zeigen. Die Entscheidung behielt sich der Richter vor.