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Keine Gnade für Internet-Betrügerin

Obwohl sie gerade zu neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt wurde, macht eine Serienbetrügerin aus Meißen unbeeindruckt weiter.

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© dpa

Von Jürgen Müller

Meißen. Jetzt ist Schluss mit lustig. Eine Meißner Betrügerin muss jetzt ins Gefängnis. Am Amtsgericht wurde die 29-Jährige zu einer Haftstrafe von drei Monaten ohne Bewährung verurteilt. Damit kommt sie sogar gut weg. Der Staatsanwalt hatte sieben Monate gefordert. Doch das Gericht verhängt die relativ milde Strafe, weil der Frau weitere neun Monate Haft drohen. Die wurden in einem anderen Verfahren vor dem Amtsgericht Riesa zwar zunächst zur Bewährung ausgesetzt. Weil sie sich nicht bewährte und munter weiter betrog, wird die Bewährung nun widerrufen, sobald das neue Urteil rechtskräftig wird.

Nun ist es nicht nur besonders dreist, dass die Meißnerin auch kurz nach einer Verurteilung weiter betrog, es ist auch immer die gleiche Masche. Sie bietet bei Ebay-Kleinanzeigen Spielekonsolen an, kassiert das Geld, liefert aber nicht. Immer wieder macht sie das, immer wieder wird sie verurteilt. So „verkaufte“ sie allein sechsmal eine Spielkonsole für Preise zwischen 150 und 190 Euro, ohne zu liefern.

Als Bewährungsauflage erteilte das Amtsgericht Riesa der Frau 100 Arbeitsstunden. Davon hat sie gerade mal 15 gemacht. Allein das reicht, um die Bewährung zu widerrufen.

Im jetzt angeklagten Fall war sie erneut äußerst skrupellos. Sie bot wieder eine Spielkonsole samt Spielen für den verlockenden Preis von 160 Euro an. Eine 40-jährige Frau aus Greifswald fiel darauf rein. Noch am gleichen Tag überwies sie das Geld – und wartete vergeblich. Auch Schreiben, dass die Konsole ein Geschenk für ihre Kinder zu Weihnachten sein soll, ließ die Angeklagte an sich abprallen.

Dabei will sie tatsächlich eine solche Spielekonsole besessen haben, besser gesagt deren Lebensgefährte. Der sei es gewesen, der am Ende nicht verkaufen wollte, behauptet sie. Zweimal hat das Gericht den Mann als Zeugen geladen, zweimal ist er nicht erschienen. Das erste Mal wurden just am Verhandlungstag die beiden Kinder krank, dann kam er ohne Begründung nicht. Die Ladung habe er erhalten, wo er sei, wisse sie nicht. Ach ja, vor einer Woche habe sie sich von ihm getrennt, ließ die Angeklagte wissen. Deshalb habe sie jetzt auch niemanden, der sich um ihre Kinder kümmere, während sie arbeitet, jammert sie. Und will damit offenbar einer unbedingten Freiheitsstrafe, die sie erwartet, vorbeugen, schiebt die Kinder als Alibi vor.

Den Schaden hat sie wieder gutgemacht, allerdings erst, nachdem sie die Anklageschrift in der Hand hielt. Da merkte sie wohl, dass es ernst wird, sie etwas tun muss. Der Betrug wird dadurch nicht besser. Dass sie von Anfang an nicht vorhatte, etwas zu verkaufen, sondern nur wie so oft das Geld zu kassieren, zeigt auch die Tatsache, dass sie gegenüber der Geschädigten einen falschen Wohnort angab, nämlich einen Ort in Nordrhein-Westfalen. Auch das streitet sie ab, so dass die Geschädigte extra aus Greifswald als Zeugin anreisen muss.

Dass sie betrügen wollte, zeigt sich auch daran, dass sie auf Direktüberweisung des Geldes bestand. Die Geschädigte wollte per Pay-pal zahlen. Dabei wird das Geld praktisch auf ein Treuhandkonto überwiesen und erst dann ausgezahlt, wenn die Ware ausgeliefert ist. Doch das wollte die Angeklagte nicht. In typischer Betrügermanier habe sie die Straftat abgebrüht durchgezogen, wirft ihr der Richter vor. Dass sie zwei kleine Kinder hat, sei kein Grund, sie nicht ins Gefängnis zu schicken. „Die waren auch bei den anderen Taten klein. Das hätten Sie sich eher überlegen sollen“, sagt er.